Seitz raus? Nein!

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    Bei Eintracht Trier gärt es wieder einmal. Unmittelbar nach der zweiten Niederlage in Folge – diesmal im Derby gegen die TuS Koblenz – wird in diversen Internet-Foren bereits der Kopf von Trainer Roland Seitz gefordert. Der Oberpfälzer ist das schwächste Glied in der Kette. Doch seine Entlassung wäre nicht nur falsch, sondern sogar fahrlässig.

    Die Mechanismen im Profifußball greifen immer nach den gleichen Mustern. Läuft es nicht rund, wie jetzt bei Fußball-Regionalligist Eintracht Trier, wird der Trainer zum Sündenbock. Er ist das schwächste Glied in der Kette. Auf ihm laden sich Enttäuschung, Frustration, Wut und Zorn ab. Kaum einer denkt darüber nach, dass viele Trainer davon abhängig sind, was ihnen zugestanden wird – von der Führung des Klubs. Sie müssen mit dem arbeiten, was ihnen an die Hand gegeben wird.

    Und auf einer Glatze kann man keine Locken drehen – selbst der beste Trainer nicht.

    So ist es immer. So ist es jetzt auch bei Roland Seitz. Ende August schrieb lokalo darüber, dass Seitz irgendwann für die Verfehlungen, für das Missmangement, für das stümperhafte Gebaren des von ihm gestützten Vorstandes und Geschäftsführers wird büßen müssen. Die Zeit ist schneller gekommen, als das selbst der Autor dieser Zeilen für möglich hielt.

    Seitz muss mit Spielern arbeiten, die beileibe nicht im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit stehen. Viele waren lange Zeit verletzt, andere haben bei ihren Ex-Klubs ewig keinen Einsatz gehabt. Eintracht Trier ist zu einer Reste-Rampe verkommen – wer hier landet, muss von vorne beginnen, will sich wieder empfehlen oder neu Fuß fassen. Mit dem, was andere Klubs übrig lassen oder abstoßen, muss Seitz zurecht kommen. Zudem fehlen ihm die personellen Alternativen – schlicht, weil keine da sind.

    Sicher, der Oberpfälzer hat Fehler gemacht. Weil er sich mit Spielern wie Thomas Kraus, André Poggenborg und Thomas Drescher überwarf. Weil er nicht auf seine Spieler zuging, sondern das Lied des Vorstandes pfiff. Den größten Fehler hat Seitz nämlich mit seiner sklavischen Hinwendung zur Vereinsführung gemacht. Und diese Nibelungentreue könnte ihn jetzt teuer zu stehen kommen. Nämlich dann, wenn wieder einmal der Sündenbock für die Verfehlungen der Klubspitze gesucht wird – wie in den letzten Jahren bei Werner Weiss, bei Mario Basler, bei Reinhold Breu und auch bei Manager Fritz Fuchs.

    Dabei sitzen die Urheber des Schlamassels nirgendwo anders als in der Führungsetage des Klubs – Ernst Wilhelmi, Harry Thiele, Roman Gottschalk und die graue Eminenz, Geschäftsführer Dirk Jacobs. Sie schaffen es nicht, den Verein von seinem durch und durch negativen Image zu befreien. Sie schaffen es nicht, den Klub wirtschaftlich und finanziell so zu stabilisieren, dass der Trainer Material an die Hand bekommt, mit dem er vernünftig arbeiten kann. Sie sind überfordert. Sie sind hilflos, planlos und konzeptlos.

    Ein kleines Beispiel, das aber symptomatisch für den Zustand des inzwischen abgehalfterten einstigen „Stolz der alten Stadt“ ist: Vor der Saison 2011/2012 wollte Seitz seine beiden „Sechser“ Jeremy Karikari und Stefan Kohler behalten. Seitz biss beim Vorstand aber auf Granit. Für Karikari und Kohler zusammen war kein Geld da. Also musste Seitz sich entscheiden – für Karikari und gegen Kohler. Als Alternative blieb ihm Max Bachl-Staudinger, der für einen mittleren dreistelligen Betrag in Trier spielte und den Klub dann in der Saison doch verließ.

    So wird der Verein seit Jahren geführt, so taumelt er dem Abgrund entgegen – immer mehr, immer schneller. Der Vorstand aber wird in schöner Regelmäßigkeit von den auf beiden Augen blinden Mitgliedern in dieser Art von Politik bestätigt.

    Noch ein Beispiel: Als die Nachfolgeregelung für Jugendkoordinator Reinhold Breu anstand, bewarb sich Ansgar Heck um den Job. Heck, Jugendtrainer im Verein und rechte Hand Breus, fertigte ein umfassendes Konzept für die Jugendarbeit in den kommenden Jahren an. Und weil der Marketing-Experte Heck wusste, dass der Verein nicht eben auf Rosen gebettet ist, schlug er der Vereinsführung vor, seinen sicheren Job bei der Telekom aufzugeben und dafür die Geschäftsstelle des Klubs zu übernehmen – seine Arbeit als neuer Nachwuchskoordinator wollte er zusätzlich leisten und sich so ganz dem Verein widmen.

