Morituri te salutant – Aus für „Brot & Spiele“

0

TRIER. Kulturdezernent Thomas Egger (FDP) hat die Reißleine gezogen: Das Römerspektakel „Brot und Spiele“ wird 2013 nicht stattfinden. Dass die Veranstaltung in den Jahren darauf überhaupt zurückkehrt, scheint derzeit mehr als fraglich. Nach Angaben Eggers lag das Defizit in 2012 bei 51.000 Euro. Der städtische Zuschuss für „Brot und Spiele“ 2012 beläuft sich demnach auf rund 100.000 Euro. „Das ist haushalterisch nicht mehr vertretbar“, sagte der Liberale. Mit der „Medienfabrik“ als Veranstalter will Egger nun darüber verhandeln, wie die Veranstaltung möglicherweise gerettet werden kann.

Thomas Egger wirkte erleichtert. Triers Kulturchef – in Personalunion auch Wirtschaftsdezernent der Stadt – machte am Montag vor der Presse einen sichtlich aufgeräumten Eindruck. Daumen runter für „Brot und Spiele“ – der Liberale hat nach elf Jahren Subvention aus der städtische Kasse nun die Reißleine gezogen. „Die Stadt hat in der jetzigen schwierigen Haushaltssituation nicht die notwendigen Mittel, ‚Brot und Spiele‘ so auszustatten, wie dies die Medienfabrik in ihrer Konzeption vorschlägt“, machte Egger deutlich.

Soll heißen: Am Augustinerhof ist man nicht mehr bereit, Jahr für Jahr viel Geld in das Römerspektakel zu pumpen, während andernorts mit eiserner Hand gespart wird. Um sein Konzept zu retten, hatte der Chef der Medienfabrik, Ronald Frank, erst jüngst angeregt, eine eigene GmbH für „Brot und Spiele“ zu gründen. Der städtische Zuschuss für die neue Gesellschaft wäre dann auf jährlich 150.000 Euro gestiegen. Das war mit dem Rathaus nicht zu machen.

Frank sprach davon, dass „Brot und Spiele“ in Trier „nie als geliebte Marke wahrgenommen“ worden sei. Das überregionale Interesse sei allerdings nach wie vor ungebrochen. Eine Umfrage habe erst jüngst ergeben, dass 45 Prozent der Besucher von auswärts nach Trierer gekommen seien, 30 Prozent aus der näheren Region, aber nur 25 Prozent aus Trier selbst. Frank räumte zwar ein, dass die Veranstaltung „so nicht finanzierbar“ sei, machte aber zugleich aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Welche Theaterveranstaltung schafft es in Trier schon, 2000 Karten für eine Aufführung zu verkaufen?“, fragte der Chef der Medienfabrik am Montag vor der Presse in die Runde.

Nach Angaben der Stadt kamen in diesem Jahr „rund 19.000 Besucher an den beiden Wochenenden zum Römerspektakel“. Zu wenig, um die roten Zahlen in der Bilanz zu verlassen. In regionalen Medien war hingegen nach dem ersten Wochenende zu lesen gewesen, dass bereits mehr als 17.000 Besucher registriert worden seien (Wochenchronik). Eine Zahl, die durch die Angaben der Stadt jetzt korrigiert wurde. Rund 275.000 Euro Einnahmen waren beim Ticketverkauf eingeplant worden. Erreicht wurden nur 225.000 Euro. Die Aufführungen im Amphitheater waren nicht ausverkauft – weswegen am vergangenen Wochenende auch eine Zusatzveranstaltung angesetzt worden war. Doch auch die konnte die Bilanz nicht mehr retten.

Im Ergebnis muss der städtische Kämmerer in diesem Jahr 100.000 Euro zuschießen. „Das ist aufgrund unserer Haushaltslage nicht mehr zu verantworten“, sagte Egger. Frank hingegen kritisierte, dass „Brot und Spiele“ wegen der rein auf die Zahlen fixierten Betrachtungsweise „von einem Erfolgsmodell zu einem Defizitmodell“ mutiert sei. Er führte ferner erschwerte Bedingungen für das Konzept an, etwa durch die ADAC-Rallye, „die uns in der Entwicklung blockiert hat“. Trotzdem sei „Brot und Spiele“ 2006 mit dem Innovationspreis der Bundesrepublik „Deutschland, Land der Ideen“ und regional mit dem Holkenbrink-Sonderpreis ausgezeichnet worden.

