Wochenchronik: Vorsicht, spitze Feder!

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    TRIER. Heute schmunzeln wir mal. Warum auch nicht, denn was gibt es Schöneres? Schließlich gibt es so viele Adenauers in dieser Republik, wie die Debatte um Triers Schullandschaft zeigt. Da wäre aber auch noch das ramponierte Image des einstigen „Stolz der alten Stadt“. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert. Und ja, wenn Möchtegern-Journalisten schreiben, kommen „Verbrechen an PKW’s“ heraus. Da rollen sich die Fußnägel auf, und die Haare stehen zu Berge. Von Eric Thielen

    Man kann sich ja ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Über Monate, ja, fast schon Jahre hinweg wurde in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung Stimmung gegen das Friedrich-Spee-Gymnasium gemacht. Von einem Hochleistungsgymnasium war da die Rede, und auch davon, dass eine solche Bildungseinrichtung in Trier nicht etablierbar sei. Kommentatoren des Heimatblattes und grün-rote Ideologen spielten sich in schöner Regelmäßigkeit den Ball zu, ungestört vom Rest der Trierer Welt.

    Das Ergebnis war, dass dem einzigen Ganztagsgymnasium der Stadt jeder Kredit verloren ging. Man darf durchaus bezweifeln, dass diese Kritiker jemals auch nur einen Fuß in die Schule gesetzt, geschweige denn sich darüber informiert hatten, wie in Ehrang gelernt, gelebt und gearbeitet wird. Im Kopf der ideologischen Besserwisser waren die Spee’ler längst als Elite in der Schublade „Unnötig“ abgelegt, und so etwas passt nicht in den egalisierten Einheitsbrei verbohrter deutscher Weltverbesserer.

    Alles Käse und Pupesquatsch, sonst nichts.

    Wir wollen hier nicht erneut die unübersehbaren Vorzüge und das zukunftsweisende Konzept dieser Schule aufdröseln. Darüber ist in den vergangenen Tagen und Wochen genug geschrieben worden. Wir schmunzeln einfach, weil Adenauer wieder einmal Vorbild ist. Wie hatte der Alte aus Kölle noch gesagt? „Keiner kann mich daran hindern, dass ich jeden Tag klüger werde.“ Wie wahr, wie wahr.

    Man könnte es auch anders formulieren. Dreht sich der Wind, hängt man sein Fähnchen nach demselben. Böse Zungen würden jetzt von Opportunismus sprechen. Aber so weit wollen wir nicht gehen. Weil das Ergebnis zählt, und das ist entscheidend und wichtig. Die öffentliche und veröffentlichte Meinung hat sich anscheinend geändert. Selbst die Trierer Vorzeige-Grüne, Schuldezernentin Angelika Birk höchstselbst, musste jetzt – wenn auch zähneknirschend – eingestehen, dass die gemeinsame Orientierungsstufe von G8-Gymnasium und Realschule plus mehr Hemmschuh denn Wegweiser ist – und schon gar nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht das Gelbe vom Ei.

    Dass sich die veröffentlichte Meinung im Heimatblatt nun dem anschließt, war zu erwarten. Kommentieren und bewerten müssen wir das nicht. Daraus möge bitte jeder selbst seine Schlüsse ziehen. Wichtig ist jetzt nur noch, dass der Stadtrat den Weg frei macht, damit die Farce am Ehranger Schulzentrum endlich beendet wird.

    Dann fehlt nur noch die Danksagung der Spee’ler an die Trierer Grünen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Sie waren es, die dem Ball erst so richtig Tempo gemacht haben. Ohne ihre abstruse Idee, das FSG möglicherweise auslaufen zu lassen, hätte sich der Fokus nie und nimmer so stark auf Ehrang gerichtet. Ohne Grüne keine Protestaktion der Spee’ler vor dem Rathaus, ohne sie kein Wechsel in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung.

    Aber so ist das eben meist, wenn man sich den Ball in Verkennung der offensichtlichen Tatsachen und der vermeintlich eigenen Stärke immer und immer wieder zuspielt. Manchmal geht der Schuss eben nach hinten los. Das nennt man dann ein klassisches Eigentor.

    Schiri, pfeif‘ ab, es reicht…

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    Wir kommen ja leider nicht umhin, wieder einmal darauf einzugehen. Eintracht Trier sorgt erneut für Schlagzeilen – negative wie meist. Das jämmerliche Theater um den Prämienstreit zwischen ehemaligen Spielern und dem Verein wird demnächst seine juristische Fortsetzung finden – vor den Schranken des Trierer Arbeitsgerichts. Als sei nicht schon genug Porzellan in diesem Klub in den letzten Jahren zerschlagen worden, als sei das Image nicht ohnehin schon ausreichend ramponiert, nein, in diesem Verein finden die Protagonisten aus Vorstand und Geschäftsstelle immer noch eine Möglichkeit, all das noch zu toppen.

