Rentenreport 2020 Rheinland-Pfalz: Altersarmut steigt, Gewerkschaft sehr besorgt

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Foto: dpa-Archiv

«Die Rente reicht oft nicht zu Leben», stellt der DGB in Rheinland-Pfalz fest. Das gilt besonders für Frauen. Die Grundrente müsse daher schnell umgesetzt werden. Notwendig seien auch höhere Löhne und eine Unterstützung von Unternehmen die nach Tarif zahlen.

Die Altersarmut steigt und psychische Erkrankungen führen immer häufiger zu Erwerbsminderung. Das geht aus dem «Rentenreport Rheinland-Pfalz 2020» des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. «Immer mehr Menschen sind von Altersarmut betroffen, vor allem Frauen», sagte DGB-Landeschef Dietmar Muscheid am Dienstag in Mainz.

Etwa jeder sechste Rentner (17,9 Prozent) war dem Report zufolge 2018 armutsgefährdet. Das sei bundesweit der höchste Wert nach Mecklenburg-Vorpommern, sagte DGB-Abteilungsleiterin Myriam Lauzi. Seit 2006 sei die Altersarmut ständig gestiegen, damals habe sie 13,1 Prozent betroffen. Armutsgefährdet bedeutete 2018 weniger als 1061 Euro Rente pro Monat. Die Rente von 72 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer habe unter dieser Schwelle gelegen. Eine Rente von mehr als 1200 Euro erreichte mehr als die Hälfte der Männer, aber nur 13,1 Prozent der Frauen.

Die durchschnittliche Altersrente im Rentenbestand betrug dem DGB zufolge 2018 bei Männern 1202 Euro und bei Frauen 619 Euro. Dabei gab es auch erhebliche regionale Unterschiede: «Bei den Männern fällt die Rentenauszahlung im Rhein-Pfalz-Kreis mit 1352 Euro im Schnitt am höchsten und in der kreisfreien Stadt Pirmasens mit 914 Euro am niedrigsten aus.» Frauen bekamen in der Stadt Mainz mit 787 Euro die höchste Rente, am niedrigsten war sie im Kreis Bitburg-Prüm mit 546 Euro.

Auf dem Weg zur Rente mit 67 Jahren habe die abschlagsfreie Rente 2018 bei 65 Jahren und sieben Monaten gelegen. Männer gingen im Durchschnitt aber bereits mit 64 Jahren in Rente, Frauen mit 64,3 Jahren. Zwar sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Alter gestiegen, viele könnten aber auch nicht mehr, sagte Lauzi. Von den 60-Jährigen sei bereits weniger als die Hälfte (48 Prozent) noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen. Danach nehme der Anteil von Jahr zu Jahr ab – bei den 65-Jährigen seien es noch sieben Prozent gewesen.

Um die wachsende Altersarmut aufzuhalten, müsse die Grundrente schnell und unbürokratisch – ohne Vermögensprüfung – ausgezahlt werden, forderte Muscheid. Von der Grundrente könnten zwischen 58 000 und 89 000 Rentner profitieren. Die Riester-Rente solle dagegen abgeschafft und die Zuschüsse der umlagefinanzierten Rente oder der Betriebsrente zugutekommen. Der Mindestlohn müsse auf zwölf Euro erhöht und 450-Euro-Jobs abgeschafft werden. Bei der Stärkung der Tarifbindung sei auch der Staat in der Verantwortung, indem beispielsweise Kommunen ihre Aufträge nur noch an Unternehmen vergäben, die die Menschen auch nach Tarif bezahlten. Nur noch etwa 40 Prozent der Unternehmen im Land bezahlten nach Tarif.

«Skandalös» sei der Umgang mit Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung nicht mehr arbeiten könnten, kritisierte Muscheid. «Über 74 Prozent der Frauen und mehr als 61 Prozent der Männer mit Erwerbsminderungsrente sind von Armut gefährdet.» Die Zunahme psychischer Erkrankungen, die zum Ausscheiden aus dem Arbeitsleben führten, nannte der DGB-Landeschef «besorgniserregend». Sie seien mit 43 Prozent inzwischen die Hauptdiagnose – 2006 lag der Anteil noch bei etwas mehr als 30 Prozent. Mehr als 22 000 Männer und Frauen bekamen aufgrund ihres vorzeitigen Ausscheidens aus dem Berufsleben Grundsicherung bei Erwerbsminderung.

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