Einstimmig für den Polizeichef – „Den Laden aufräumen“

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DAUN. Die Landratsneuwahl in der Vulkaneifel geht in die heiße Phase. Mit dem parteilosen Heinz-Peter Thiel (49) haben SPD, Freie Wähler und Grüne ihren Kandidaten nominiert.

Bange machen gilt nicht – vor allem nicht für einen waschechten Ersten Kriminalhauptkommissar. Vielleicht war es diese einschlägige berufliche Prägung, die den gebürtigen Prümer Heinz-Peter Thiel zum Wagnis ermunterte, sich auf einen der explosivsten Posten der Region Trier zu bewerben: den des Landrats der Vulkaneifel. Denn Heinz Onnertz (62), ebenfalls parteilos und Ex-Richter, hatte nach mehrjährigen Konflikten verschiedener Gruppierungen im Kreistag und nach etlichen gegen seine Person gerichteten Artikeln und Leserbriefen in einem Anzeigenblatt angekündigt, im Frühjahr 2013 zurückzutreten, so dass vorzeitige Neuwahlen notwendig sind. Für seinen Nachfolger dürfte es schwierig werden, in die Fußstapfen des überaus beliebten und mit 67,5 Prozent in seine zweite Amtszeit wiedergewählten Onnertz zu treten. Und dabei die Kommunalreform im kleinsten der rheinland-pfälzischen Landkreise zu managen, die dazu führen könnte, dass der Landkreis Fusionspartner suchen muss.

Einstimmig beschlossen die SPD, Freien Wähler und Grünen – die zuvor auch Onnertz unterstützten – die Nominierung des derzeitigen Chefs der Polizeiinspektion Daun als Kandidaten für die Neuwahlen am 2. Dezember 2012. Die CDU und die anderen im Kreistag vertretenen Gruppierungen (FDP, Linke und Bürgerunion Vulkaneifel) sind bislang noch nicht mit einem eigenen Kandidaten oder einer Kandidatin an die Öffentlichkeit getreten. Thiel, der bei den Menschen der Vulkaneifel bereits gut bekannt ist, steht im Ruf, bei der Polizei ein Profil als Führungspersönlichkeit mit viel Sinn für soziale Themen, aber auch mit großer Durchsetzungskraft zu haben. „Ich lebe in der Region und bin hier als bodenständige, konflikterfahrene, belastbar zuverlässige Größe bekannt“, gibt er als seine „Heimvorteile“ für den Landratsposten an. „Eine unabhängige Kandidatur meinerseits ist ein Rezept zu einem neutralen Neustart.“

Den braucht die Vulkaneifel auch angesichts verhärteter Fronten und einem politischen Klima, das Vertreter fast aller im Kreistag sitzenden Gruppierungen als destruktiv bezeichnen. „Die Menschen in der Vulkaneifel erwarten eine Umorientierung zur Stärkung der Solidargemeinschaft“, schildert Thiel die Ausrichtung, die er dem Landkreis im Falle eines Wahlsiegs geben will. Zuvor jedoch braucht er noch 200 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern, um beim Wahlleiter offiziell als Kandidat geführt zu werden. Zur kurzfristig angesetzten Pressekonferenz und Präsentation des Kandidaten Thiel jedenfalls waren bereits viele interessierte Bürger in das Dauner Forum gekommen – Mund-zu-Mund-Propaganda und Internet wirkten. „Ich bin froh über die gelöste Stimmung, die ich hier vorfinde“, sagte der Polizeichef. „Das zeigt mir, dass es letztlich kein tief vergiftetes Klima in der Vulkaneifel gibt, sondern lediglich die Zerstrittenheit einzelner.“

Thiel kündigte an, den Wahlkampf und die Amtsführung im Falle eines Wahlsieges konsequent unabhängig von einzelnen Medien zu führen. „Ich will keine Probleme schaffen, die man nicht mehr loswird“, betonte er und spielte auf eine Verflechtung medialer, politischer und wirtschaftlicher Interessen an, die in der jüngsten Vergangenheit der Vulkaneifel zweifelhaften Ruhm in der bundesdeutschen Presse- und Fernsehlandschaft eingetragen hatte. Unabhängigkeit und der Erhalt des Landkreises in Zeiten der Kommunalreform stehen bei Thiel ganz oben, auch was die Einbindung der Gebietskörperschaft in die Großregion angeht.

Aus der Initiative Region Trier ist der Landkreis Vulkaneifel vor geraumer Zeit bereits ausgetreten, verbunden ist er hingegen über die Zukunftsinitiative Eifel auch mit dem nordrhein-westfälischen Teil der Region. „Der Landkreis steht nicht zum Ausverkauf an die Nachbarn. Was die künftigen Strukturmaßnahmen im Rahmen der Großregion angeht, so ist noch viel Informationsarbeit und Sensibilisierung zu leisten, bevor Gremien und Bürger entscheiden“, sagte er mit Blick auf das bislang heftig diskutierte Thema Gebietsreform. Der gemeinsame Landratskandidat von SPD, Freien Wählern und Grünen ließ gleich bei diesem ersten öffentlichen Auftritt keinen Zweifel daran, dass er bürgernah sein will, aber zugleich auch den „Laden aufräumen“ wird, falls er ab April 2013 die Nachfolge von Heinz Onnertz antritt. (ak)

1 KOMMENTAR

  1. Hoppla, dabei wird die Stelle doch erst in diesen Tagen durch den Kreistag ausgeschrieben. Erst dann sollen sich Kandidaten bewerben und erst dann sollen Parteien sich ihre Wunschkandidaten bestimmen. Seltsames Vorgehen von SPD, FWG, Grünen – seltsames Chancen- und Politikverständnis!
    Hoffentlich macht’s „die andere Seite“ besser, weil seriöser und ergebnisoffener.

  2. Hoppla, da bedarf es einer Ausschreibung aber nur noch formal. Dass die Stelle des Landrats vakant wird, ist allgemein bekannt.

    Je eher die Parteien ihren Kandidaten benennen, desto eher können sich die Bürger informieren und ein Bild machen. Und umso demokratischer ist dann das Wahlergebnis.

    Wirklich schade, dass „die andere Seite“ keine so offene, transparente Politik betreibt.

    Viel Erfolg für Herrn Thiel!!!

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