    Das aber war das Todesurteil für den ambitionierten Heck als Trainer bei Eintracht Trier. Jacobs sah seine Felle davon schwimmen. Das Ergebnis war, dass Heck nicht nur nicht neuer Jugendkoordinator wurde, sondern ganz gehen musste. Ihm folgten Bernhard Weis, Frank Thieltges und weitere engagierte Trainer. Christian Mergens, bei der Eintracht schon einmal entlassen, kam als Nachfolger für Breu – die zweite Mannschaft stieg ab, als Mergens schon längst das Weite gesucht hatte.

    So sieht die interne Politik der Vereinsführung von Eintracht Trier aus. Planlos, hilflos, konzeptlos und schlicht stümperhaft. Und jetzt Seitz? Gut möglich. Die Frage ist nur, womit? Der Klub hat nicht einmal genug Geld, um ein paar Hundert Euro für Ex-Spieler zu bezahlen, damit es wegen des Prämienstreits eben nicht zu einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht kommt. Seitz aber hat noch Vertrag bis zum Sommer 2014. Und der Oberpfälzer wird den Teufel tun und seinen Vertrag freiwillig zurückgeben.

    Nein, das einzige Signal, das dem Verein noch helfen kann, ist ein Rücktritt der kompletten Führungsriege – einschließlich Geschäftsführer Jacobs. Dann, aber auch nur dann, hat der Klub eine Chance, seine Zukunft zu gestalten. Ob mit oder ohne Seitz, wird man dann sehen. Ansonsten kommt der Abgrund immer näher – unerbittlich.

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    1 KOMMENTAR

    1. Als Spieler ist man nicht täglich mit dem Vorstand in Verbindung, sondern mit dem TRAINER!!! Es ist seine Aufgabe die Jungs zu motivieren und nicht zu demotivieren. Er muss mit den Jungs sprechen und ihnen sagen, was sie verbessern müssen. Der Vorstand steht nicht auf dem Trainingsplatz und gibt Anweisungen, der Vorstand macht nicht Woche für Woche das gleiche Training und der Vorstand steht auch nicht vor dem Spiel in der Kabine und erklärt die Taktik! Das ist Aufgabe des Trainers und andere Vereine haben auch keinen Karikari und Kohler im Mittelfeld und die Mannschaften kämpfen trotzdem!! Bei Ulm spielt z.B. Bachl-Staudinger, der hier in diesem Artikel erwähnt wurde!! Warum hat der bei Trier nicht gespielt? Weil er vom Vorstand nicht aufgestellt wurde oder vom Trainer???

    2. wie immer ein auf den Punkt erstellter Bericht. Was ich noch hinzufügen möchte ist die unfassbar schlechte Arbeit des Vorstands beim Umgang mit Sponsoren und auch mit möglichen Interessenten die Eintracht zu sponsern! Diese Herren beweisen immer wieder aufs neue wie unglaublich überheblich und planlos dieser Verein geführt wird. Zurück in den Profifußball heißt es da immer wieder solle die Eintracht geführt werden. Mit diesem Vorstand niemals!! Viele Sponsoren die viele Jahre zur Eintracht gehalten haben wollen sich in Zukunft als Sponsor zurückziehen und das legt nicht nur am sportlichen Misserfolg! Bei aller liebe zur Eintracht aber dieser Zustand ist untragbar! Aber wer will die Führung in diesem Verein übernehmen. Die Eintracht hat mittlerweile einen so schlechten Stand und Ruf in der Geschäftswelt dass sich wohl niemand finden lässt. Das schlimme dabei ist dass die Herren im Vortsand das genau Wissen und alle Personen die in der Vergangenheit versucht haben der Eintracht zu helfen vom Hof gejagt haben. In einer Art und weise die gut und gerne als Asozial bezeichnen kann! Wir haben einen guten Trainer mit dem Wissen und der Erfahrung dieser Mannschaft zu helfen. Natürlich ist der Trainer bei sportlichem Misserfolg oftmals der Sündenbock aber wenn dieser Vorstand auch in Zukunft gute Spieler behandelt wie Ihre eigenen Mitarbeiter was sich ja leider schon rumgesprochen hat wird auch der beste Trainer diesem Verein nicht weiterhelfen können.

    3. Wenn ein Trainer einen Spieler wie Fuchs drei Wochen im probetraining hat , und nicht sieht was für eine Gurke dieser Spieler ist , kann er keine Ahnung vom Fußball haben !!!

    4. Ich plädiere für einen kompletten Neuanfang und zwar sofort, Trainer raus Vorstand raus und vor alem die Karrikatur eines Geschäftsführers raus. Dann kann man bei 0 starten und den Bock umstoßen, anders geht es nicht mehr.