    Mag sein, dass der Klub im Recht ist. Mag sein, dass er vor den Richtern auch Recht bekommt. Wobei dies durchaus bezweifelt werden darf. Aber darum geht es nicht. Die Außenwirkung ist entscheidend. Ein Verein, der ohnehin schon mit seinem durch und durch schlechten Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit zu kämpfen hat, darf, kann und sollte es sich nicht leisten, wegen ein paar Euro auch noch die allerletzte Reputation zu verspielen.

    Zumal der Fehler ganz klar bei der Führungsriege des Klubs liegt. Hätte der Verein für eine klare Regelung bei den Prämien gesorgt, wäre jetzt jede Diskussion müßig, müsste nicht das Arbeitsgericht als Vermittler auftreten. Dies zur Kompetenz jener Herren, die den Verein seit Jahren führen.

    Was waren das für Zeiten, als sogar in der Oberliga Südwest weit über 4000 Zuschauer den „Stolz der alten Stadt“ gegen den Südwestrivalen Wormatia Worm sehen wollten. Heute verlieren sich in der Regionalliga gegen denselben Gegner gerade einmal 1500 Zuschauer netto im Moselstadion.

    Gut möglich aber, dass die Herren aus der Führungsabteilung frei von der Leber weg nach dem Motto handeln: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert!“ Dann kann man sich auch mit ehemaligen Spielern vor Gericht in aller Öffentlichkeit um ein paar Euro zanken. Kommt ja sowieso nicht mehr darauf an.

    Denkste! Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Wilhelmi und Co. sollten sich ein anderes Motto zu eigen machen. Jenes der Volksbank nämlich. Die erfand einst den inzwischen schon legendären Werbespruch: „Wir machen den Weg frei!“ Bingo, alles gesagt.

    * * * * *

    Ach ja, da wäre noch etwas. Ein eifriger Surfer im World-Wide-Web hat uns dankenswerter Weise darauf aufmerksam gemacht. Er durchforstet gerne die mediale Angebotspalette der Region, immer auf der Suche nach schmackhaften (Lese-)Häppchen. Schließlich gibt es ja nicht nur lokalo. Wir wollen auch gar nicht so tun, als ob.

    Unser Informant ist kein Journalist, das wollen wir vorausschicken. Und dennoch standen ihm die Haare zu Berge, rollten sich seine Fußnägel auf, verschluckte er sich am kühlen Blonden, das er gerade genoss.

    „Polizei meldet Verbrechen an PKW’s“, hämmerte eine lokale Website, deren Namen wir hier lieber unterschlagen, ihren Lesern entgegen. Einmal tief durchatmen, bitte! Wir wollen das grottenfalsche Deutsch einmal (fast) gänzlich ignorieren. Der Personenkraftwagen, die Personenkraftwagen. Das lernt man schon in der Grundschule. Wo also, bitte, kommt das „s“ her? Und dann auch noch mit Apostroph. Schlimmer geht’s wirklich nimmer. Aber gut, aber gut. Heute sitzen ja auch Studenten in der Universität, die von Rechtschreibung und Zeichensetzung so viel Ahnung haben wie eine Kuh vom Hochsprung. Womit wir übrigens wieder beim bildungspolitischen Einheitsbrei wären. Aber lassen wir das.

    Nein, jetzt ist es schon so, dass man Verbrechen an Autos verüben kann. Die armen Vehikel. Genug jetzt. Dafür ist die Sache viel zu ernst. Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbrechen an Menschen, Verbrechen an der Natur, ja, ja und ja. Aber an „PKW’s“? Welch eine Sprachverwirrung und Entgleisung. Reif für den Hohlspiegel. Nein, damit wäre die Sache ja sogar noch aufgewertet.

    Tja, das sind eben die Nachteile des Internets. Jeder, der auch nur annähernd drei Wörter halbwegs gerade und fast fehlerfrei zu einem Satzfragment zusammenschreiben kann, glaubt daher, er sei Journalist. Dem Netz gehört die Zukunft, auch bei den Medien. Das steht außer Frage. Aber auch hier ist es wie beim Fernsehen. Man kann Arte oder Phönix oder 3Sat schauen oder eben den geistigen Müll von RTLII. Suum cuique.

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    Fast hätten wir es (wieder) vergessen: Positiv sollst du den Tag, respektive die Wochenchronik beenden. Tun wir, keine Sorge. Die Stadt Trier hat ein starkes Zeichen gesetzt – mit dem Mahnmal auf dem Bischof-Stein-Platz für die deportierten und ermordeten Roma und Sinti während der NS-Herrschaft. Es hat lange gedauert, mehr als 60 Jahre. Aber jetzt steht es, und das ist gut so. Ministerpräsident Kurt Beck hat gesagt: „Nie wieder!“ Nie darf die Erinnerung daran verblassen, nie wieder dürfen antidemokratische, faschistische und rassistische Geister in diesem Land ihr Haupt erheben. Nie wieder. Sorgen wir alle dafür – gemeinsam.

    In diesem Sinne – eine schöne neue Woche und bis demnächst.

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