Vorlesungen beim Einkaufsbummel – Uni erinnerte an die ersten Lehrveranstaltungen vor 50 Jahren

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Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel (rechts) im Gespräch mit dem langjährigen Universitätskanzler Ignaz Bender.

TRIER. Im Herzen von Trier Campus-Atmosphäre spüren, nach dem Einkauf einer Kurzvorlesung lauschen und beim Schaufenster-Bummel über Anekdoten aus dem Uni-Geburtsjahr schmunzeln. Mit diesem ungewöhnlichen Veranstaltungsformat erinnerte die Universität Trier auf dem Trierer Hauptmarkt Passanten, Besucher und Wissbegierige an ein markantes Ereignis. Exakt 50 Jahre zuvor – am 15. Oktober 1970 – waren die ersten Vorlesungen an der wiedergegründeten Universität Trier gehalten worden.

Eigentlich wollte die Universität Trier ihr Jubiläum bei vielen verschiedenen Veranstaltungen gemeinsam mit den Menschen aus Stadt und Region feiern. Eigentlich – hätte da nicht ein Coronavirus namens SARS-CoV-2 die Weltbühne betreten. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe stellte das große Engagement von Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel bei der Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten heraus, die dann größtenteils nicht stattfinden konnten.

Umso mehr würdigte Leibe, dass es der Universität mit der symbolträchtigen Veranstaltung am 15. Oktober doch noch gelungen ist, vom Campus in Tarforst zu den Menschen in die Stadt zu kommen. Die Universität sei auf vielfältige Weise eng mit Trier und der Region verbunden. „Es war schon ein zentraler Gedanke bei der Gründung, aus der Universität herauszugehen und sich nicht abzuschotten.“ Präsident Michael Jäckel versicherte, dass die Universität an diesem Kurs festhalten werde. „Ich sehe vielversprechende Perspektiven für ein weiterhin gutes Zusammenwirken von Universität und Stadt.“

Wie eng die Universität mit den Bürgern verbunden ist, zeigte auch die Themenauswahl der Kurzvorlesungen. In wenigen Minuten informierten Professorinnen und Professoren über ihre Forschung zu Bereichen, die den Alltag der Menschen berühren: Claudia Ritzi beleuchtete den Zustand unserer Demokratie, Ralf Münnich brachte statistische Methoden und den Pflegebedarf in Zusammenhang, Axel Hochkirch verdeutlichte Dimensionen des Artensterbens, Günther Heinemann stellte die Bedeutung der Polargebiete für das Klima heraus, und Helge Gresch ging auf Herausforderungen der Lehrerbildung ein.

Natürlich durften die Erinnerungen an die Anfänge der Universität nicht fehlen, die 1970 im Verbund mit Kaiserslautern als Doppeluniversität wiedergegründet worden war. Zwei Personen der ersten Stunden ließen die Gründungszeit im Gespräch mit Michael Jäckel lebendig werden. Prof. Dr. Wolfgang Kühlwein, für Trier zuständiger Vizepräsident, und der langjährige Universitätskanzler Ignaz Bender trugen gemeinsam mit vielen anderen Protagonisten dazu bei, dass Trier 1970 wieder Universitätsstadt wurde.

Dabei hätte gar nicht einmal so viel gefehlt und die 50-Jahre-Feier hätte nicht 2020, sondern schon gut 20 Jahre früher stattgefunden. Einen Steinwurf entfernt vom Ort der Jubiläumsvorlesungen steht das ehemalige Domhotel. Hier liefen zwischen 1945 und 1948 die Fäden einer Initiative zusammen, die in der damaligen französischen Besatzungszone die Wiedergründung einer Universität in Trier erreichen wollte. Der Historiker Professor Stephan Laux hat die vergessene Episode wissenschaftlich aufgearbeitet. Gestern – an dem für die Universität geschichtsträchtigen 15. Oktober – ist das Buch, das er über die gescheiterte Universitätsgründung geschrieben hat, erschienen.

Meilensteine der Universitätsgeschichte werden auch in der Ausstellung „Ein besonderer Ort – 50 Jahre Universität Trier in Schlaglichtern“ dargestellt. Sie wird vom 18. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021 im Stadtmuseum Simeonstift Trier gezeigt.

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