Für die Stadt aber gibt es „in der aktuellen Situation keine wirtschaftliche und strukturelle“ Grundlage mehr, „Brot und Spiele“ in der bisherigen Form weiterzuführen. Daran ließ Egger am Montag keinen Zweifel. Jetzt soll in Verhandlungen mit der „Medienfabrik“ eruiert werden, ob und wie „Brot und Spiele“ 2014 zurückkehren kann. Dass das Römerspektakel unter Umständen aber auch unter das Dach der noch zu gründenden städtischen Tourismus-Gesellschaft ziehen könnte, wollte Egger nicht ausschließen. „Beim Denken gibt es keine Grenzen“, betonte der Liberale.

Grundsätzlich steht laut Egger „die Qualität des Konzeptes, dessen positive Auswirkungen und dessen Erfolg“ nicht in Frage. „Nur ein Weiterso wie bisher kann es nicht geben.“ Über 2014 und die folgenden Jahre sei aber noch nicht diskutiert worden. „Da sind jetzt auch die Fraktionen des Rates gefragt. Sie müssen sich positionieren, was die Zukunft der Veranstaltung angeht.“ Auch die Rückkehr von „Brot und Spiele“ unter einem anderem Namen und ohne die „Medienfabrik“ sei vorstellbar. Frank machte allerdings deutlich, dass sein Unternehmen die Rechte am Konzept besitze, auch wenn der Name selbst nicht geschützt sei. Umsonst wird die „Medienfabrik“ ihr geistiges Eigentum demnach kaum an die Stadt abtreten. (et)

ZUM KOMMENTAR von Eric Thielen

STELLUNGNAHME der SPD-Fraktion

STELLUNGNAHME der FDP-Fraktion

ZUM THEMA

Wochenchronik vom 2. September

Kommentar zum Theaterfest

1 KOMMENTAR

  1. Na endlich. Hat ja lange genug gedauert, bis die alljährlich wiederkehrenden Märchenstunden (Schuld hat das Wetter, die Rallye oder sonstwas) nicht mehr ernst genommen werden. Wenn Herr Frank die Rechte an dem „Spektakel“ hat (allein der Name ist schon ein Witz), dann soll er es doch machen: Auf eigene Kappe. Wie andere Unternehmer auch, die das Risiko für ihre Geschäfte tragen – von den in Trier üblichen Ausnahmen abgesehen. Subventioniert werden ja auch andere, wie Insider wissen. Deren Ideen werden dann innovativ und ihre „Entwickler“ kreativ genannt. Frank verrät sich auch selbst. Wenn er von 2000 Karten für das Theater spricht. Das in etwa wird auch die Marke sein, die er pro Veranstaltung erreicht hat. Wohlwollnd gerechnet. Ich kann nur im Interesse all derjenigen, die wirklich was bewegen oder jeden Cent brauchen, ob Institutionen oder Personen, dass ein alter Theaterspruch über „B & S“ geklebt wird: Klappe zu, Affe tot.

  2. Danke, das wurde wirklich höchste Zeit! Jedes Jahr das dümmliche Säbelrasseln und „Ehre-und-Stärke“-Gedöns, schön subventioniert aus dem ja so vollen Steuersäckel – das war wirklich kaum noch auszuhalten. Komisch nur, dass man da so selten Klartext drüber gelesen hat, hat vielleicht auch was mit den wirtschaftlichen Verflechtungen eine gewissen großen Zeitung vor Ort zu tun. Mein Vorschlag: Das eingesparte Geld künftig wieder dorthin überweisen, wo es herkam (Kinder- und Jugendbereich) oder an das Theater Trier. Das hat nämlich am Wochenende auf dem Kornmarkt eindrucksvoll gezeigt, dass es jeden Cent wert ist, der dort hinfließt!

  3. Verehrter Herr Dezernent Egger, dies war die mit Abstand beste Leistung seit Beginn ihrer Dienstzeit ! Bitte bleiben sie auch in Zukunft hart und beenden sie dieses Kapitel für alle Zeiten !!!!!!

