FSG: Schulschließung kein Thema – Birk will rasche Entscheidung

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TRIER. Mit diesen beiden Kernaussagen müssen die Spee’ler vorerst leben. Schuldezernentin Angelika Birk (Grüne) sagte den protestierenden Schülern und Lehrern des Friedrich-Spee-Gymnasiums (wir berichteten) am Freitag vor dem Trierer Rathaus zu, dass eine Entscheidung der Verwaltung zur umstrittenen gemeinsamen Orientierungsstufe mit der neuen Realschule plus nach den Herbstferien fällt. Ferner gebe es im Rathaus keine Überlegungen, die Schule auslaufen zu lassen. Damit distanzierte Birk sich zwischen den Zeilen von den Vorschlägen der Grünen Ratsfraktion, die genau das in die Debatte um die Zukunft der Trierer Schullandschaft eingebracht hatte.

Eine knappe halbe Stunde mussten die Schüler mit ihren Lehrern und den Elternvertretern vor dem Rathauseingang am Augustinerhof warten. Gegen 12.30 Uhr erschien die Dezernentin. Zwölf Uhr war zuvor zwischen Birks Büro und der Schulleitung vereinbart worden (wir berichteten). Doch die Bürgermeisterin befand sich in einer Sitzung. Hereingebeten wurden die Protestanten aus Ehrang nicht. Auf der kleinen Freifläche vor der Schiebetür wurde über eine Stunde lang diskutiert. Marc Kößling vom SV-Team des Friedrich-Spee-Gymnasiums übergab Birk die eigens angefertigte Mappe mit dem Protestschreiben.

„Das ist der Tag der Schülerinnen und Schüler“, sagte der neue Direktor der FSG, Kajo Hammann. „In unserer Schulgemeinschaft herrschen Angst und Unruhe, seit die neuesten Überlegungen zur Zukunft unserer Schule publik geworden sind.“ Birk äußerte Verständnis dafür, bat aber zugleich für sich selbst um Verständnis: „Ich kann als Dezernentin hier nicht vorpreschen und meine eigene Meinung kundtun. Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der noch lange nicht abgeschlossen ist.“

Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Philologenverbandes, Malte Blümke, warf Birk vor, sie verstecke sich hinter der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), hinter dem Ministerium und letztlich auch hinter dem Stadtrat. Das wies die Dezernentin zurück. „Der Rat muss die Auflösung der gemeinsamen Orientierungsstufe am Mäusheckerweg beantragen. Erst dann kann eine Entscheidung fallen.“

Birk sagte zu, das Thema bei nächsten Sitzung des Schulträgerausschusses am kommenden Dienstag erneut zu diskutieren. Unterdessen hat das Rathaus am Freitag für den kommenden Mittwoch, 12. September, zu einem Pressegespräch eingeladen. Dort sollen die Ergebnisse der Ausschusssitzung sowie eine Zwischenbilanz zum Schulentwicklungsplan vorgestellt werden.

Den Vorschlag ihrer Partei, das Friedrich-Spee-Gymnasium unter Umständen zu schließen, wollte Birk am Freitag nicht kommentieren. „Ich bin kein Mitglied der Ratsfraktion der Grünen. Manche Fraktionen geben ihre Vorschläge über die Gremien ab, manche eben über die Presse.“ Sie könne nur für die Verwaltung sprechen. „Und wir haben derzeit nicht vor, das FSG auslaufen zu lassen.“ Das könne sie versichern. Unstrittig sei allerdings, dass am Mäusheckerweg auch Platz für eine Integrierte Gesamtschule sei. „Ob das aber auch gewollt ist, ist eine andere Frage.“

Thomas Albrecht, Stadtrat der CDU, bezeichnete die Ideen der Grünen am Freitag gegenüber lokalo als „absurd und reine Publicity“. Seine Fraktion habe die gesamte Thematik mehrfach in Sitzungen beraten. „Und jetzt warten wir auf eine Vorlage der Dezernentin“, so Albrecht, „damit wir als CDU unsere Position deutlich machen können“.

Jutta Albrecht von der Arbeitsgemeinschaft der Trierer Schulelternsprecher (AGT) griff die Schuldezernentin während der Protestaktion der Spee’ler vor dem Rathaus scharf an. Bis heute sei ein Schreiben der AGT vom 24. April an die Verwaltung unbeantwortet geblieben, sagte Albrecht. Birk konterte, sie selbst habe inzwischen ein Gespräch mit Vertretern der AGT geführt. „Außerdem gab es mehrere Telefonate.“ Albrecht äußerte Verständnis für den Unmut der Eltern, die zwischen allen Stühlen säßen.

Für Dr. Wolfgang Bohnen, den stellvertretenden Schulelternsprecher des FSG, liegt die Ursache für die Verunsicherung und die damit einhergehenden sinkenden Anmeldezahlen beim einzigen GTS8-Gymnasium klar auf der Hand. „Die gemeinsame Orientierungsstufe mit der neuen Realschule plus, in die jetzt auch die Hauptschüler integriert werden müssen, schreckt viele Eltern ab, ihr Kind am FSG anzumelden“, so Bohnen. Der gesunde Menschenverstand sage einem doch, dass man ein System nicht weiter bestehen lasse könne, dem „die Geschäftsgrundlage entzogen worden ist“. Die Hauptschule sei Geschichte, aber die Orientierungsstufe existiere weiter. „Das passt doch einfach nicht zusammen“, betonte Bohnen.

Schulelternsprecherin Ute Lindig appellierte an Birk, endlich klare Verhältnisse zu schaffen. „Wir müssen Klarheit haben, bevor die Anmeldesphase für das neue Schuljahr beginnt“, forderte Lindig. „Weil sonst keiner weiß, wie es weitergeht.“ Das sagte Birk zu. Spätestens nach den Herbstferien im Oktober werde eine Entscheidung zur Orientierungsstufe fallen. „Aber dann liegt es an der ADD und dem Ministerium, wie verfahren wird.“ Sie selbst könne nur immer wieder betonen, dass sie hinter dem G8-Konzept beim FSG stehe. „Die Verwaltung hat nie einen Zweifel an ihrer Unterstützung für das Trierer G8-Modell gelassen.“ Birk kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Mainzer Bildungsministerium, das in Schweich ein großes neues Schulzentrum geschaffen habe, das in direkter Konkurrenz zum FSG stehe. „Das ist in der Tat sehr unglücklich.“

Schulleiter Kajo Hammann bewertete die Protestaktion vor dem Rathaus mit einem Schuss Ironie. „Ich bin sehr froh, dass wir mit Frau Birk in ein Gespräch getreten sind – obwohl ich lieber gesessen hätte.“ Nach einer knappen Stunde Diskussion am Augustinerhof sprach Hammann von einem Anfang, der jetzt gemacht worden sei. „Wir haben unsere Position bei einer verantwortlichen Politikerin in einem repräsentativ-demokratischen Stil klar gemacht“, sagte der Direktor des FSG. (et)

ZUM KOMMENTAR von Eric Thielen

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