Im Interview: „Höchste Zeit für jemanden von außen“

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DAUN. Zwei Kandidaten stehen für die Bewerbung zur Nachfolge des scheidenden parteilosen Landrats Heinz Onnertz im Kreis Vulkaneifel bereits fest: der ebenfalls parteilose Heinz-Peter Thiel und der derzeitige Kreisdirektor von Siegen-Wittgenstein Frank Bender (CDU). Angelika Koch sprach für lokalo mit dem 52-jährigen Juristen und Verwaltungsfachmann Bender über die anstehenden Themen in einer zur Zeit konfliktreichen Eifelregion.

Herr Bender, Sie sind bis 2016 Kreisdirektor in Siegen-Wittgenstein, kommen jedoch aus Bad Neuenahr-Ahrweiler und möchten gerne in Ihrer Heimat Landrat werden. Ist es für Sie daher auch eine Überlegung, bei der 2015 stattfindenden Landratswahl in Ihrem Heimatkreis Ahrweiler anzutreten? Oder gibt es besondere Problematiken in Ihrer jetzigen Wirkungsregion, die einen schnelleren Wechsel in die Vulkaneifel geboten erscheinen lassen?

Bender: Nein, es zieht mich nichts weg aus dem Siegerland, aber es zieht mich vieles hin in die Vulkaneifel. Ich habe von den Problemen im Kreistag gehört, und da mir die gesamte Eifel – auch die Vulkaneifel – sehr am Herzen liegt, bin ich fest davon überzeugt, dass jemand von außen benötigt wird, um die Konflikte und vor allem die Sachprobleme zu lösen. Mit meinen Erfahrungen sehe ich mich bestens in der Lage, das zu leisten. Als Landrat in Daun werde ich dafür eintreten, auch mit den Nachbarn wie zum Beispiel dem Kreis Ahrweiler gute Kooperationen zu pflegen. Es ist wichtig, dass die Vulkaneifel dort mit ihren Stärken wahrgenommen wird und nicht nur mit ihren vermeintlichen Schwächen.

Jeder Politiker agiert unter vorgegebenen Rahmenbedingungen. Sie haben in den 1990er Jahren ein rasantes Wachstum in Ostwestfalen-Lippe etwa im Bereich Infrastrukturaufbau mitgestaltet. In der Vulkaneifel anno 2012 treffen Sie auf die gegenteilige Herausforderung einer demografischen Entwicklung, die mit einem deutlichen Schrumpfen der Bevölkerung verbunden sein wird und teilweise bereits verbunden ist. Mit welchen konkreten Maßnahmen werden Sie im Fall eines Wahlsieges dem demografischen Wandel begegnen?

Bender: Ein ganz wichtiger Ansatzpunkt ist meines Erachtens, dass die Jugend motiviert wird, hier zu bleiben oder hierher zu kommen. Eine schöne Landschaft allein reicht nicht aus, sondern dafür braucht es attraktive Jobs, gute Bildungsmöglichkeiten, Kultur oder auch Freizeitangebote. Die Frage, welche Chancen junge Menschen in der Vulkaneifel haben, ist Ausschlag gebend dafür, welche Chancen auch Ältere haben, denn die Generationen tragen gegenseitige Verantwortung füreinander und müssen die demografische Entwicklung gemeinsam bewältigen. Wohnortnahe Kindertagesstätten, der Zugang zur dualen Ausbildung und zu Hochschulen, eine generationengerechte Finanzwirtschaft oder der Ausbau der modernen Datenwege sind konkrete Schritte, um die Herausforderungen anzugehen.

Sie sprachen bereits von einer Kultur des Miteinanders, die Sie in der Vulkaneifel als unbelasteter Problemlöser initiieren wollen. Doch Sie kommen in eine seit Jahren politisch tief gespaltene Region, welche damit deutschlandweit Negativschlagzeilen macht. Wie wollen Sie das als CDU-Mitglied und von der Bürgerunion Vulkaneifel unterstützter Kandidat überwinden; welche internen Veränderungen wollen, müssen und können Sie dafür selbst anstoßen? Und welche Veränderungen erhoffen Sie bei oder von den anderen politischen Gruppierungen?