    5. Jetzt muss der arme Roland Seitz dafür herhalten, dass Eric Thelen seinen Hass auf Wilhelmi und Jacobs erneut artikulieren kann! Wer außer Thelen stellt Seitz eigentlich ernsthaft in Frage („gut möglich…“ ist reine Spekulation). Und eine in der Tat enttäuschende Mittelfeldposition in der Tabelle sowie zwei schwache Spiele in Mannheim und gegen Koblenz sind noch kein „Schlamassel“. Warum gilt dem Kommentator eigentlich die Auffassung seines Interviewpartners (von vor einigen Wochen) Kohler als die Wahrheit? Außerdem hat Karikari seinerzeit das Angebot der Eintracht nicht wahrgenommen, weil er offenbar ein besseres hatte. Dass der Verein im Prämienstreit auf seiner Position beharrt, muss nicht heißen, dass er nicht mehr „ein paar hundert Euro..“ für eine außergerichtliche Beilegung zur Verfügung hat. Hier steht eben Meinung gegen Meinung, nicht mehr, nicht weniger. Den Vorgang „Heck“ kann ich nicht beurteilen, ich sage auch nicht, dass der Vorstand alles richtig macht. Aber immer gilt: Wer den Rücktritt des Vorstands fordert, sollte eine Alternativlösung parat haben.
      Und ganz zum Schluss: Der Begriff „Reste-Rampe“ im Zusammenhang mit Menschen ist unmoralisch!

    6. Thielen hat Recht. Punkt. Es ist viel zu einfach alles auf den Trainer zu schieben. Aussage Seitz beim OK54: In 2 Jahren ist der Etat halbiert worden.
      Wer ist dafür verantwortlich, Seitz?

    7. Bei allem Respekt, aber der Kommentar von Herrn Thielen ist noch viel zu harmlos. Was in den letzten Jahren in dem Verein unter der Ägide dieser Herren abgelaufen ist, spottet jeder Beschreibung. Jetzt muss man sich nur mal die vereinigte Trierer Medienlandschaft ansehen, die alle unter einer Decke mit diesem Vorstand stecken. Der Trainer ist der Dumme und Wilhelmi und Co schaffen es wieder einmal mit Hilfe von TV und Co Kg ihre Hände in Unschuld zu waschen.
      Ich war nie von Seitz als Trainer überzeugt, aber was jetzt abläuft ist einen riesengroße Sauerei.

    8. @peter s: sie können es drehen und wenden wie sie wollen ;jeder halbwegs qualifizierte trainer wäre letztes jahr mit dieser mannschaft aufgestiegen!! also ist dieser trainer eine luftpumpe,der schnellstens weg muss,oder er spielt ,ob seiner unattraktiven spielweise,in zukunft vor leeren rängen.

    9. jupp herbergen,
      es ist genauso wie du es sagst: „jeder halbwegs qualifizierte trainer wäre letztes jahr mit dieser mannschaft aufgestiegen!!“ Und als es nicht klappte, stempelte man die Spieler als Stinkstiefel ab. Man braucht Sündenbocke, um von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken zu können. Bis heute hat noch nie jemand gesagt, was diese Stinkstiefel gemacht haben sollen. Und das wird auch keiner, weil jeder weiß, dass er mit Verleumdungen sofort eine Klage am Hals hätte.

    10. Das ganze Übel in diesem verein, heißt in erster Linie,Dirk Jakobs! Der ist noch unfähiger als Seitz.Es wird Zeit das der Vorstand hier die Reißleine zieht,dann wird auch wieder Ruhe einkehren.

    11. Hier haben alle Kommentatoren mehr oder weniger Recht!
      Vor allem, was den amtierenden Vorstand
      betrifft. Hier sind die Worte „stümperhaft“
      wohl noch untertrieben.
      Man erinnere sich, daß vor Monaten ein
      Geschäftsmann (Berger) versucht hat, sich bei der Eintracht einzubringen. Das Resultat ist bekannt!
      Denkt mal einer daran, daß es sich der seit Jahren, am Werke befindliche Vorstand gar nicht leisten kann, daß ein Außenstehender Einblick in die Geschäftsunterlagen erlangen kann, weil vielleicht, dann ganz andere Organe sich damit befassen würden!?!?
      Was den TV anbetrifft, so ist sein „Wirken“
      rd. um die Eintracht, wohl noch das kleinste der Übel, welche er vollbringt.

    12. Gut gebrüllt Stalag, genauso ist es und zwar schon seit Jahren. Und es wir so bleiben, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert.

    13. Ich war mir nicht mehr ganz sicher, aber dann ist es doch so gekommen wie hier schon von lokalo beschrieben, der Sündenbock für den Vorstand wurde gefunden, alles wie gehabt.

    14. Das wir einen Neuen Vortsand brauchen ist denke ich schon seit jahren klar.

      Aber wir haben sehr gute spieler, die ihre leistungen schon in der Hinrunde gezeigt haben. Also brauch man jetzt nicht zu sagen wir hätten keine richtigen spieler. Das ist Quatsch, Herr Seitz hat einfach keine Ideen mehr gehabt und auch keine große Motivation, dass konnte man von spiel zu spiel sehen.

      Ah und das mit…
      „einschließlich Geschäftsführer Jacobs“ Herr Jacobs ist doch schon längst weg. 😀

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