Heiligkreuz: Die Revolution bleibt vorerst aus

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TRIER. Als der Ortsbeirat von Heiligkreuz am 28. August seinen „offenen Brief“ an die anderen Beiräte verschickte, lag der Geruch von Revolution in der Trierer Luft. Die Heiligkreuzer, angeführt von ihrer Vorsteherin Elisabeth Ruschel (CDU), rüttelten heftig an den bestehenden Strukturen. Zwei Wochen später haben sich die Wogen geglättet. Am Donnerstag kam es im Rathaus zur Aussprache mit Oberbürgermeister Jensen (SPD). Am Abend zog Ruschel im Gespräch mit lokalo Bilanz: „Es war ein konstruktives Treffen“, sagte die Unionschristin. Inzwischen hat sich auch das Rathaus in einer Pressemitteilung geäußert.

Elisabeth Ruschel ist zufrieden – sehr sogar. „Ich denke“, sagte die Ortsvorsteherin von Heiligkreuz am Donnerstagabend, „dass der Oberbürgermeister einiges aus unserem sehr konstruktiven Gespräch mitgenommen hat.“ Jensen habe sich sogar dafür entschuldigt, dass Anfragen und Briefe der Heiligkreuzer von der Verwaltung am Augustinerhof nicht beantwortet wurden. „Er hat uns aber gleichzeitig deutlich zu verstehen gegeben, dass wir einen solchen ‚offenen Brief‘ eigentlich nicht hätten schreiben dürfen, weil wir ja in unserer Funktion selbst Teil der Verwaltung seien“, so Ruschel.

Doch die Unionsfrau steht nach wie vor hinter der Aktion vom 28. August, als die Heiligkreuzer die Kolleginnen und Kollegen der anderen Beiräte aufforderten, sich solidarisch mit ihnen zu zeigen, „weil Stadtrat und Verwaltung Bürgerbegehren ignorieren und die Entscheidungen der Ortsbeiräte nicht beachten“. Von einer ausgerufenen Revolution aber wollte Ruschel am Donnerstag nicht sprechen. „Nein, sicher nicht“, betonte sie. „Das war nicht unsere Absicht, und wir wollten auch keinen Terror in der Stadt machen.“

Ihr und ihren Kollegen im Vorstand – Christoph Lentes (CDU), Klaus Wagner (SPD), Petra Kewes (Grüne) und Felix Brand (FDP) – sei es darum gegangen, auf die Probleme der Beiräte hinzuweisen und wachzurütteln. Dass man dies mit durchaus drastischen Formulierungen tat („Den Unmut über Entscheidungen des Rates und der Verwaltung zu Ungunsten der Stadtteile deutlich zu machen.“), sei auch der Tatsache geschuldet, „dass das Fass eben irgendwann einmal überläuft“.

„Das Problem liegt in der Kommunikation“

„Es ist ja beileibe nicht so, dass wir als Ortsbeirat mit allen Mitarbeitern der Verwaltung Probleme haben“, so Ruschel. „Ganz im Gegenteil: Mit vielen gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit. Aber es gibt eben auch andere Fälle, und die sind dann für uns besonders ärgerlich.“ Sie habe zwar Verständnis dafür, dass der Oberbürgermeister seine Mitarbeiter verteidige. „Aber Herr Jensen muss auch uns verstehen. Schließlich sind wir die gewählten Vertreter der Bürgerinnen und Bürger in Heiligkreuz. Deren Interessen sind unser Anliegen.“

Niemand sollte mit dem Schreiben beleidigt, keiner durch den Brief unter Druck gesetzt werden. „Nein, auch das war nicht unsere Absicht“, machte die Unionschristin deutlich. Für Ruschel liegt das Problem zwischen Verwaltung und Stadtrat auf der einen und den Ortsbeiräten auf der anderen Seite hauptsächlich auf der kommunikativen Ebenen. „Man muss uns einfach mitteilen, dass und warum bestimmte Dinge nicht funktionieren oder nicht gemacht werden. Dann haben wir Informationen, mit denen wir umgehen und arbeiten können.“ Oft sei es jedoch so, dass Anfragen nicht beantwortet, auf Schreiben nicht reagiert würde. „Und das können wir uns einfach nicht gefallen lassen, weil wir die Interessen der Menschen in Heiligkreuz zu vertreten haben.“

Aus ihrer Sicht waren Treffen und Aussprache mit dem Oberbürgermeister „ein erster Anfang und vielleicht sogar ein neuer Ansatz“. Jensen habe zugesagt, dass sich die Stadtspitze künftig zweimal im Jahr mit den Vertretern der Ortsteile zusammensetzen will. Bisher fand ein solcher Meinungsaustausch nur einmal im Jahr statt. Akut aus Sicht der Heiligkreuzer ist die Lösung der Verkehrsprobleme in Tessenow- und Bernhardstraße. „Und vielleicht kommt durch unsere Aussprache mit dem OB ja auch Bewegung in die Sache“, hofft Ruschel.

An seinem Fahrplan aber will der Ortsbeirat aus dem Trierer Höhenstadtteil auch nach dem Treffen mit Jensen festhalten. „Wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen gebeten, den Inhalt unseres Schreibens in den Gremien zu diskutieren und uns bis zum 15. Oktober Rückmeldung zu geben“, sagte Ruschel. Sollte ein Konsens erkennbar sein, will Heiligkreuz ein Gespräch aller Beiräte initiieren, um dort unter Umständen eine gemeinsame Linie für die künftige Politik festzulegen. „Das Feedback ist bisher sehr positiv“, so die Ortsvorsteherin, „aber bis zum 15. Oktober ist ja noch Zeit. Und die Zeit geben wir uns auch.“ (et)

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