Wie viele Säue noch?

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    Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwer mit irgendwelchen neuen Vorschlägen zur Umgestaltung der Trierer Schullandschaft an die inzwischen völlig verwirrte Öffentlichkeit geht. Der Sensibilität des Themas ist sich anscheinend keiner bewusst. Anders ist dieser blinde Aktionismus kaum zu erklären.

    Jetzt also die Grünen. Aber bitte doch: Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Darf es noch für fünf Cent mehr sein? Jene Schule macht zu, die andere zieht um. Zwei weitere verschmelzen. Die Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler werden gleich mitverfrachtet. Ist schon Wahlkampf? Nein, aber es kann ja nicht schaden, sich schon mal in Position zu bringen – damit die anderen einem nicht die Butter vom Brot nehmen.

    Man stelle sich vor, es würde wochen-, nein, monatelang darüber diskutiert, dass Firma X oder Unternehmen Y in vier oder fünf Jahren schließen muss, weil die Auftragslage sich möglicherweise ändert. Unvorstellbar. Aber bei jenen, die sich nicht wehren können – die Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler -, spielt das alles keine Rolle.

    Da wird jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf, respektive die Stadt getrieben. Wie viele Säue denn noch, liebe Kommunalpolitiker? Hier geht es nicht um neue Straßen, um Bauvorhaben, um Geld. Hier geht es um Menschen. Um Lehrer, Lehrerinnen, um Kinder, um Schülerinnen und Schüler.

    Hier geht es aber auch darum, dass mit Ängsten Schindluder getrieben wird – befeuert von verantwortungslosen und profilierungssüchtigen Kommentatoren der „großen“ Heimatzeitung. Statt innezuhalten und sich der Sensibilität des Themas bewusst zu werden, springt man auf diesen Zug auf. Man könnte ja etwas verpassen und vielleicht sogar zu spät kommen. Die politische Konkurrenz schläft nicht.

    Die Perversion der öffentlichen Debatte wird auch darin deutlich, dass städtische Grundstücksangelegenheiten hinter verschlossenen Türen verhackstückt werden. Geht es aber um die Schließung von Schulen, wo Kinder lernen und leben, wo Menschen arbeiten und sich engagieren, oft sogar mit viel Herzblut, fehlt inzwischen jeder Anstand, jeder Respekt. Welch eine verkehrte Welt.

    Da fließen Tränen bei den Kindern, weil sie hören, dass ihre Schule (vielleicht) geschlossen wird. Da bangen Lehrerinnen und Lehrer, weil sie nicht wissen, wann sie einen neuen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen. Da fragen sich völlig verunsicherte Eltern, ob sie ihre Kinder überhaupt noch an dieser oder jener Schule anmelden sollen – im Hinterkopf die Frage: Sollte die Penne wirklich schließen, kann es mit dem Engagement der Lehrer und der Ausstattung der Schule ja kaum noch weit her sein?

    Nein, diese perverse Debatte hat nichts mit Transparenz in der Kommunalpolitik zu tun, sondern nur mit Verantwortungslosigkeit.

    Bestes Beispiel: Da werfen die Grünen mal so eben in den Raum, dass das Friedrich-Spee-Gymnasium möglicherweise, vielleicht – wer weiß wann? – auslaufen soll. Das einzige G8-Gymnasium der Region mit echter Ganztagsschule (vom Hochbegabtenzweig des AVG einmal abgesehen). Jahrelang wurde darum gekämpft, eine solche Bildungseinrichtung zu etablieren, haben Kollegien, Eltern, Schüler sich dafür stark gemacht. All das spielt keine Rolle. Ein einziger Federstrich macht alles zunichte.

    Man kann es nicht oft genug betonen: Diese Debatte und die ausufernden, unverantwortlichen Ideen sind an Perversion nicht mehr zu überbieten.

    Deswegen muss die Debatte ein Ende haben, weil inzwischen genug Porzellan zerschlagen worden ist, weil genug Seelen verletzt wurden. Es ist hohe Zeit, zur Vernunft zurückzukehren. Dieses Thema taugt nicht für eine jahrelange öffentliche Diskussion – und schon gar nicht zum Wahlkampfgeplänkel verantwortungsloser Kommunalpolitiker.

    Oberbürgermeister Klaus Jensen täte gut daran, das Thema zur Chefsache zur machen und ein eigenes Gremium zu installieren. Dort kann, ohne dass jeden Tag neue Wasserstandsmeldungen in der Öffentlichkeit kolportiert und breitgetreten werden, konstruktiv und nachhaltig diskutiert und gestritten werden. Mit einem fertigen Konzept – aber auch nur dann und nur damit – kann man schließlich an die Öffentlichkeit gehen. Weil inzwischen genug Säue durch die Stadt getrieben worden sind – mehr als genug.

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    1 KOMMENTAR

    1. Ja, ja, ja, ja, ja und noch einmal ja! Endlich schreibt mal jemand, was seit Monaten auf Schulfluren, Grillfeiern, Elternabenden und Runden Tischen gesagt wird! Danke, Herr Thielen – für Ihre erfrischende Art, Tacheles zu reden und erst recht für mein Lieblingszitat der Saison: „verantwortungslose und profilierungssüchtige Kommentatoren“. Herrlich. Chapeau!

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