Der Berg kreißte…

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    …und gebar ein Mäuschen. So ist das eben oft mit externen Fachleuten. Sie haben den Kopf voller Ideen, den Plan in der Schublade oder Tasche und den großen Wurf in der Hand. Was ihnen aber fehlt, ist der Bezug zu den Menschen, zu deren Befindlichkeiten, Emotionen und Ängsten.

    Man sollte Wolf Krämer-Mandeau nicht unterstellen, er habe es mit seinem Zukunftskonzept für die Trierer Schullandschaft nicht gut gemeint. Das wäre böswillig. Sicher, der Mann hat viel Geld durch und mit den hiesigen Schulen verdient. 19.000 Euro sind nicht die Welt, aber auch keine Kleinigkeit. Das jedoch hat die Verwaltung der Stadt Trier gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürgern zu verantworten, nicht Krämer-Mandeau.

    Gut gemeint ist aber nicht gleich gut gemacht. Dezernentin Birk verteidigte ihren Schulplaner zwar. Was sie muss, weil der sonst völlig diskreditiert wäre. Das ändert aber nichts an den Fakten. Das Mainzer Ministerium hat einer zweiten Integrierten Gesamtschule für Trier eine klare Absage erteilt.

    Wohl gemerkt: Das von Doris Ahnen (SPD) geführte Ministerium sagt „Nein“ zu einer Schulform, die durchaus der ideologischen Vorstellung der Chefin und deren Partei entspricht. Dann müssen die Gründe schon gravierend sein. Die zweite IGS aber ist ein Kernpunkt im Konzept von Krämer-Mandeau. Und jetzt stellt sich durchaus die Frage, ob der Planer sich darüber nicht hätte vorher informieren müssen. Ja, das hätte er tun müssen, weil man den ersten Schritt vor dem zweiten macht, weil man einer Stadt nicht ein Konzept präsentiert, das in einem ganz zentralen Punkt schon Makulatur ist, bevor es überhaupt umgesetzt werden kann.

    Das ist eine schallende Ohrfeige aus Mainz für Krämer-Mandeau von „Biregio“, aber auch für die grüne Dezernentin. Schließlich ist sie die Auftraggeberin. Kommunikation wird am Augustinerhof anscheinend nur sehr klein geschrieben. Unter welchen Prämissen Krämer-Mandeau sein Konzept vorzulegen hat, hätte die Verwaltung ihm schon vorgeben müssen. Und dazu gehören eben nicht nur die Zahlen und Fakten aus Trier, sondern auch die Haltung der übergeordneten Behörden.

    Die Krefelderin Birk und der Bonner Krämer-Mandeau haben aber noch etwas unterschätzt. Das gallische Erbe der Treverer nämlich, die sehr krawallig werden können, wenn ihnen etwas kategorisch gegen den Strich geht. Das unterscheidet Trier durchaus von anderen Städten und Gemeinden, in denen Krämer-Mandeau bisher tätig war. Wer aber mit der Sense über Befindlichkeiten hinwegfegt, der muss sich nicht wundern, dass ihm der Sturm der Entrüstung ins Gesicht bläst.

    Bestes Beispiel: Krämer-Mandeau hatte sogar leise angeregt, das Friedrich-Spee-Gymnasium in Ehrang möglicherweise auslaufen zu lassen – das einzige GTS8-Gymnasium der Region mit einem neuen, ganzheitlichen und nachhaltigen Lernansatz. Das aber kann nur heißen, dass der Planer sich kaum über die Vorzüge und Probleme dieser Schule informiert haben kann. Zahlen sprechen nämlich eine andere Sprache als Menschen.

    Oder auch die Egbert-Grundschule: Die sollte nach Vorstellung von Krämer-Mandeau vom grünen Winkel, wo Kinder sich wohlfühlen können, in die Kaiserstraße umziehen. Auch hier mögen die Zahlen dafür sprechen. Die Bedürfnisse aber sprechen dagegen – und sind allemal wichtiger als nackte Zahlen.

    Es steht außer Frage, dass sich die Trierer Schullandschaft in den kommenden Jahren verändern muss. Wie das gelingen kann, sollte aber durch das Zusammenwirken aller Kräfte in Trier selbst gelöst werden. Es gab vor Jahren einen „Runden Tisch“, der bereits sinnvolle Vorschläge ausgearbeitet hatte. Seit dem Amtsantritt Birks ist der aber nicht mehr zusammengekommen. Liegt das daran, dass ihn der CDU-Mann Holkenbrink initiiert hatte? Kaum vorstellbar. Denn wäre es so, müsste man den Eindruck gewinnen, hier ginge es um Parteipolitik und -befindlichkeiten und nicht um die sinnvolle Gestaltung der Zukunft.

    Zumindest in einem Punkt aber hat der gesunde Menschenverstand anscheinend inzwischen gesiegt. Der Auflösung der gemeinsamen Orientierungsstufe von Friedrich-Spee-Gymnasium und Realschule plus in Ehrang dürfte nichts mehr im Wege stehen, sollte der Stadtrat den entsprechenden Beschluss fassen. Und das muss er tun, damit diese hervorragende Schule eine gesicherte Zukunft hat. Alles andere wäre nicht nur grob fahrlässig, sondern schlicht unverantwortlich.

    Unverständlich aber bleibt, warum Birks Büro das Thema nicht bereits auf die Sitzung des Schulträgerausschusses von Dienstagabend gesetzt hatte. Dann hätte der Stadtrat schon in der kommenden Woche darüber beschließen können – und das Thema wäre vom Tisch. Aber vielleicht wollte Birk ihre Parteifreunde von den Grünen nur wenige Tage nach deren Vorschlag, das FSG möglicherweise auslaufen zu lassen, nichts vollends brüskieren. Ein kleines Zugeständnis an die grüne Befindlichkeit? Gut möglich.

    Schule der Zukunft

    Nachtrag der Redaktion: Am heutigen Donnerstag hat das Presseamt der Stadt die Kosten für das „Biregio“-Konzept auf Nachfrage von lokalo korrigiert. Die Summe liegt 2.300 Euro über der von uns veröffentlichen. Demnach kostete das Konzept die Stadt bisher 21.300 Euro.

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    1 KOMMENTAR

    1. Ihrem Kommentar ist nur noch hinzuzufügen: Die Entscheidung über die Auflösung der GOS ist unabhängig von der Entscheidung über die gesamte Schulentwicklungplanung zu sehen. Sie greift keiner Entscheidung über künftige Standorte anderer Schulen vor. Die Auflösung der GOS verlangt keine neuen
      Investitionen und schlägt keine Pflöcke für die künftige Schulplanung ein. Die Auflösung der GOS kostet auch kein Geld. Sie ist umsonst, sie wird aber nicht vergebens sein, weil sie dem FSG die Chancengleichheit und die gleichen Auswahlbedingungen, wie den anderen Gymnasien bietet. Das hat diese Schule verdient.

    2. Kompliment Herr Thielen , sie können ja auch richtig gut schreiben !!! Hier liegen ja Welten zwischen dem Bericht im TV von heute und ihrem Bericht hier auf lokalo de ! Super Recherche und trefflicher Kommentar !

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