Eifel-Literatur-Festival: Die „Grande Dame“ in Daun

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DAUN. Ausverkauft! Bis auf den letzten Platz besetzt war der große Saal des Gäste- und Veranstaltungszentrums Forum in Daun. Denn 540 Besucher kamen in das Eifel-Städtchen, um die „Grande Dame“ des ZDF-heute journals, Marietta Slomka, die als Gast des Eifel-Literatur-Festivals eingeladen war, einmal live zu erleben. Von Cilia Neumann

Erwartungsvoll saßen die Fans schon weit vor Beginn um 20 Uhr auf ihren Plätzen. Dann kam sie: Marietta Slomka. Die leibhaftige TV-Queen – eher zierlich als „grande“ bezüglich ihrer Körperstatur – schlank, bekleidet mit dunkelblauen Jeans und einem weißen Designer-Jäckchen. In Begleitung des Festival-Chefs Josef Zierden und unter heftigem Applaus des Publikums betrat sie mit sympathischem, strahlendem Lächeln den Saal. „Wir haben ein inniges Verhältnis zu Ihnen“, sagte der Noch-Landrat des Vulkaneifelkreises Heinz Onnertz in seiner Begrüßungsrede, „und das schon sehr lange, aber leider noch nicht gegenseitig“. Herzhaftes Lachen im Saal.

Und mit einem kleinen Seitenhieb auf die politische Situation im Kreis und heiterer Selbstironie leitete er über zum Thema des Abends: „Daun ist schon schwierig, aber Afrika ist schwieriger.“ Afrika sei ein Land, geprägt von Hunger, Aids und Hoffnungslosigkeit, aber auch von unglaublicher Schönheit. „Um darüber zu berichten, braucht man Liebe zu diesem Land, aber auch die notwendige Distanz und das ist Ihnen gelungen“, betonte Onnertz.

„Weg von der exotischen Welt der Kolonialtage, Marietta Slomka, Frontfrau und Anchorwoman des ZDF-heute journals sucht das Afrika der Mitte“, sagte Josef Zierden. „Dabei stellt sie sich immer wieder die Frage: Warum ist es so reich und zugleich so arm?“

Die Journalistin, die sich in Daun nun auch als Autorin mit ihrem Werk „Mein afrikanisches Tagebuch“ vorstellte, klärte zunächst einmal auf, dass sie die Eifel sehr gut kenne, denn mit ihren Eltern sei sie als Kind oft in Lissendorf (VG Obere Kyll) in Urlaub gewesen. Das schien hier niemand gewusst zu haben, freudige Überraschung allerseits, wie das allgemeine Raunen erkennen ließ. Die 43-Jährige erscheint so ganz anders auf der Bühne als im Fernsehen. Fast zaghaft zückt sie eine Brille und erklärt lächelnd, „die brauch ich im Fernsehen nicht, da ist die Schrift auf dem Teleprompter so groß, dass ich alles lesen kann“.

Der Sympathie des Publikums tat das keinen Abbruch, und wie kann es bei einer Fernsehmoderatorin anders sein: Sie las professionell, schnell, aber doch sehr verständlich. Ein klingendes Handy zwischendurch brachte sie nur kurz zum Innehalten, ihr Lächeln dabei konnte so oder so gedeutet werden. Und weiter im Text: Als reisende Journalistin besuchte sie die Länder Ruanda, Kenia, Mosambik, Angola und Äthiopien.

In Ruanda, dessen Hauptstadt Kigali sie als Metropole wie jede andere dieser Welt erlebte, „fällt es schwer an die Bilder des Grauens zu denken“. Auffallend sei Ruandas Frauenpower, „die Hälfte der Unternehmen ist in weiblicher Hand, was aber auch mit dem Genozid (Völkermord) zusammenhängt, denn bei den Kriegen haben viele Männer ihr Leben verloren“. Kenia sei ein afrikanischer Traum, den sie anders als das touristische „Safari-Kenia“ sondern mit journalistischer Recherche beschrieb. In Angolas Hauptstadt Luanda entdeckte sie den Reichtum in den Zentren mit Millionärsvillen und Günstlingswirtschaft, „der Rest in ein großer Slum“.

Um so verwunderlicher erschien es ihr – und damit outete sie sich als Raucherin – dass sie wegen einer weggeworfenen Zigarettenkippe 2000 Euro Strafe zahlen sollte und verwies gleichzeitig auf die Willkür des Staatsapparates. Reichtum und Armut nahe beieinander, erfuhr sie auch in Äthiopien. Ein riesiger Markt, „Mercato“, auf dem sich täglich 50.000 Menschen tummeln, bezeichnet sie als „Brotkorb für die Welt“. Und das in einem Land, das gemeinhin als eines der ärmsten Länder gilt. Gerade dieser krasse Gegensatz zeichnete Slomkas Reisebericht aus. Eine Signalwirkung für das, was derzeit in Afrika geschehe.

„Es tut sich was“, hat sie durch viele Begegnungen mit willensstarken Menschen erkannt. Auch der Untertitel des Buches verrät es: Kontinent im Aufbruch. Und das machte sie auch im anschließenden Interview mit Josef Zierden deutlich. Marietta Slomka ist mit ihrem Buch dem Ziel, hierzulande das Bild Afrikas von Vorurteilen und Klischees zu befreien, ein gutes Stück näher gekommen und brachte zumindest den Menschen in Daun die Neugierde auf Afrika. Selbstredend ließ sie es sich nicht nehmen, im Anschluss ihre Bücher zu signieren, umgeben von Menschen jeden Alters, die die Moderatorin und passionierte Taucherin, was Zierden ihr beim Interview entlockte, nun ganz aus der Nähe erleben konnten. (cin)

1 KOMMENTAR

  1. Hallo, Frau Neumann.
    Das ist ein schöner Artikel geworden – bei lokalo.de zu Slomka. Habe ich gleich an Marietta Slomka weitergeleitet.
    Besten Dank! Josef Zierden

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