Basketball-Länderspiel: Zurück im geliebten Wohnzimmer

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TRIER. Er ist zurück in seinem Wohnzimmer, wenn auch nur für kurze Zeit. Am Mittwochabend (19.15 Uhr) trifft Maik Zirbes mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft in der Arena auf Bulgarien. Ein besonderer Moment für den 22-Jährigen: Hier reifte er zu einem der besten Center Deutschlands, hier liegen seine sportlichen Wurzeln. In der neuen Saison spielt Zirbes für den Meister aus Bamberg – der nächste Schritt auf dem internationalen Parkett folgt damit. Von Eric Thielen

Es ist erst wenige Jahre her, dass der Junge aus der kleinen Moselstadt Traben-Trarbach anfing, seinen Traum zu leben. Basketball-Profi wollte er werden. Die körperlichen Voraussetzungen prädestinierten ihn dafür wie kaum einen anderen. Über zwei Meter geballte Energie, weit über 100 Kilogramm schwer – ein Kerl wie ein Berg. Wenn Maik Zirbes seinen Körper unter dem Korb in Bewegung setzt, vibriert das Parkett. Den heißen Atem seiner Gegenspieler spürt er im Genick, ihren Schweiß kann er riechen – ihre Angst womöglich auch. Das ist seine Welt.

Wenn er aber dasteht, am Rande des Feldes, sich den eigenen Schweiß mit seinem weißen Handtuch wegwischt, rechts eine Flasche mit brauner Brause, links ein Mineralwasser, wirkt der Riese sogar seltsam verletzlich. Der nette Junge von nebenan. Selbst die dunklen Augen unter dem fast blank rasierten Schädel können lächeln. Zumindest sprühen sie. Den Schalk hat Zirbes im Nacken – und die Freude an seinem Beruf in den Augen. „Klar“, sagt er, „ich verstehe mich mit allen hier – nur mit Karsten nicht.“

Karsten heißt Tadda mit Nachnamen, läuft gerade vorbei und bekommt von Zirbes einen Klaps auf den Rücken. Zusammen spielen sie in der nächsten Saison beim deutschen Meister und Pokalsieger in Bamberg. Tadda grinst, duckt sich weg. Zirbes lacht, Tadda auch. Ist auch besser so. Fast 20 Zentimeter und etliche Kilogramm trennen die beiden. Ungleiche Voraussetzungen also für einen Kampf Mann gegen Mann. Aber Karsten weiß, wie der Maik das meint. Bei aller Konzentration, Spaß muss sein. Und was gibt es Schöneres als eine kleine Frotzelei unter Kollegen in der Trainingspause?

Die Ränge sind leer, und Maik Zirbes schaut hinauf, als Tadda schon nicht mehr zu sehen ist. Er schluckt einmal feste. Ob es die braune Brause ist, die in seinem Hals kratzt, oder ein Anflug von Melancholie, der ihn überkommt, wenn er sich in seinem geliebten Wohnzimmer umblickt, mag er nicht verraten. Das bleibt sein Geheimnis. Von einem „seltsamen Gefühl“ spricht er, wieder hier zu sein. Hier, in seinem Revier. Jetzt schon. Schon so schnell. „Denn eigentlich war ich ja noch gar nicht richtig weg.“ Urlaub, eine Woche in Bamberg, und dann die Nationalmannschaft – Trier ist immer noch Heimat.

Ohne Rödl wäre ich nicht hier“

Das ärmellose graue Trikot mit dem Schriftzug „Deutschland“ ist voller Schweißflecken. Er trägt es mit der großen Selbstverständlichkeit eines Mannes, der seinen Weg gemacht hat und der noch lange nicht an dessen Ende ist. Wem er es zu verdanken hat, dass dieser Weg so schnell, so steil nach oben führte, weiß Zirbes. „Es gab viele Menschen, die mich unterstützt haben und denen ich dankbar bin. Aber keiner hat mich so geformt und gefördert wie Henrik Rödl. Dass ich heute hier stehe, dass ich jetzt in Bamberg spielen darf, habe ich maßgeblich ihm zu verdanken.“

