Düsteres Bild in Rheinland-Pfalz: Verbände warnen vor «Notlage» beim Schwimmen

Sportbund und DLRG zeichnen ein düsteres Bild: Um das Schwimmen in Rheinland-Pfalz ist es schlecht bestellt. Das soll sich ändern. In einem Positionspapier an die Landesregierung machen sie Druck.

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Seenotretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) fahren in einem Schnellboot. Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild

MAINZ. Ein Bündnis aus Landessportbund und weiteren Verbänden macht Druck auf die Ampelkoalition, um die Bedingungen für den Schwimmunterricht in Grundschulen und die Ausübung des Schwimmsports in Rheinland-Pfalz zu verbessern.

Zwar habe sich der Landtag bereits vor knapp vier Jahren zur Förderung des Schwimmens bekannt, allerdings seien die beschlossenen Ziele höchstens lokal, nicht aber landesweit umgesetzt worden, kritisierte der Koblenzer Sportwissenschaftler Lutz Thieme am Freitag in Mainz. Sportbund-Vize Ulrich Becker sprach von einer «Notlage». Und fügte hinzu: «Das kann so nicht bleiben. Wir werden aktiv und wollen gucken, wie man Schwimmen in Rheinland-Pfalz positiv weiterentwickeln kann.»

Der Landessportbund (LSB) und zahlreiche andere Organisationen haben deshalb ein Positionspapier beschlossen, das sie an diesem Montag an Innenminister Roger Lewentz (SPD) überreichen wollen. Darin wird unter anderem die Umsetzung von Maßnahmen gefordert, die sicherstellen sollen, dass alle Jungen und Mädchen zum Ende ihrer Grundschulzeit schwimmen können. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind nur etwa 60 Prozent dieser Zielgruppe sichere Schwimmer.

Außerdem wird von der Landesregierung ein Förderprogramm für die Kommunen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Schwimmbäder gefordert. Dabei solle besonders auf die Situation finanzschwacher Städte und Gemeinden und die unterschiedliche Entwicklung zwischen urbanen und ländlichen Regionen geachtet werden.

Becker betonte, bei der Initiative gehe es nicht nur um die lebensrettenden Aspekte. «Schwimmen ist ein Kulturgut, das jeder – ob jung oder alt – nutzen soll: ob nun gesundheitlich, im Bereich der Reha oder im Bereich der Lebensfreude.» Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Politik auf den Vorstoß reagieren werde. Schließlich steckten hinter den zahlreichen Organisationen, die das Positionspapier unterstützten – darunter auch Landeselternbeirat und Landesjugendring – insgesamt «drei Millionen Rheinland-Pfälzer. Eine so große Bürgerbewegung gibt es vergleichsweise selten.» Und im nächsten Jahr werde ein neuer Landtag gewählt.

DLRG-Präsident Ralf Bogler sprach von einem «Schwimmbadsterben», das verhindert werden müsse. Wegen der Corona-Krise habe seine Organisation den Übungs- und Ausbildungsbetrieb vorübergehend einstellen müssen. Inzwischen sei dies zwar wieder angelaufen, doch «bis zum heutigen Tag können wir die geöffneten Bäder nur eingeschränkt nutzen». Das habe zur Folge, dass die Ausbildungszahlen beim Anfängerschwimmen in diesem Jahr voraussichtlich drastisch einbrechen werden.

In diesem Jahr sind nach seinen Angaben bislang mindestens sieben Menschen in Rheinland-Pfalz ertrunken. Die hypothetische Frage, wie viele Badetote verhindert werden könnten, wenn das Kulturgut Schwimmen erhalten und systematisch gefördert würde, lasse sich zwar nicht beantworten. «Aber wenn wir mit allen Beteiligten und Mitteln, die uns zur Verfügung stehen wie Anfängerschwimmen, Schulschwimmen, Sportschwimmen, Rettungsschwimmen, Tauchen nur ein Menschenleben retten, haben wir unseren Auftrag der Gesellschaft erfüllt.»

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