Nur Landschaft aber keine Städte! Städtetag verärgert über Tourismuskampagne des Landes

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Ein Hochmoor im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Zu viel Fotos von ländlicher Idylle, Weinbergen und Wanderwegen, dagegen keine Hinweise auf schöne Städte als lohnendes Reiseziel: Der Städtetag hat die jüngste Tourismuskampagne des Landes als einseitig kritisiert. Das Thema Städtereisen sei bei dem Werbefeldzug der Marketinggesellschaft Rheinland-Pfalz Tourismus «leider völlig unter den Tisch gefallen», sagte der geschäftsführende Direktor des Städtetags Rheinland-Pfalz, Michael Mätzig. Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums hat die Kampagne den Tourismus im Land angekurbelt und gerade auch bei jüngeren Menschen Interesse für das Urlaubsland Rheinland-Pfalz geweckt.

Rheinland-Pfalz sei «als Land der Wälder und der Wiesen inszeniert worden – ganz bewusst als Gegenpol zu Metropolregionen wie etwa Hamburg, Ruhrgebiet oder Berlin», sagte Mätzig der Deutschen Presse-Agentur. Die Menschen machten zwar gerne auch Urlaub auf dem Land, suchten aber letztlich doch die Nähe von Städten, um dort zu bummeln und sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Und für deren touristisches Angebot sollte auch geworben werden.

Ein Urlauber im Hunsrück beispielsweise halte sich keineswegs eine Woche nur im Nationalpark auf, sagte Mätzig. «Er macht im Hunsrück Urlaub, weil er auch weiß, dass er in einer halben Stunde in Trier ist.» Doch dieses Bewusstsein sei «offensichtlich bei Teilen der Landesregierung noch nicht so richtig ausgeprägt».

Die Landesregierung wertet die Kampagne dagegen als Erfolg. Ziel sei es gewesen, neue Gästegruppen anzusprechen und gezielt für Urlaub in der Natur zu werben. «Geworben wurde mit der besonderen Landschaft und der Natur – also damit, dass Gäste in Rheinland-Pfalz viel Platz zum Durchatmen finden», sagte Sprecherin Nicola Diehl. All das sei nach ersten Einschätzungen eingetroffen, sagte sie mit Hinweis auf Anzeichen für eine gute Buchungslage im Gastgewerbe während der Sommerferien.

«Wir wollten Sichtbarkeit erzeugen, unsere Stärken herausstellen und so auch Menschen für Rheinland-Pfalz begeistern, die ansonsten eher ausländische Ziele ansteuern», betonte sie. «Wieder Gäste in Hotels, Ferienwohnungen oder Restaurants in unserem Land begrüßen und bewirten zu können, ist immer noch die beste Wirtschaftsförderung für unsere Unternehmen.» Über die Kampagne sei die Anzahl jüngerer Nutzer auf der «Gastlandschaften»-Homepage der Marketinggesellschaft Rheinland-Pfalz Tourismus gestiegen – in der Altersklasse von 18 bis 24 um 84,75 Prozent und in der Altersklasse von 25 bis 34 um 65,61 Prozent.

In der Tourismuskampagne hatte Rheinland-Pfalz von Mitte Juni bis Mitte Juli deutschlandweit online und in Printmedien um Urlauber geworben. Die Kosten wurden mit rund 380 000 Euro angegeben.

(dpa)

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