Rödl ist schon wieder weg, als Zirbes das sagt. Aber er weiß es auch so – ohne dass er es hören muss. Triers Trainer war da, kurz zuvor, um seinen väterlichen Freund und Mentor zu begrüßen. Mit Bundestrainer Svetislav Pesic verbindet den Hessen eine Beziehung weit über den Basketball hinaus. Der Serbe war für Rödl das, was der Offenbacher selbst für Zirbes war und ist – Trainer, Förderer, wohlwollender Kritiker und Wegweiser für eine internationale Karriere. Das verbindet über die Generationen hinweg. Jetzt hat Pesic die Aufgabe von Rödl übernommen. Und der Trierer Trainer weiß seinen Schützling in guten Händen. Auch das verbindet.

Wenn Deutschland am Mittwochabend in der Arena auf Bulgarien trifft, wird Zirbes auf die Anweisungen von Pesic hören. Ebenso wie Philip Zwiener. Noch ein ehemaliger Trierer, noch einer, der nach seinem Karriereknick in Berlin unter Rödl zu neuer Blüte reifte und der jetzt für die Eisbären aus Bremerhaven auf die Jagd nach Körben geht. Auch Zwiener blickt mit Dankbarkeit auf seine beiden Jahre an der Mosel zurück. „Trier wird für mich immer unvergesslich bleiben, weil ich mich hier unglaublich wohlgefühlt habe.“ Über Rödl muss und will er nicht viele Worte verlieren. „Nein, wirklich nicht. Ohne ihn wäre ich nicht hier, und das sagt ja wohl alles.“

Pesic setzt auf seine Trierer Fraktion, zu der noch Bastian Doreth zählt, zu der im erweiterten Kader auch Andreas Seiferth und Mathis Mönninghoff zählen. Pesic setzt aber auch auf das Trierer Publikum. Bulgarien sei nicht zu unterschätzen, gibt der Serbe zu Protokoll. „Und wenn es phasenweise mal nicht so gut laufen sollte, ist die Unterstützung von den Rängen für meine jungen Spieler sehr wichtig.“ Die Mannschaft vom Balkan sei vor allem über ihre Fast-Breaks gefährlich, warnt Zwiener. „Da müssen wir höllisch aufpassen.“

Davor ist Maik Zirbes nicht bange. Er weiß, dass er auf sein Publikum in seinem Wohnzimmer bauen kann. Irgendwann in der neuen Saison wird er wieder hier sein – mit dem Meister aus Bamberg. Dann aber unter gänzlich anderen Voraussetzungen. Dann ist er der Gegner. Dann wird er bei den Freiwürfen ausgepfiffen. Dann wird er den Atem von Andreas Seiferth spüren. Und vielleicht auch ein klein wenig Angst, gegen seine Fans spielen zu müssen. Doch so weit denkt Zirbes noch nicht. Sein Abschiedsspiel in der Arena will er genießen, sich mit einem Sieg für Deutschland bei seinem Publikum bedanken. „Ja, ich werde es genießen“, sagt er noch, bevor er wieder unter Pesics Fittiche eilt. „Was auch sonst? Schöner geht’s doch gar nicht.“ (et)

Deutschland – Bulgarien, Mittwoch, 5. September, 19.15 Uhr, Arena Trier.

Karten gibt es nach wie vor auch beim „Deal der Region“ von lokalo – mit bis zu 27 Prozent Preisvorteil.

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1 KOMMENTAR

  1. Ich finde es auch schade, dass der DBB und die FIBA bei der Terminierung eines Qualifikationsspiels zu einer Europameisterschaft, also einer Sportveranstaltung mit internationaler Wertung, keinerlei Rücksicht auf das Auswärtsspiel eines Viertligisten mit Torwartproblem in Idar-Oberstein (!) nehmen..

    Wie wenig Horizont kann man eigentlich haben? Ich hoffe, Sie sind heil wieder aus I-O zurückgekommen; hinter Schweich fällt man ja bekanntlich von der Erdscheibe, wenn man nicht aufpasst…

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