Grenze überschritten

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    Es spielt keine Rolle, welche Erklärungen die Uni Trier bietet. Auch nicht, welche Jäckel im Nachgang noch liefern wird. Der Präsident der Universität hat eine Grenze überschritten, die er als Chef einer Institution des öffentlichen Rechts nie hätte überschreiten dürfen. Daran kann es keinen Zweifel geben.

    Die Frage muss erlaubt sein, ob Prof. Dr. Michael Jäckel, der Soziologe und Fachmann für Medien, nach dem bekannten Motto verfahren ist: „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ Vielleicht hätte er das gerne so. Vielleicht. Doch so funktioniert die Welt nun mal nicht. Auch nicht für den Präsidenten einer Universität.

    Es ist ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen. Dass nämlich Menschen ab einer bestimmten Ebene glauben, ihnen sei alles erlaubt – ohne Rücksicht auf moralische oder ethische Grundsätze. Das gilt für Politiker ebenso wie für Wirtschaftsbosse. Und das gilt jetzt auch für den Präsidenten der Uni Trier. Von der rechtlichen Seite einmal ganz abgesehen.

    Alleine die exklusive Medienpartnerschaft mit dem Volksfreund bei einer großangelegten Veranstaltung wie dem „City Campus“ ist schon grenzwertig. Doch das wäre noch hinnehmbar, weil das Blatt als einzige gedruckte Publikation der Region quasi ein Monopol besitzt. Obwohl auch hier die Frage erlaubt sein muss, welche Zielgruppen denn erreicht werden sollen? Werbung im TV macht vor allem für jene Sinn, die Rollatoren, Heizdecken oder dritte Zähne zu verkaufen haben, weil der Großteil der Leser das Renteneintrittsalter längst überschritten hat. Die werden wohl kaum zum „City Campus“ pilgern.

    Doch das ist nicht das Thema. Jäckel ist das Thema. Er hat seine Position als Chef der Universität Trier missbraucht, um einem Zeitungsverlag zu einem höheren Anzeigenaufkommen, zu mehr Umsatz, zu mehr Profit zu verhelfen. Und das ist nicht hinnehmbar, weil Jäckel damit seiner eigenen Unabhängigkeit und der seiner Bildungseinrichtung schweren Schaden zugefügt hat.

    Dass der Volksfreund, dem die Abonnenten in Scharen davon laufen – alleine im zweiten Quartal 2012 verlor das Blatt im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres laut ivw knapp 500 Abonnenten -, nach jedem sich bietenden Strohhalm greift, ist aus seiner Sicht legitim. Ganz anders sieht das hingegen beim Präsidenten der Universität Trier aus. Er muss darauf achten, dass die Neutralität seiner Institution unter allen Umständen gewahrt bleibt und er selbst nicht wie der Erfüllungsgehilfe eines Zeitungsverlages in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Das ist seine erste Pflicht.

    Jäckel hat der Universität mit seinem Werbebrief keinen Gefallen getan. Denn vor diesem Hintergrund erscheint die üppige und rundum positive Berichterstattung im Volksfreund in einem ganz anderen Licht. Jäckel hat dafür gesorgt, dass diese einen faden Beigeschmack erhält. Schließlich muss es für eine so große Institution wie die Uni Trier doch möglich sein, auch ohne eine „exklusive Medienpartnerschaft“ ausreichend die Werbetrommel für ein Projekt wie „City Campus“ zu rühren. Und sollte dies nicht ohne entsprechende Seilschaften funktionieren, wäre das ein Armutszeugnis für beide: die Uni und den TV.

    Das zuständige Mainzer Ministerium täte gut daran, Jäckel ganz klar und nachhaltig an seine Grenzen zu erinnern, die er als gesetzlicher Vertreter der Universität einzuhalten hat – und, dass er sich die Welt eben nicht so machen kann, wie sie ihm gefällt. Auch wenn er das gerne möchte. Es gibt nämlich keine Lex Jäckel – nicht einmal in Trier.

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