Tod in der JVA: U-Häftling starb an Medikamenten-Überdosis

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Foto: dpa-Archiv

SAARBRÜCKEN. Der Tod eines Untersuchungshäftlings in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken vor rund zwei Monaten geht auf eine Überdosis von Medikamenten zurück. Das habe ein toxikologisches Gutachten «eindeutig festgestellt», teilte der Sprecher des saarländischen Justizministerium am Freitag in Saarbrücken mit. Unklar sei, ob es sich um eine «bewusste oder unbewusste Überdosierung» durch den Betroffenen gehandelt habe. Dies lasse sich nicht mehr rekonstruieren.

Der 56-Jährige wurde am 6. Juli beim Aufschließen tot in seiner Einzelzelle gefunden. Zu Lebzeiten habe es keine Hinweise auf eine Suizidgefahr gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. Auch nach dessen Tod seien keine Hinweise für einen Selbstmord wie zum Beispiel ein Abschiedsbrief gefunden worden.

Laut Gutachten wurden bei dem Toten Wirkstoffe von vier Medikamenten festgestellt. Zwei davon seien ärztlich verordnet gewesen, zwei nicht, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Die Wirkstoffe seien «in übertherapeutischer, toxischer und einmal hochtoxischer Konzentration» nachgewiesen worden. Um welche Medikamente es sich handele, werde aus Schutz der Privatsphäre nicht gesagt.

Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise darauf, dass der Betroffene Medikamente gesammelt hatte. Nach dem Tod des Mannes sei in dessen Haftraum ein kleiner Vorrat gefunden worden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass dem Mann Medikamente gegen seinen Willen verabreicht wurden.

Der Mann war Hauptverdächtiger in einem Ermittlungsverfahren gegen eine mutmaßliche Bande von Internet-Betrügern. Dabei geht es um gewerbsmäßigen Bandenbetrug im Zusammenhang mit verschiedenen Online-Trading-Plattformen, über die Anleger um viel Geld gebracht worden sein sollen.

Die Anzahl der Geschädigten und die Höhe des Schadens lassen sich laut Staatsanwaltschaft nicht abschließend feststellen. Auf drei der Plattformen verteilt konnten bislang 271 Geschädigten ein Schaden von insgesamt rund 15,8 Millionen Euro zugeordnet werden. Auf drei dieser Plattformen seien allein rund 124 000 deutsche Nutzer registriert gewesen. Die Ermittlungen dauerten an.

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