Bombenentschärfung: 15 000 Einwohner und Gefängnis betroffen

In Koblenz steht nach dem Fund einer Weltkriegsbombe eine umfangreiche Evakuierung bevor, Tausende Anwohner sind betroffen. Am 18. Oktober ist in der Rhein-Mosel-Stadt die größte Räumungsaktion seit drei Jahren geplant.

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KOBLENZ. Vor der Entschärfung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg müssen am 18. Oktober in Koblenz etwa 15 000 Anwohner ihre Häuser verlassen und ein Gefängnis geräumt werden. Auch der Hauptbahnhof, zwei Seniorenheime, ein Krankenhaus, Hotels und das Technische Rathaus werden zur Sicherheit evakuiert, wie die Stadtverwaltung am Mittwoch mitteilte. Geräumt wird ein Gebiet im Radius von voraussichtlich rund 1000 Metern um den Fundort einer 500-Kilogramm-Fliegerbombe.

Der US-Sprengkörper war am Dienstag bei Bauarbeiten für einen kleinen Supermarkt im Stadtteil Goldgrube am Hauptfriedhof entdeckt worden. Der Heckzünder fehlt laut Stadtverwaltung, der Frontzünder ist aber noch intakt. Mitarbeiter des Ordnungsamtes bewachen die Bombe. Weil daher keine Gefahr für die Anwohner bestehe und die Vorbereitung der aufwendigen Evakuierung Zeit brauche, sei die Entschärfung des Blindgängers vom Kampfmittelräumdienst (KMRD) Rheinland-Pfalz erst am übernächsten Sonntag geplant, sagte Stadtsprecher Thomas Knaak. Die Anwohner müssen das betroffene Gebiet dann bis 9.00 Uhr räumen – wegen der Corona-Pandemie mit Masken. Anschließend kontrollieren Einsatzkräfte, ob alle Wohnungen verlassen sind.

Der KMRD hatte erst am Dienstag in Andernach eine 125-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. In einem Umkreis von 300 Metern hatten 1160 Anwohner aus 717 Haushalten zur Sicherheit ihre Häuser verlassen müssen.

Die letzte große Evakuierung wegen eines Blindgängers in Koblenz liegt drei Jahre zurück: Damals mussten sogar 21 000 Anwohner ein Gebiet mit einem Radius von einem Kilometer verlassen. Zuvor war ebenfalls das Gefängnis evakuiert worden – die Häftlinge kamen in andere Haftanstalten. Dann entschärfte der KMRD eine 500-Kilogramm-Bombe.

Blindgänger könnten noch lange entdeckt werden. Experten schätzen, dass im Zweiten Weltkrieg rund ein Zehntel der über Deutschland abgeworfenen Bomben nicht explodiert ist. So vereisten laut dem KMRD mitunter die Zünder beim Abwurf aus mehreren Tausend Metern Höhe, so dass die Entsicherung nicht funktionierte. Oder die Bomben schlugen so auf, dass sie nicht detonierten. Die Zielgenauigkeit war ohnehin schlecht.

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