Fachkräftemangel in RLP: Studie sieht wenig Besserung bei Kita-Erziehung

Nach wie vor stehen für die Kleinen nach einer Studie weniger Fachkräfte zur Verfügung als wissenschaftlich empfohlen wird. Die Bildungsgewerkschaft fordert daher eine Kita-Qualitätsoffensive.

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ. Für vier von fünf Kindern in Kita-Gruppen in Rheinland-Pfalz gibt es laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nicht genügend Fachpersonal. Für etwa 99 200 Kita-Kinder sei der Personalschlüssel zum 1. März 2019 nicht kindgerecht gewesen, kritisiert die am Dienstag veröffentlichte Studie. Es bleibe abzuwarten, wie sich die strukturellen Rahmenbedingungen «durch das im August 2019 verabschiedete Kita-Zukunftsgesetz in den nächsten Jahren verändern werden», erklärten die drei Autorinnen.

Angesichts des Fachkräftemangels hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine Qualitätsoffensive für Kitas angemahnt. «Nach dem quantitativen Ausbau der Frühkindlichen Bildung muss jetzt ein Qualitätsschub folgen», teilte die GEW am Dienstag in Frankfurt mit. Der Erzieherinnen-Beruf müsse attraktiver gestaltet werden, um mehr junge Menschen für die Arbeit in den Kitas zu gewinnen, sagte Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit.

Zentraler Maßstab der regelmäßig erstellten Studie ist die wissenschaftliche Empfehlung eines Personalschlüssels von 3 Kindern je Fachkraft in einer Krippengruppe (für die unter Dreijährigen) und von 7,5 in Kindergartengruppen (für die Drei- bis Sechsjährigen). In Rheinland-Pfalz waren es im vergangenen Jahr rein rechnerisch 3,7 Kinder auf eine Fachkraft in der Krippe und 8,6 im Kindergarten. Zwei Jahre zuvor waren es noch 3,5 bei den Kleinen und ebenfalls 8,6 bei den Älteren.

Die neue Studie zieht einen Vergleich zu 2013. Damals waren es 3,8 in der Krippe und 9,3 im Kindergarten. «Somit gab es nur für die älteren Kinder eine größere Verbesserung der Personalausstattung, die jedoch im Vergleich zu den Entwicklungen in anderen Bundesländern eher mittelmäßig ausfiel.»

Das seit 2008 geführte «Ländermonitoring» bemängelt für Rheinland-Pfalz erneut, dass die Bildungschancen in der Kita stark vom Wohnort abhängen: So gibt es in Pirmasenser Kindergärten einen Personalschlüssel von 1 zu 11,5, im Kreis Germersheim von 1 zu 6,6. «Dies ist die größte regionale Streuung im Bundesvergleich.» Bei den jüngeren Kindern seien die regionalen Unterschiede seit 2016 geringfügig kleiner geworden. Das Kita-Gesetz strebt auch einen Abbau der regionalen Unterschiede an. Inwieweit dies gelinge, werde frühestens zur Erhebung am 1. März 2021 erkennbar sein, sagte Mitautorin Kathrin Bock-Famulla.

Köhler von der GEW sagte, es sei «ein Skandal, dass die Chancen auf einen guten Einstieg ins Bildungssystem und damit auf Lebensperspektiven immer noch vom Wohnort der Kinder abhängen».

Die familienpolitische Sprecherin der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion, Simone Huth-Haage, sagte: «Die Ergebnisse der aktuellen Bertelsmann-Studie zur frühkindlichen Bildung bestätigen unsere Kritik an der von den Regierungsfraktionen im vergangenen Jahr beschlossenen Kita-Novelle der Landesregierung.» Es sei zu befürchten, dass sich die Situation noch verschlechterte, da mit der Kita-Novelle neue Aufgaben auf die Einrichtungen zugekommen seien, die nicht in der Personalbemessung abgebildet würden.

In der Studie heißt es weiter, die Qualifikation des Kita-Personals sei in Rheinland-Pfalz im Vergleich zu anderen Bundesländern auf einem mittleren Niveau. Von den gut 31 700 pädagogisch Beschäftigten sind demnach 74 Prozent als Erzieherin oder Erzieher ausgebildet. In den westdeutschen Bundesländern liegt dieser Wert im Schnitt bei 66, in den ostdeutschen Ländern bei 82 Prozent.

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