Respekt, Herr Dezernent!

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    Keine Frage: Thomas Egger hat die einzig richtige Entscheidung getroffen. Nach Jahren des Rumlavierens, nie eingehaltener Versprechungen und ständiger Beteuerungen hat der Liberale auf dem Sessel des Kulturdezernenten nun die Reißleine gezogen: „Brot und Spiele“ ist tot – zumindest vorerst und in dieser Form ganz sicher.

    Ronald Frank wirkte angeknockt. Der Chef der „Medienfabrik“ hatte am Montag sichtlich damit zu kämpfen, dass Egger den Daumen für „Brot und Spiele“ senkte. Viel Theatralik und Pathos schwang mit, als Frank von „seinem Kind“ sprach, von dem man sich nur ungern trenne. Zu viel Theatralik und ganz sicher zu viel Pathos lagen in seinen Gesten und der Mimik. Das Ganze wirkte wie eine schlechte schauspielerische Leistung. Womit Frank von den Inhalten seines Spektakels ja nicht weit entfernt war.

    Egger blieb ruhig, als Frank vor der Presse zwischen den Zeilen das Trierer Theater angriff und auch die Veranstalter des Zurlaubener Heimatfestes. Auch die ADAC-Rallye bekam ihr Fett ab. All das wirkte nicht echt und schon gar nicht professionell. Ein schlechter Verlierer, der nicht einsehen will, dass sein Konzept gescheitert ist. Gescheitert an den Menschen, die „Brot und Spiele“ die notwendige Unterstützung versagten. Fehlte eigentlich nur noch, dass Frank die bösen Trierer und das Rathaus für sein eigenes Versagen verantwortlich macht. Ersteres klang leicht an, Letzteres wagte er dann doch nicht. Schließlich hat die Stadt in den vergangenen elf Jahren viel Geld in das Fass ohne Boden gepumpt. Viel zu viel Geld, das steht ebenfalls außer Frage.

    Auch der Hinweis auf die überregionalen Auszeichnungen für „Brot und Spiele“ ist kein wirkliches Kriterium für die Qualität des Produktes. Wie sagte Billy Wilder, der Meisterregisseur aus Hollywood, einst: „Mit Ehrungen und Auszeichnungen ist es wie mit Hämorrhoiden: Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch.“ Nein, wenn etwas so ist, wie es ist, dann muss man das auch klar benennen: Die Qualität in der konzeptionellen Ausrichtung von „Brot und Spiele“ war einfach schlecht – sowohl im Amphitheater als auch in den Kaiserthermen.

    Und dass der SWR jüngst noch einen ellenlangen Beitrag zum Römer-Spektakel nachschob, kann ebenfalls nicht als Beleg für die Qualität von „Brot und Spiele“ gelten gelassen werden. Schließlich ist der rheinland-pfälzische Staatsrundfunk nicht gerade für seine kritischen Analysen zu regionalen Ereignissen berühmt. Ganz im Gegenteil: Ob Winzerfest oder Rheinland-Pfalz-Tag – bei den Mainzern erscheint alles immer in hellem Licht.

    Aber gut: de mortuis nihil nisi bene! Über Tote soll man nicht schlecht reden. Frank wird ausreichend daran zu kauen haben, dass es ihm und seinem Unternehmen in elf Jahren nicht gelungen ist, die Veranstaltung auch nur annähernd in den Bereich der schwarzen Zahlen zu führen – trotz der tatkräftigen Unterstützung der Stadt, trotz vielfältiger Werbeartikel in regionalen und überregionalen Medien, trotz Schützenhilfe von Journalisten und PR-Managern. Da erübrigt sich jedes weitere Nachtreten. „Brot und Spiele“ ist tot – zumindest vorerst und in dieser Form ganz sicher. Und das ist gut so.

    Denn das Rathaus hätte es kaum länger begründen können, dass bei der gesellschaftspolitisch so wichtigen Jugendarbeit über 160.000 Euro gekürzt werden müssen, dass dem Trierer Theater, wo die Kunst der Stadt lebt, die Daumenschrauben angesetzt werden, dass Vereinen, die sich intensiv um die kommenden Generationen kümmern, der Geldhahn zugedreht wird – und dass gleichzeitig Zehntausende von Euro in „Brot und Spiele“ gepumpt werden, damit Franks Lieblingsspielzeug nicht der Saft ausgeht.

    Im Rathaus muss man jetzt intensiv darüber nachdenken, ob „Brot und Spiele“ überhaupt noch Sinn macht. Die Stadt hat Attraktionen genug, fast schon zu viele. Denn eines darf bei aller gutgemeinten Werbung für Trier nicht vergessen werden: Manchmal ist weniger mehr. Soll heißen: Vieles, was in der Stadt gemacht wird, wirkt inzwischen inflationär. Fast an jedem Wochenende Feste über Feste, Veranstaltungen hier und da, Show-Programme und Halligalli. Ein Event jagt das nächste. Das aber ist auf Dauer kontraproduktiv, weil die Überfrachtung bei vielen – den Trierern zumal – zu einer Abwehrreaktion führt. „Och nee, nicht schon wieder Rambazamba“, hört man inzwischen immer öfter. Das aber kann nicht im Sinne der Erfinder sein.

