Egbert – „Die Schule im Grünen muss bleiben“

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TRIER. So ist das oft mit Masterplänen oder großen Würfen: Die Individualität bleibt auf der Strecke. Dagegen kämpfen Eltern und Lehrer der Egbert-Grundschule im Gartenfeld an. Geht es nach den Vorschlägen des Bonner Büros „Biregio“, soll ihre Schule vom grünen Winkel zwischen Olewiger Straße und Hermesstraße in die Kaiserstraße umziehen – in das Gebäude der früheren Robert-Schumann-Realschule. Trier habe zu viele Grundschulen, ist der Tenor. Der Kostenaspekt bei leeren städtischen Kassen kommt hinzu. Für den Sprecher des Schulelternbeirates, Dr. Michael Düro, ist hingegen klar: „Die Schule im Grünen ist machbar.“

Schule ist nicht gleich Schule. Die einfache Wahrheit bewegt alle Eltern, die ihr Kind einige Jahre nach der Geburt in fremde Hände geben müssen. Ist es gut aufgehoben? Fühlt es sich wohl? Wird ihm nicht nur Wissen vermittelt, sondern kann es sich auch in seiner Persönlichkeit entwickeln? Macht Schule Spaß? Das sind die Fragen, die Eltern beschäftigen. Es ist kein Geheimnis, dass Kinder gerade in den ersten vier Jahren in ihrem Verhältnis zu den Anforderungen der Bildungseinrichtungen nachhaltig geprägt werden. Wer einen schlechten Start hat, der wird nie den richtigen Zugang zum „System Schule“ finden.

Wenn Johanna Keller durch den grünen Park ihrer Schule geht, gerät sie ins Schwärmen. Die Rektorin der Egbert-Grundschule hat noch das kleine Stückchen Kuchen aus der unterbrochenen Pause in der Hand. Mit der anderen fährt sie gestenreich durch die Luft – da hin, dort hin. Auf die Rutschbahn weist der Zeigefinger. Dort stillen ein paar Racker ihren Bewegungsdrang. Schule heißt auch, eine ganze Zeitlang stillsitzen zu müssen. Da kommen die Pausen gerade recht. „Die Kinder haben hier den Platz, den sie brauchen“, sagt sie.

Das sieht man. Wer den kurzen, steilen Anstieg zum Gelände der Egbert-Grundschule hinter sich gebracht hat, der blickt auf eine grüne Oase inmitten der Großstadt. In unmittelbarer Nähe lässt sich die Silhouette des Amphitheaters erahnen. Nur das große weiße Zelt gleich am Rand der schuleigenen Wiese stört den Blick. „Das wird hier jedes Jahr aufgebaut“, sagt Keller. „Für Brot und Spiele.“ Sie schaut kurz hinüber. „Dafür hat die Stadt Geld – na ja…“

Als sie sich bei einer der letzten Veranstaltungen des Römerspektakels weigerte, die Klassenräume ihrer Schule für die Akteure von „Brot und Spiele“ zur Verfügung zu stellen, musste die Stadt Container aufstellen. Ein Ratsmitglied habe zu ihr gesagt: „Johanna, du kostest die Stadt 20.000 Euro.“ Auch dafür sei also Geld vorhanden. Nicht aber, um dringend notwendige Sanierungsarbeiten am Schulgebäude vorzunehmen. „Dabei haben wir hier ein kleines Paradies im Grünen für unsere Kinder.“ Doch nicht nur das: Egbert ist Ganztags- und Sinus-Schule. Der Schwerpunkt des Unterrichtes liegt schon früh im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich.

Geht es allerdings nach den Ideen des Bonner Büros „Biregio“, das im Juni seinen Schulentwicklungsplan für Trier vorgestellt hatte, soll die „Schule im Grünen“ zwischen Olewiger Straße und Hermesstraße ein Auslaufmodell sein. Egbert, der Dinosaurier, der nicht mehr in die Zeit passt. In der Kaiserstraße, im Gebäude der früheren Robert-Schumann-Realschule, soll Egbert mit der Barbara-Grundschule verschmelzen. Das reduziert die Kosten für die ohnehin chronisch leeren Kassen der Stadt. Der große Wurf für die Trierer Bildungslandschaft trägt den Titel „Schulentwicklungsplan“.

Den habe man „eingehend geprüft und diskutiert“, sagt Dr. Michael Düro, der Sprecher des Elternbeirates der Egbert-Schule. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Beirat hat Düro ein Papier aufgesetzt, „weil hinsichtlich der Frage zum künftigen Standort der Schule nicht alle Aspekte betrachtet und abgewogen“ worden seien. Düro ist sich sicher: „Die Schule im Grünen ist machbar!“

„Egbert ist eine Schule mit Zukunft“

Drei Hauptpunkte umfasst die Stellungnahme des Schulelternbeirates. Zur Problematik des Standortes „Kaiserstraße“. Zum Potenzial des derzeitigen Standortes. Und als Fazit: Die Egbert-Grundschule – Schule im Park mit Zukunft. Zitiert wird auch Schuldezernentin und Bürgermeisterin Angelika Birk (Grüne). „Ganztagsschulen, die eine Schulunlust bei den Schülerinnen und Schülern fördern, können wir nicht verantworten. Es geht dabei nicht um Luxus, sondern um eine Situation, in der sich Kinder und auch Lehrkräfte wohlfühlen“, habe Birk gesagt.

