Zur Entlastung der Praxen: Hausärzteverband für Rückkehr zur Telefonkrankschreibung

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Symbolbild; Foto:Karl-Josef Hildenbrand

MAINZ. Ein Griff zum Telefon, ein Gespräch mit dem Arzt – und die Krankschreibung bei simplen Erkältungen war gebongt. Doch die telefonische Krankschreibung wurde abgeschafft. Dabei würde sie den Hausärzten im Corona-Herbst sehr helfen, findet die Verbandschefin.

Zur Entlastung der Arztpraxen angesichts immer weiter steigender Corona-Zahlen fordert der rheinland-pfälzische Hausärzteverband die Wiedereinführung der telefonischen Krankmeldung für vergleichsweise banale Infekte wie Erkältungen. «Das war im Frühjahr ein wichtiger und erfolgreicher Baustein in der Pandemiebekämpfung», erklärt die Verbandsvorsitzende Dr. Barbara Römer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. «Darüber hinaus haben es die Hausarztpraxen durch flächendeckende Corona-Ambulanzen und Infektsprechstunden in Rheinland-Pfalz geschafft, Patientenströme gut zu steuern. Mit beiden Maßnahmen wurde eine Durchmischung von Infekt- und Nichtinfektpatienten bestmöglich vermieden.»

Die telefonische Krankschreibung war zu Beginn der Corona-Pandemie deutschlandweit als Ausnahmeregelung zugelassen und mehrmals verlängert worden, um Ansteckungsmöglichkeiten zu verringern und Arztpraxen zu entlasten. Am 31. Mai lief sie jedoch aus. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen hatte damals erklärt, das Ende der Sonderregelung stehe im Einklang mit der aktuellen Einschätzung der Gefährdungslage, die zu Lockerungen in vielen Bereichen geführt habe. Viele Praxen hätten Hygienekonzepte, so dass Patienten eine ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen könnten, ohne sich erhöhten Infektionsrisiken auszusetzen.

Römer, die im rheinhessischen Saulheim selbst eine Gemeinschaftspraxis betreibt, hofft nun mit Blick auf die Pandemie-Entwicklung auf ein Umdenken in dieser Frage. «Auch unsere Ressourcen sind begrenzt», warnte sie. «Daher brauchen wir flexible Lösungsansätze. Hierbei ist die telefonische Arbeitsunfähigkeitsmeldung ein wichtiges Instrument.»

Die Arztpraxen brauchten diese Entlastung zur weiteren Entflechtung der Patientenströme, betonte sie. «Hausärztinnen und Hausärzte stehen da an vorderster Front. Sonst wird die Ressource der ambulanten Versorgung überfordert, was wiederum dazu führen kann, dass wie in anderen Ländern Patienten mit einfachen Symptomen ins Krankenhaus laufen, weil sie nicht mehr ambulant betreut werden.»

Seit wenigen Tagen ist nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine Krankschreibung per Videosprechstunde möglich. Voraussetzung dafür ist, dass der Versicherte der behandelnden Arztpraxis bekannt ist und die Erkrankung eine Untersuchung per Videosprechstunde zulässt. Ein Anspruch der Versicherten auf Krankschreibung per Videosprechstunde besteht jedoch nicht. Ausschließlich per Online-Fragebogen, Chat-Befragung oder Telefonat darf niemand krankgeschrieben werden.

Dabei dürfte für viele Patienten der Griff zum Telefonhörer einfacher fallen als der Aufbau einer Videoschalte zu seiner Hausarztpraxis, zumal auch nicht jeder Erkrankte die technischen Möglichkeiten zur Videotelefonie hat. Römer hält eine Telefonat in der Regel durchaus für ausreichend, um die Lage zu beurteilen. «Wir Hausärzte können am Telefon im Gespräch mit unseren Patienten sehr wohl beurteilen, ob es sich um eine einfache Erkältung handelt, bei der es in erster Linie nur um eine Krankschreibung geht», sagte sie. Die Hausärztinnen und Hausärzte kennten ihre Patienten und wüssten um Vorerkrankungen und mögliche Risiken.

«Wenn die Patienten kein Fieber haben und uns sagen, mein Chef will mich mit meiner Erkältung nicht sehen, dann kann ich es aus ärztlicher Sicht sehr wohl vertreten, ihn telefonisch krankzuschreiben und ihm Verhaltensmaßregeln mitzugeben, die es notwendig machen, sich dann doch im Krankheitsverlauf in der Infektsprechstunde vorzustellen», erklärte die Hausärztin. Banale Infekte wie Schnupfen ohne relevante Einschränkung des Allgemeinbefindens oder Fieber müssten nicht zwingend sofort in der Praxis untersucht werden, «wenn es eben nur um eine Krankschreibung geht».

Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft waren im Juni zu dem Ergebnis gekommen, dass die Ärzte in Deutschland das Instrument der telefonischen Krankschreibung umsichtig genutzt und damit «einen substanziellen Beitrag zur Eindämmung des Infektionsgeschehens geleistet» hätten. Befürchtungen, die Krankschreibung per Telefon könne missbräuchlich in Anspruch genommen werden, hätten sich damit nicht bestätigt, hieß es in der Studie. (dpa)

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