Schwalben in den Süden abgeflogen: Hohe Geldbußen für Nestzerstörung

Die Nester von Schwalben sind streng geschützt. Auch bei einer Zerstörung während ihrer winterlichen Abwesenheit kann es Geldbußen von bis zu 50 000 Euro hageln. Dabei kann sich Hilfe für die kleinen Flugkünstler lohnen.

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ/REGION TRIER. Nach dem Abflug der Schwalben in den Süden warnen Naturschützer in Rheinland-Pfalz vor einer Zerstörung ihrer Nester. Deren Abschlagen zum Beispiel mit einem Besenstiel von Hauswänden kann laut Bundesnaturschutzgesetz als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro bestraft werden.

«Schwalben können sich ihre Nester merken und nach der Rückkehr von Afrika hier wiederfinden», sagt Rainer Michalski vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Albig in Rheinhessen. Das spare Zeit und Energie. «Auch der Nachwuchs schaut gerne wieder in dieselbe Gegend.» Daher müssten Schwalbennester unbedingt auch im Herbst und Winter geschont werden.

Die kleinen Flugkünstler gelten als Sympathieträger. «Früher sagte man, sie bringen Glück», erklärt Michalski. Seit Jahren gingen die Bestände zurück. Laut dem Umweltministerium Rheinland-Pfalz in Mainz sind vermutlich das Insektensterben und die moderne Architektur mitverantwortlich dafür. Weniger Fluginsekten heißt weniger Nahrung. Schmutzabweisende glatte Hauswände können dazu führen, dass Nester abrutschen.

Pfützen verschwinden nach den Worten von Michalski, wenn Feldwege asphaltiert werden: Den Mehl- und Rauchschwalben fehlen die etwa 1000 Lehmkügelchen, die sie für den Bau eines Nestes brauchen. Die zunehmende Hygiene auf Bauernhöfen richtet sich laut dem Agraringenieur Michalski mit der Fachrichtung Naturschutz und Landschaftsökologie ebenfalls oft gegen die flinken Zugvögel. Diese könnten zudem bei ihrer Reise in den Süden in großen Netzen von Vogelfängern an der afrikanischen Mittelmeerküste den Tod finden.

Schwalben können Menschen nützlich sein: «Sie vertilgen Tausende Mücken. Pro Brut kommt eine Schublade Mücken zusammen», sagt Michalski. Viele Menschen stört der Kot der kleinen Zugvögel. Ein unterm Nest an einer Hauswand angebrachtes Brett kann helfen. Manche Schwalbenfreunde hängen auch künstliche Nester auf.

Beim Nabu in Mecklenburg-Vorpommern haben sich schon Touristen über die Zerstörung von Schwalbennestern in ihren Urlaubsorten beschwert. Der Naturschutzbund hat die Aktion «Schwalbenfreundliches Haus» ins Leben gerufen – auch in Rheinland-Pfalz. Hausbesitzer können ihre Förderung der Insektenjäger erklären und eine Plakette bekommen, die sie als Schwalbenfreunde auszeichnet.

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