    Egger hat jetzt mit dem Aus für „Brot und Spiele“ die erste Reißleine gezogen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Dass der Liberale sich so klar positioniert, spricht für seine Entscheidungsfreudigkeit. Eine Charaktereigenschaft, die man nicht sehr vielen Politikern zugestehen kann. Klar, eindeutig, konsequent – Egger hat damit auch an Profil gewonnen. Bleibt nur noch eines zu sagen: Respekt, Herr Dezernent!

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    1 KOMMENTAR

    1. Wenn man sich die Sache anschaut gibt es jetzt nur noch einen Weg: 101.000,- EUR hat die Stadt im Jahr 2012 in Brot und Spiele „hineingepumpt“, damit 19500 Leute Spass hatten. Sie wird aber auch mindestens 12.000.000 EUR ins Theater stecken muessen, damit 100000 Leute Spass haben. Konsequenz: Das Theater muss sofort geschlossen werden!

    2. „Das aber ist auf Dauer kontraproduktiv, weil die Überfrachtung bei vielen – den Trierern zumal – zu einer Abwehrreaktion führt.“

      Besser kann man das nicht ausdrücken. Man fühlt sich als Trierer mittlerweile wie ein Fremder in der eigenen Stadt. Alles ist nur noch auf Touristen und Auswärtige ausgerichtet. Spaß macht das nicht mehr.

    3. @jethro gibbs: Das heißt ja wohl, Äpfel mit Birnen zu vergleichen: Brot & Spiele und das Theater Trier in einen Topf zu werfen, ist ganz einfach blanke Polemik, und sonst nichts.. Ein (gutes) Theater hat immer auch einen kulturellen und geistigen Auftrag einer Gesellschaft, der Auftrag von „Brot & Spiele“ hieß vor allem, seinem Veranstalter die Taschen zu füllen. Denn mit echten Einblicken in die römische Kultur hat dieses schrille Spektakel so viel zu tun wie „Bauer sucht Frau“mit anspruchsvoller Unterhaltung! Nämlich gar nix!

    4. Man kann unterschiedlicher Meinung in der „kulturellen“ Bewertung von „Brot & Spiele“ sein. Der Kommentator Eric Thielen zeigt aber deutlich, dass es ihm weniger um die Sache, sondern mehr um die Diffamierung von Ronald Frank und der Medienfabrik geht, dies unter dem Deckmantel „journalistischer Meinungsäußerung“. Damit kann der Autor endlich ein persönliches Erfolgserlebnis als „Kommentar“ ausleben und feiern. Wie armselig und unprofessionell, dieser Journalismus!

    5. @andreas meschkat:ja ja herr meschkat,die wahrheit tut manchmal weh,gelle? wahrheit kann nie diffamierent sein,deshalb trifft ihr vorwurf“armselig und unprofessionell“nur auf sie zu !!

    6. Oh, bedauernswerter Herr Weiland,
      die Wahrheit ist relativ, und wem Sie weh tut,
      weiß ich nicht, denn leider ergibt sich die Wahrheit nicht aus dem Kommentar von Thielen oder aus Ihrer Argument-freien weil nachäffenden geistloser Mitteilung, gelle?

    7. @andreas meschkat: sind jährliche unterdeckungen bzw. Zuschüsse zu einem künstlerisch hôchst fragwürdigen „Laienschauspiel“ für sich alleine betrachtet , nicht Argumente genug , diese Veranstaltung für immer zu beenden ? Ach ja was die Diffamierung durch Herrn Thielen angeht , wie nennen sie ihren „geistigen Dünnpfiff“ als Antwort auf den Kommentar von Herrn Weiland ?

    8. Sie fragen, wie ich den „geistigen Dünnpfiff“ als Antwort auf den Kommentar von Herrn Weiland nenne. Nach kurzer Überlegung, um ihre Frage zu beantworten, folgende unverbindliche und wertfreie Benennung, als Vorschlag: „Werner“.

    9. google weiß alles Herr Meschkat. Ist es möglich, dass Sie ein persönliches (finanzielles) Interesse an der medienfabrik haben und daher Herrn Frank hier so zur Seite springen? Das würde Ihre Kommentare erklären. Oder ist das ein anderer Andreas Meschkat, der via google als Berater der medienfabrik ausgewiesen wird? Klären Sie den wissensdurstigen Leser doch bitte darüber auf.

    10. Ich springe Herrn Meschkat zur Seite, ohne jegliches finanzielles Interesse an irgendetwas zu haben.
      Wir alle brauchen gute Journalisten und man kann ja seine Meinung vertreten – aber das hier ist doch nichts als öffentliche Demütigung.

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