Bender: Eine tiefe politische Spaltung, die Sie andeuten, sehe ich nicht, nur die Konflikte einzelner. Wie mein Wettbewerber auch versuche ich, eine möglichst breite politische Basis aufzustellen. Da bin ich offen für alle politischen Gruppierungen, die mich unterstützten wollen… etwas anderes ist es bei einer demokratiefeindlichen Partei. Ich kann mit allen in der Vulkaneifel vertretenen Gruppen sprechen und bin der Meinung, Lagerdenken darf nicht das Bewusstsein bestimmen. Es macht meines Erachtens auch keinen Sinn, immer auf die Vergangenheit zu schauen, wir müssen vielmehr in die Zukunft blicken. Und da ist es gut, wenn möglichst viele Bürger partizipieren und etwa an Kreistagssitzungen teilnehmen. Ich bin dafür, den Konsens zu finden und Runde Tische ins Leben zu rufen, und stecke nicht in einem „Korsett“.

Ein Teil der Medien hat sich bereits vor dem offiziellen Wahlkampfstart klar kontra Thiel und pro Bender ausgesprochen. Wie passt Ihrer Meinung nach diese deutliche Positionierung zu Ihrem Bestreben, eben keine Kontinuität der Spaltung, sondern den Dialog mit allen zu pflegen, um eine möglichst breite Basis zu erreichen?

Bender: Ich kann Ihnen zu dem konkreten Fall nichts Näheres sagen, da ich mich damit noch nicht intensiv befasst habe. Generell gilt meiner Meinung nach für Medien dasselbe wie das, was ich schon zu den politischen Gruppierungen sagte: Ich bin offen für alle, die mit mir sprechen wollen, ob das Zeitungen oder einzelne Bürger sind. Wenn Medien Interviews mit mir wollen, bekommen sie die – wenn sie das nicht tun, ist es bedauerlich, weil ich glaube, dass die Öffentlichkeit möglichst viele Informationen über die Landratskandidaten wünscht, um sich entscheiden zu können. Aber ich selbst kann nur auf die Medien antworten, die auf mich zu gehen und mir den Platz einräumen. Wie ich dann dort bewertet werde, habe ich nicht in der Hand.

Der aktuelle Themenkanon der Vulkaneifel ist bei aller Dissonanz der politischen Gruppierungen drängend: unter anderem Kommunalreform, Windkraftstandorte in der VG Hillesheim, Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG. Welche konkreten Lösungsvorschläge bringen Sie ein?

Bender: Ich kann hier natürlich nicht auf alle angeführten Bereiche detailliert eingehen. Nur einige Stichworte: Die Kommunalreform ist als Versuch, sie per Gesetz über die Köpfe der Menschen hinweg zu verordnen, grandios gescheitert. Die Kommunen müssen wieder auf den Ebenen der Zuständigkeiten und der Bereitstellung der dafür erforderlichen Mittel gestärkt werden. Auch der Landkreis Vulkaneifel wird sich diesem Thema stellen müssen und dann mit einer Stimme für den Erhalt der bürgerfreundlichen Strukturen eintreten. In punkto Windkraft sind wir uns sicher alle einig darin, die Energiewende zu befürworten. Da geht es um die ökonomische Effizienz wie etwa die Windhöffigkeit, die mit dem Naturschutz abgewogen werden sollte. Das muss bei jedem einzelnen Standort geprüft werden, in Hillesheim ebenso wie überall sonst. Bei der Verkehrsinfrastruktur hat für mich der A1-Lückenschluss Priorität, und im Hinblick auf die Kreisstraßen sollten in sauberen Verhandlungen mit den betroffenen Verbandsgemeinden Regelungen gefunden werden. Was die Wirtschaftsförderungsgesellschaft angeht, so werden diese Einrichtungen überall in Deutschland kritisiert, weil sie angeblich nicht genug tun. Speziell in Daun ist die WFG eine rührige und hervorragende „Truppe“, die mich positiv überrascht. Gemeinsam mit den Kammern, den Gewerkschaften und den Unternehmen kann man da weitere Konzepte abstimmen und zusätzliche neue Schwerpunkte setzen, denn Wirtschaftsförderung ist ein Gesamtanliegen von allen und wandelt sich ständig in den Anforderungen.

Herr Bender, vielen Dank für das Gespräch.

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