Kühle Nächte erfreuen die Winzer: Hauptlese beginnt

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Sebastian Willnow (dpa)

RHODT. Die Keller haben Platz für den Jahrgang 2020. Beim Ertrag wird eine Menge im langjährigen Durchschnitt erwartet. Die Qualität wird das dritte Jahr in Folge von viel Sonne bestimmt.

In Erwartung eines weiteren Sonnenjahrgangs und durchschnittlicher Erträge beginnt in diesen Tagen die Hauptlese in den Weinbergen der südlichen Anbaugebiete. Vor dem Start am Donnerstag in der pfälzischen Gemeinde Rhodt erklärte das Deutsche Weininstitut (DWI), dass nach einer ersten vorsichtigen Schätzung mit einer Erntemenge in allen 13 deutschen Anbaugebieten von etwa neun Millionen Hektolitern Wein gerechnet werde. Das Mittel der vergangenen zehn Jahre liegt bei 8,7 Millionen Hektolitern. Im vergangenen Jahr waren es 8,3 Millionen, 2018 kamen 10,4 Millionen Hektoliter zusammen.

«Die Winzer sind froh, dass es etwas kühler geworden ist», sagte DWI-Sprecher Ernst Büscher der Deutschen Presse-Agentur. Damit werde eine etwas entspanntere Lese möglich. Die kühlen Nächte seien aber vor allem deswegen wichtig, weil so die Fruchtsäure und das besondere, von Boden und Lage eines Weinbergs mitgeprägte Aroma besser erhalten blieben. «Das lässt auf fruchtige Weißweine und farbkräftige Rotweine hoffen», sagte Büscher.

Während am Donnerstag im Weingut Meyer die Lese von Sauvignon-Blanc-Trauben anstand, wurden am Kaiserstuhl in Baden schon die ersten Trauben der Rebsorten Früh- und Weißburgunder gelesen. Auch die ersten Grundweine für die Sektherstellung sind schon im Fass – hier wird mit der frühen Lese eine möglichst frische Säure angestrebt. Beim Riesling geht es erst Mitte bis Ende September los.

Die Reife der Trauben sei gut vorangekommen, sagte Büscher – sie sei zwar zu diesem Zeitpunkt nicht so weit wie im Hitzejahr 2018, aber ein Stück weiter als 2019. Festmachen lässt sich das am Mostgewicht des Zuckergehalts und anderer gelöster Stoffe im Traubensaft, gemessen in Oechsle-Graden. So weisen Grauburgunder-Trauben in Rheinhessen zurzeit 81 Grad Oechsle auf, während es im langjährigen Mittel zum gleichen Zeitpunkt nur 71 Grad sind. Im Schnitt kommt mit jedem weiteren Tag ein Grad Oechsle hinzu. Der Zeitpunkt der Lese ist damit entscheidend, wenn Winzer vermeiden wollen, dass ihr Wein nach der Umwandlung von Zucker in Alkohol zu schwer wird.

Die Erträge in den Weinbergen fallen nach Einschätzung des DWI in diesem Jahr höchst unterschiedlich aus, weil die Niederschläge ungleich verteilt waren. Während etwa im Rheingau der Osten viel Regen abbekommen habe, sei es im Westen viel weniger gewesen, sagte Büscher. Die südliche Pfalz habe ausgiebige Niederschläge erhalten, während weiter nördlich die Weinberge der Mittelhardt vergleichsweise trocken geblieben seien.

Für Nordbaden, Franken und Saale-Unstrut waren die Spätfröste im Mai ein Problem. In dieses Regionen werde deswegen mit 30 Prozent weniger an Erträgen gerechnet, sagte Büscher. Vereinzelte Ertragseinbußen gab es Mitte August wegen Sonnenbrand – dann vertrocknen die Trauben und fallen ab. Die Sonnenbrand-Schäden seien in diesem Jahr aber nicht so schwerwiegend wie 2019, erklärte der DWI-Sprecher.

Trotz der Corona-Situation mit der zeitweisen Schließung von Gaststätten war der Wein-Absatz insgesamt gut. Mit Online-Proben und anderen Ideen ließen sich die Winzer einiges einfallen, um ihre Kunden zu halten. Nun seien bei vielen Winzern die Keller gut geleert, sagte Büscher. «Daher erwarten wir nun eine marktgerechte Erntemenge.» (dpa)

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