Unter diesem Aspekt sei Egbert kein Auslaufmodell, sondern eine Schule mit Zukunft, weil hier genau jener Wohlfühlfaktor in der Praxis gegeben sei. Das ist für die Eltern von Egbert keine Frage. Der parkähnliche Charakter biete die Chance, Kinder naturnah in „Grünen Klassenzimmern“ zu unterrichten. Das Grundstück biete ferner Platz für Bewegung und Rückzug, öffne einladende Außenspielflächen und sei ausreichend groß für eventuell erforderliche Erweiterungsbauten, heißt es in dem Schreiben der Elternvertreter.

Kritisiert wird aber auch der geplante neue Standort. „Die Kaiserstraße ist eine stark befahrene Hauptverkehrsstraße. Die meisten Kinder der Egbert-Grundschule leben im Stadtteil Gartenfeld. Für sie wäre die Kaiserstraße fußläufig nicht sicher erreichbar. Die Schaffung erforderlicher Haltestellen für Busse und PKW wäre nicht nur mit Kosten, sondern auch mit erheblichen Beeinträchtigungen des Durchgangsverkehrs verbunden.“ Ferne gäbe es dort keine Mensa mit Küche für den Ganztagsbetrieb, keinen Mehrzweckraum und keine Sportstätten. Außerdem reichten die vorhandenen 13 Klassenräume für die erwarteten vier Züge der Grundschule Egbert/Barbara mit 16 Klassen nicht aus. Und schließlich habe das Amt für Stadtentwicklung und Statistik dem Standort in der Kaiserstraße „kaum tragfähige räumliche Entwicklungsmöglichkeiten“ bescheinigt.

Dagegen dürfe der bauliche Zustand von Egbert nicht über die vorhandenen Standortvorteile hinwegtäuschen. „Die räumliche Aufteilung der Egbert- und Ausonius-Grundschule ist für die in der Innenstadt lebenden Kinder ideal. Im Stadtteil Gartenfeld findet derzeit ein demographischer Wandel statt, der dort zu einem höheren Anteil an jungen Familien mit schulpflichtigen Kindern führen wird als im Schulentwicklungsplan prognostiziert“, betonen die Elternsprecher.

Untermauert werde die Position auch durch eine von ihnen durchgeführte Umfrage bei den innerstädtischen Kindergärten. Danach würden „98 Prozent der befragten Kita-Eltern aus dem Schulbezirk ihr Kind am derzeitigen Standort einschulen würden. Aufgrund der fehlenden Verkehrssicherheit am Standort Kaiserstraße würden viele Eltern aus dem Stadtteil Gartenfeld ihre Kinder eher an andere Grundschulen bringen“.

Düro und seine Mitstreiter führen auch Synergieeffekte für den jetzigen Standort der Schule an. Etwa die Kooperation mit dem benachbarten Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, das bei seinem Raumbedarf ebenfalls von einer Erweiterung der Egbert-Schule profitieren könnte. Und schließlich habe die „Mobile Spielaktion“ festgestellt, „dass das Grundstück der Egbert-Grundschule die einzige Fläche ist, die für die Kinder im Stadtteil Gartenfeld als Treffpunkt und Spielplatz in Frage kommt, und ein entsprechendes Angebot geschaffen werden sollte“.

Düro will für den Erhalt von Egbert am jetzigen Standort kämpfen. Darin ist er sich nicht nur mit den anderen Eltern einig, sondern auch mit Johanna Keller. Als es zum Pausenende klingelt, muss sich die Rektorin um einen kleinen Steppke kümmern: Der Erstklässler hat die Signale noch nicht so richtig verinnerlicht. Er schaut lieber zum Grün der Bäume und auf die Rutschbahn als auf die Tafel mit den für ihn noch kryptischen weißen Zeichen. „Das ist normal“, sagt Johanna Keller. Und irgendwie auch verständlich – bei einer Schule im Grünen. (et)

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank für den sehr guten und informativen Beitrag, der die Situation und die Ohnmacht der Elternschaft aus Trier Ost / Gartenfeld wiedergibt. Die Ebgert-Schule scheint nicht nur konzeptionell besser aufgestellt als der Vorschlag von Biregio an der Kaiserstr. zu sein, sondern ist auch deutlich günstiger im Aufbau und der Unterhaltung. Zudem ist eine Überquerung der Ostallee und der Kaiserstraße für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren eine erhebliche Gefahr, die Eltern nicht hinnehmen werden. Dies wird zu mehr Autofahrten führen, was sicherlich in einen Verkehrschaos zu den Stoßzeiten (morgens) an der Kaiserstr. münden würde. Ob die „Fachleute“ dies berücksichtigt haben?

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