Am Haken – Die ADAC-Rallye naht

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TRIER. Für die einen ist es wie Weihnachten und Ostern am selben Tag, für die anderen der Alptraum schlechthin. Alle Jahre wieder: Die ADAC-Rallye macht mit dem „Circus Maximus“ auch in Trier Station. Schon am Dienstag waren die ersten Vorboten des dröhnenden Spektakels, das am Sonntag mit dem Lauf auf dem Stadtparcours seinen Höhepunkt finden wird, zu beobachten. Halteverbotsschilder auf dem Rundkurs, uniformierte Menschen, blaue Kondome auf Parkuhren und gelbe Abschleppwagen kündeten davon: Bald ist es wieder soweit. Die Fahrer selbst bewegten sich am Abend in aller Stille über der Asphalt – in geräuscharmen Elektroautos.

Der lange Spurt von einer Straßenseite zur anderen verhinderte Schlimmeres. Das Auto, das Auto, das geliebte Auto. Ja, es stand noch im Halteverbot, und der Zeiger der Uhr hatte längst schon die Marke 17 überschritten. Glück gehabt. Der Abschleppwagen wartete zwar schon mit heruntergelassenem Haken. Doch wer noch kommt, bevor der Verschluss am Vehikel andockt, darf auch noch wegfahren.

Schon gegen halb fünf an diesem Nachmittag klingelte bei vielen das Telefon. „Hier ist die Stadtverwaltung“, meldete sich eine sonore Stimme. „Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie Ihr Auto entfernen müssen, ansonsten wird es abgeschleppt.“ Ein besonderer Service des Rathauses. Man wolle so vermeiden, dass abgeschleppt werde, hieß es. Daher die Anrufe also. Woher das Amt allerdings die Nummer hatte, blieb ein Geheimnis.

Ein paar erwischte es dann doch. Kein Telefon, kein Empfang, oder vielleicht ein später Mittagsschlaf. Denen war dann auch nicht mehr zu helfen. Schließlich standen die großen Schilder mit dem blauen Grund und den großen, roten Balken schon seit ein paar Tagen. Zeit genug also, sich darauf einzustellen. Weniger schön allerdings war, dass sich die Bewohner des Quartiers rund um Dewora-, Koch- und Sichelstraße mit allen Nicht-Trierern um einen Parkplatz streiten mussten. Etwa am Rindertanzplatz. Dabei wäre das Problem einfach in den Griff zu bekommen. Zur Rallye-Zeit dürften hier eben nur Bewohner parken. Trierer eben. Immerhin müssen sie mit den Einschränkungen leben – alle anderen aber nicht. Selbst guter Service ist also immer noch verbesserungsfähig.

Die Fahrer focht das nicht an. Sie gingen in den frühen Abendstunden auf die Piste. Geräuscharm drehten sie ihre Runden in den schmucklosen Elektroautos. Kurserfahrung nennt man so etwas. Der Motorradpolizist an der Einmündung zur Kochstraße langweilte sich sichtlich. Aber Dienst ist Dienst. Die Marshalls an der Stecke hielten Schwätzchen, der Obdachlose auf der Bank in der Nordallee redete mit sich selbst. Selbst dessen Gebrabbel war lauter als die Motoren der Pseudo-Rennwagen. Wären da nicht die Pfeifen der Streckenposten gewesen, man hätte sich irgendwo in der Eifel zwischen glücklichen Kühen und dampfenden Misthaufen wähnen können. „Is dat nit herrlich“, entfuhr es einer Dame, als sie in der Christophstraße entlang flanierte. „Keine Autos, wie früher so.“

Am Sonntag wird sich das ganz anders anfühlen. Dann heulen und dröhnen die Motoren zwischen Porta und Balduinsbrunnen. Die Luft wird geschwängert sein von verbranntem Benzin. Der Lärmpegel wird gigantisch sein. Keine Kühe, keine Misthaufen. Sébastien Loeb wird mit quietschenden Reifen und schrägstehendem Heck über das Kopfsteinpflaster der Kochstraße heizen – gejagt von allen anderen, die den Franzosen bezwingen wollen. Tausende werden jubeln, und ebenso viele werden sich in ihren Wohnungen verkriechen, die Fenster verbarrikadiert.

Was für die einen Weihnachten und Ostern, ist für die anderen der Alptraum. „Circus Maximus“ in Trier – es gibt kaum ein Entkommen. So oder so. (et)

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