Schule der Zukunft

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    Die Diskussion um den Fortbestand des Friedrich-Spee-Gymnasiums zeigt eines ganz deutlich: Es ist noch viel Überzeugungsarbeit dahingehend zu leisten, dass eine solche Bildungseinrichtung nicht nur Sinn macht, sondern wichtig für Trier und die Region ist. Und: Die Schule braucht die Unterstützung der Politik. Sofort und ohne zu zögern.

    Im März schrieb ein Kommentator des ortsansässigen Printmediums, das G8-Gymnasium in Trier sei nicht etablierbar. Das ist nichts anderes als grober Unfug, weil es Wasser auf die Mühlen jener ist, die grundsätzlich damit ein Problem haben, dass nicht alle Kinder gleich sind. Neid und Missgunst spielen hier ein große Rolle. Phänomene, die in Deutschland – Trier ist da keine Ausnahme – leider nur allzu häufig zu beobachten sind.

    Die Schülerinnen und Schüler des FSG sind keine Elite. Das wollen sie auch überhaupt nicht sein. Sie haben die gleichen Probleme wie andere Kinder, sie haben die gleichen Sorgen, sie haben auch die gleichen Ängste. Es sind ganz normale Kinder, die dort lernen und arbeiten. Aber sie besuchen diese Schule, weil sie sich vom System „Schule“ vielleicht etwas mehr erwarten als andere, weil sie vielleicht etwas mehr lernen wollen, weil sie vielleicht auch etwas höhere Ansprüche an sich selbst haben, als dies vielleicht bei anderen Kindern der Fall ist. Völlig wertfrei. Und diese Möglichkeit räumt ihnen die Ganztagsschule am Mäusheckerweg mit der Möglichkeit ein, das Abitur nach acht Jahren abzulegen.

    78 Arbeitsgemeinschaften (AGs) bietet das FSG inzwischen an. 320 Ganztagsschüler hat das Gymnasium. Die Zahl der angenommenen Angebote aber liegt mittlerweile bei 650. Das heißt: Viele Schüler besuchen gleich mehrere AGs. Viele tun das in ihrer Mittagspause, weil die Arbeitsgemeinschaften von der siebten Klasse an nicht mehr in den Stundenplan integriert sind. Zahlen und Fakten, die in der ganzen Diskussion um den Fortbestand der Schule untergehen. Die Schülerinnen und Schüler des FSG erledigen ihre Aufgaben in der Schule – in eigens dafür konzipierten Stunden. Die heißen EVA (Eigenverantwortliches Arbeiten) in den Klassen fünf und sechs und SAB (Selbstständiges Arbeiten) in den Klassen sieben bis neun. Dort werden sie angeleitet, ihre Aufgaben so zu erledigen, dass sie den Anforderungen gerecht werden – auch ohne teure Nachhilfestunden, wie sie inzwischen fast überall zum Alltag der meisten Schüler gehören.

    Es gibt keine Quälerei mit Hausaufgaben im heimischen Wohnzimmer, wo völlig überforderte Eltern sich die Haare raufen ob der Unvernunft ihrer Sprösslinge. Es gibt keine entnervenden Lernorgien vor Klassenarbeiten. Die Schule übernimmt mit ihrer konzeptionellen Ausrichtung einen großen Teil der Erziehung. Und das ist gut so. Das ist die Schule der Zukunft. Was die Verantwortlichen beim FSG noch verinnerlichen sollten, ist, dass sie diese Botschaft auch zu den Menschen bringen müssen. Werbung in eigener Sache. Tue Gutes und rede darüber, muss der Slogan heißen. Marketing für ein Konzept mit Vorbildcharakter.

    Die Politik in Trier aber muss jetzt – dringend und schleunigst – dafür sorgen, dass dieses vorbildliche Konzept eine Zukunft hat. Nicht nur muss die unnütze und zugleich perverse Diskussion über den Fortbestand der Bildungseinrichtung in Ehrang aufhören. Nein, das FSG braucht endlich die Voraussetzungen, die eine GTS8-Schule benötigt, um sinnvoll arbeiten zu können. Und das heißt: Die gemeinsame Orientierungsstufe mit der neuen Realschule plus muss schon zum nächsten Schuljahr aufgehoben werden.

    Dr. Wolfgang Bohnen, der stellvertretende Schulelternsprecher, hat das am Freitag auf den Punkt gebracht. Mit der Verschmelzung von Haupt- und Realschule zur neuen Realschule plus ist die Geschäftsgrundlage für die gemeinsame Orientierungsstufe entfallen. Eltern, die ihre Kinder auf ein GTS8-Gymnasium schicken, wollen nicht, dass in den Klassen fünf und sechs alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Das ist nicht elitär oder snobistisch, sondern nur verständlich. Weil nicht alle Kinder gleich sind, weil Begabungen, Interessen und Ansprüche verschieden sind. Dem muss man Rechnung tragen und nicht einem verqueren Weltbild von der Gleichheit aller Kinder, das mit der Realität und dem gesunden Menschenverstand nichts gemein hat.

    Insofern hat der abstruse Vorschlag der Trierer Grünen vielleicht sogar etwas Gutes für das Friedrich-Spee-Gymnasium. Der Fokus richtet sich urplötzlich auf Ehrang. In dem Versuch, dem GTS8 den Garaus zu machen, liegt die große Chance, den Spieß umzudrehen und in die Offensive zu gehen. Diese Chance muss man am FSG jetzt nutzen. Dann ist das Friedrich-Spee-Gymnasium nicht nur eine Schule der Zukunft, sondern auch eine mit Zukunft.

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    1 KOMMENTAR

    1. Das ist ein ausgezeichneter Kommentar zur situation des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Trier-Ehrang, informativ, sachlich und engagiert!

    2. Hervorragend!!!
      Besser hätte man das Konzept unserer Schule nicht transportieren können.
      Lesen Sie dies, Herr Krämer-Mandeau
      Vielen Dank Herr Thielen

    3. Sehr gute Sichtweise!
      Hoffentlich sehen das die Verantwortlichen auch so. Denn damit entscheiden sie sich nicht nur für das FSG,sondern auch für die Zukunft der Schüler.

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