Ängste, Sucht und Selbstmordgedanken – Therapeuten rechnen mit deutlicher Zunahme

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Foto: Jan Woitas (dpa)

RLP. Die Corona-Krise wird nach Einschätzungen von Fachleuten massive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Nun komme es auf die kühlere Jahreszeit an.

Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz rechnen mit einer deutlichen Zunahme von Depressionen, Ängsten, Sucht und auch Selbsttötungsversuchen in der Corona-Krise. «Wie stark die Zunahme sein wird, hängt davon ab, wie der Herbst und der Winter verlaufen, auch wirtschaftlich», sagte die Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer, Sabine Maur, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. «Arbeitslosigkeit und Geldsorgen sind die sozialen Risikofaktoren Nummer 1 für Depressionen und Suizidalität.»

Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust, Ängste und die Dauerbetreuung der Kinder: Viele Familien habe die Corona-Krise stark gestresst. Dazu komme, dass viele ambulante Jugendhilfeangebote weggebrochen seien. Wie stark in dieser Situation die Gewalt in den Familien gestiegen sei, lasse sich nicht sagen. «Wer traut sich schon, nach außen zu gehen und etwa das Jugendamt zu verständigen, wenn man eh schon aufeinander hängt.»

Die Corona-Beschränkungen hätten ältere Menschen am stärksten getroffen, gerade in den Heimen. «Sie leben emotional von dem Besuch, den sie kriegen und den Aktivitäten, die angeboten werden.» Ihr Leiden sei auch für das Pflegepersonal eine zusätzliche Belastung gewesen.

Besonders schwierig seien die Corona-Regeln aber auch für die Entwicklung junger Menschen. «Für die Jugend sind wichtige soziale Aktivitäten weggefallen wie unterwegs sein und zusammen feiern, Sport, Musik», sagte Maur. «Auch die berufliche Perspektive ist für viele unsicherer geworden und schwerer planbar», sagte Maur.

Allerdings habe die Zeit des Homeschoolings auch gezeigt, wie sehr Schule für viele Stress sei. «Viele waren entlastet, weil etwa Mobbing und Ängste wegfielen.» Der Kontakt zu den Lehrern und der Umgang mit der Digitalisierung sei sehr unterschiedlich verlaufen. «Manche hatten kaum Kontakt zu ihren Lehrern.»

Rund 730 niedergelassene Psychotherapeuten mit einer Kassenzulassung gibt es derzeit in Rheinland-Pfalz – rund 50 mehr als noch im vergangenen Jahr. Darunter sind 155 Kinder- und Jugendlichentherapeuten.

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