TBB Trier: Ein Dieb, ’ne Krake und ganz viele coole Jungs

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TRIER. Nate „the Steal“ Linhart, Brian „die Krake“ Harper und Dragan „Daddy“ Dojcin – drei Typen, dreimal TBB Trier. Der Basketball-Bundesligist präsentierte sich am Samstag vor der Porta Nigra seinen Fans. Trier spielt, lautete das Motto – und die TBB spielt mit. Schwarze Polo-Shirts bei gleißender Sonne, türkisfarbene Sporttreter unter kurzen Hosen, jede Menge coole Jungs, und ganz viel „easy going“. Vor allem die US-Amerikaner zeigten einmal mehr ihr Showtalent. Moderator Chris Schmidt war bestens aufgelegt. Vorstand Sascha Beitzel strahlte wie ein Honigkuchenpferd und so mit Trainer Henrik Rödl um die Wette.

Noch weiß keiner, was in dieser Wundertüte steckt, die sich der Mann mit der Mütze da zusammengebastelt hat. Schneller wollen sie spielen als in der letzten Saison. Noch aggressiver wollen sie sein. Noch etwas selbstbewusster. Und natürlich erfolgreicher. Henrik Rödl hatte sich kurz noch mit Speis‘ und Trank gestärkt, bevor der Offenbacher mit Baseballcap und schwarzer Sonnenbrille die Bühne im Schatten der Porta bestieg. An seiner Seite Thomas Päch, der „Co“.

Für das Trainer-Team beginnt so langsam die heiße Phase der Saisonvorbereitung. Am Sonntag steht noch ein letzter Test in Saarlouis gegen den neunfachen deutschen Meister USC Heidelberg an. Aktuell spielen die Universitätsstädter in der ProA (2. Liga). Am Donnerstag macht sich der TBB-Tross dann nach Belgrad auf. Im einwöchigen Trainingslager in der serbischen Hauptstadt soll der Teamgeist noch einmal gestärkt und an den taktischen Varianten gefeilt werden. „Weil natürlich noch nicht alles rund läuft“, sagt Rödl. Die Aufgaben sind klar, die Hierarchie ist es auch. „Ich mach‘ das, was der Coach sagt“, antwortet Päch auf die Frage von Chris Schmidt, welche Arbeit ihm denn zufalle.

Der Europameister von 1993 gibt das Tempo vor. Rödl ist Kopf und Herz dieser Truppe. Für Mathis Mönninghoff, den Kapitän der U20-Nationalmannschaft, der entscheidende Grund, seine College-Karriere in den USA frühzeitig zu beenden und nach Trier zu wechseln. „Ich weiß, dass der Trainer auf junge, deutsche Spieler setzt. Hier kann ich mich entwickeln, hier kann ich an mir arbeiten.“ Ohne die Jungs aus Übersee aber geht es nicht. Die US-Amerikaner sind nach wie vor das Salz in der Suppe, wenn man in der vielleicht stärksten Bundesliga aller Zeiten bestehen will.

„Wir haben uns zusammengesetzt und austariert, was finanziell machbar ist“, sagt Rödl. Vorstand Sascha Beitzel musste den Daumen heben oder senken. Das Ergebnis kann sich nach Rödls Einschätzung sehen lassen. „Auf jeden Fall sind wir variantenreicher als in der letzten Saison, als doch sehr viel vom Zusammenspiel zwischen Dru Joyce und Maik Zirbes abhing.“ Das mache die Mannschaft unberechenbar für den Gegner.

Trotz der jugendlichen Unbekümmertheit, mit der Trier die Liga aufmischen will, braucht eine Mannschaft über die lange Saison hinweg auch ein gerüttelt Maß an Erfahrung. Dafür steht er: Dragan „Daddy“ Dojcin, der Kapitän, der Leader. „Ich bin ja fast so alt wie die Porta“, sagt er schmunzelnd, als er auf der Bühne steht. Inzwischen zählt der Mann aus Zemun, einem Stadtteil von Belgrad, stolze 36 Lenze. Die Achillessehne zwickt momentan etwas. Das ist der Preis des Alters. Dennoch hat Dojcin erneut eine Saison verlängert, weil er der verlängerte Arm des Trainers ist, weil er Rödls Rasselbande führen soll – gelegentlich auf dem Feld, vornehmlich aber durch seine Autorität abseits desselben.

Als Dojcin spricht, sitzt ein anderer bereits wieder auf seiner Bank und schreibt fleißig Autogramme. Nate „the Steal“ Linhart fühlt sich in Trier pudelwohl. So wohl, dass er im Urlaub in Berlin sein Deutsch aufpolierte. Drei Jahre lang hatte der beste „Ball-Klauer“ der Liga aus Gahanna (Ohio) Deutsch in der Schule. Das war mächtig verstaubt und schwer eingerostet. Doch siehe da: Wie aus dem sprachlichen Jungbrunnen entstiegen, parliert Linhart in fast akzentfreiem Deutsch neben Chris Schmidt.

Wer denn in der neuen Saison mehr Bälle klaue, will Schmidt wissen. Er selbst oder Rückkehrer Barry Stewart? „Och“, meint Linhart, „Barry ist schon sehr gut, aber ich bin auch ganz gut.“ Allemal sicher ist aber, dass Trier mit dem Duo Linhart/Stewart über eine extrem scharfe Flügelzange verfügt. Defensiv wohl mit das Beste, was die Liga zu bieten hat. Und auch in der Offensive sind beide nicht zu unterschätzen, wie die Testspiele bereits zeigten.

Bleiben die anderen. Wie Jarrett Howell, der neue Spielmacher. Ein Spaßvogel par excellence. Vom Typ her ein neuer Carl Brown. Ob auch er wie der Mann aus Detroit, der zehn Jahre in Trier spielte, das Zeug zur Legende hat, wird sich spätestens von Oktober an weisen. Dann geht es zum Ligaauftakt (3. Oktober) nach Tübingen. Drei Tage später steht das erste Heimspiel an – gegen die Phantome aus Braunschweig.

Damit läuft der Ernst des Sportlebens für Rödl und das Team. Für Andreas Seiferth, der Maik Zirbes vergessen machen will. Für Brian Harper, der wegen seiner unglaublichen Spannweite jetzt schon den Spitznamen „die Krake“ weg hat. Für Joshiko Saibou, der sich in seinem zweiten Jahr in Trier weiter verbessern will. Für Vatalis Chikoko und Jone Lopez, die an der Mosel richtig ankommen wollen. Und natürlich auch für Bastian Doreth, der aktuell noch bei der Nationalmannschaft weilt. Im erweiterten Kader stehen auch Luka Buntic und Luca Breu. Der erst 16-jährige Sohn des ehemaligen Spielers und Trainers von Fußball-Regionalligist Eintracht Trier gilt als eines der größten Talente der Region.

Rödl glaubt an das Potenzial seiner Männer. Zusammen wollen sie für Überraschungen in der Liga sorgen. Attraktiven Basketball wollen sie bieten. „Und natürlich so oft wie möglich gewinnen.“ Klare Ansagen also. Jetzt fehlt nur noch der Startschuss in die neue Saison. (et)

1 KOMMENTAR

  1. Sehr schöner Bericht zu einer gelungenen
    Veranstaltung.
    Denke,es war eine gute Präsentation vor guter
    Kulisse mit hoffentlich positiven Auswirkungen.

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