  4. Ich habe mir eine Vorstellung im Amphitheater mit der Familie angetan und ich kann nur sagen: Es war grausam, einfach nur schlimm. Da sind die Karl May Spiele in Pluwig um Klassen besser. Ich weiss nicht, wieso die Stadt so lange daran festgehalten hat, aber wahrscheinlich gab es auch hier gewisse Abhängigkeiten und Verpflichtungen unter der Hand.

  5. Wir waren auch mit den Kindern da und ich kann die Meinung hier nur unterstützen. Wer es einmal gesehen hat der braucht es kein zweites Mal, da es sich immer wiederholt.
    In einem hat Herr Frank aber Recht. Brot&Spiele ist von den Trierern nie richtig akzeptiert worden. Könnte das daran liegen, dass man die Trierer nie richtig dabei haben wollte. Darüber sollte man mal nachdenken.

  6. Zur Ehrenrettung von Ronald Frank muss aber gesagt werden, dass seine Idee schon einzigartig ist. An der praktischen Umsetzng hat es allerdings gemangelt, was er sich ganz alleine ankreiden muss. Man kann als Unternehmer nicht erwarten, dass einen die öffentliche Hand durchfüttert, wenn überall -zurecht- gespart werden muss.

  7. Ich frage mich wo das ganze Geld hingegangen ist? War da nicht auch die Rede von einem Landeszuschuss, dann der städtische Anteil, es gab doch auch noch Sponsoren, wie Biebelhausen, SWT usw., einige sollen doch auch Eintritt bezahlt haben – oder doch nicht? Ich werde das Gefühl nicht los, dass trotz allem Minus – sich irgendwer sich die Taschen gut gefüllt hat oder hat das Honorar von Frau Karenbauer alles aufgezehrt? Aber das wäre es doch – Herr Frank – diesmal ist die Karenbauer Schuld an allem.

  8. Er wird nicht am Hungertuch nagen , es bleibt ihm ja noch die ehrenvolle Aufgabe als Presse und kommunikationschef des Weltbesten flugplatzentwicklers Frank Lamparski(ja genau der mit dem Flugplatz Bitburg )

  9. @Pilatus das frage ich mich auch schon die ganze Zeit. Etwas stinkt doch da ganz gewaltig, weil wenn die Stadt so knallhart reagiert kann doch was nicht in Ordnung sein.

    @Eifelochs
    Da haben sich die beiden richtigen gesucht und gefunden.

  10. ich möchte mich nicht weiter in die diskussion um „brot und spiele“ und deren aussendarstellung einmischen aber einfach mal festhalten dass die einzige veranstaltung mit 2 minuten bundesweiter sendezeit
    im zdf heute journal seinerzeit das von Popp Concerts veranstalte mtv unpluggend konzert mit den fantastischen vier im trierer amphitheater war . !! (im Übrigen vollkommen kosteneutral für die Stadt Trier… ) beste grüße ingo popp p.s.: und wenn du nicht mehr weiter weisst, dann gründe einen arbeitskreis. wie viele arbeitskreise gibt es eigentlich zur zeit in trier ??

  11. @ingo Popp : kann zwar mit ihren Veranstaltungen oft nichts anfangen, aber bei genauer Betrachtung müssten sie jedes Jahr mindestens 500000eu Zuschuss der Stadt bekommen! Aber sie dürfen ja noch nicht mal Plakate aufhängen! Wie krank ist das alles!

  12. @ roy blech
    hätten wir einen solchen zuschuss hätten wir durchaus auch andere veranstaltungen. sehr gerne auch wieder z.b. in den kaiserthermen. was mir persönlich eine herzensangelegenheit wäre. die mehr als peinliche aktion mit den plakaten ist wieder eine andere angelegenheit , was ich aber auf keinem fall so hinnehmen werde. die hoffnung stirbt zuletzt.

  13. wirklich schade…das römerspiel ist sehr gut,und wunderschön..nur scheinbar passt es nicht die bäuerliche bevölkerung von trier nicht.sie sollen froh sein das touristen kommen..leider ist es auch so,das während die römerzeit,die preise unverschämt teuer sind..da soll sich der stadtrat kümmern…komme wieder .nach trier…wenn die menschen bloss nicht so einfaltig werden..im westen trier,im osten ostpreussen…henry.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.