US-Ankündigung zu Teilabzug stößt auf Kritik und Unverständnis

Tausende US-Soldaten sollen aus Deutschland abgezogen werden - auch aus der Eifel. In Rheinland-Pfalz stößt das auf Unverständnis. Die Gewerkschaft sieht nun auch die Landesregierung am Zug.

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Foto: dpa-Archiv

SPANGDAHLEM/MAINZ. Der Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, David Sirakov, hat die Abzugspläne von US-Soldaten aus der Eifel als schweren Schlag für die dortige Region bezeichnet. «Auch strategisch kann die Verlegung der F16-Staffel sowie weiterer Truppenteile nach Italien nicht überzeugen», sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Kernargument für diese Pläne sei die Stärkung der Nato-Ostflanke. «Eine solche Entscheidung würde diese Einheiten aber geografisch noch weiter von den östlichen Nato-Partnern Polen und den baltischen Staaten entfernen», meinte er.

Die Gewerkschaft Verdi sprach von einem Schock für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei den Stationierungsstreitkräften in Spangdahlem. Die Nachricht über den Truppenabzug habe zu großen Zukunftsängsten geführt. «Wir fordern die Politik in Rheinland-Pfalz auf, die Beschäftigten bei der Sicherung ihrer Arbeitsplätze zu unterstützen», sagte Gewerkschaftssekretärin Susanne Riedel einer Mitteilung zufolge.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte den geplanten Abzug von knapp 12 000 US-Soldaten aus Deutschland scharf. «Das ist erstmal eine persönliche Abrechnung eines Präsidenten. Das ist eine Kamikaze-Aktion», sagte die FDP-Politikerin im ZDF-«Morgenmagazin» mit Hinweis auf US-Präsident Donald Trump. Er wolle Deutschland treffen, treffe aber die Nato insgesamt. Deshalb schlage es auch zurück auf die Amerikaner.

Die US-Stationierungsorte in der Pfalz sind offenbar nicht von der Entscheidung betroffen. In Landstuhl betreiben die USA das größte Militärhospital außerhalb der Vereinigten Staaten. Derzeit entsteht ein Neubau für etwa eine Milliarde Euro. «Wenn Sie sich in dieser Region die Investitionen von vielen Millionen US-Dollar in die militärische Infrastruktur anschauen: In den Ländern, in die die Truppen jetzt zum Teil verlagert werden sollen, gibt es diese Infrastruktur ja überhaupt nicht», sagte Verbandsbürgermeister Peter Degenhardt (CDU). «Deshalb war meine Sorge eher klein. Von daher deckt sich das Ergebnis mit meinen Erwartungen.»

Der Bürgermeister von Ramstein-Miesenbach, Ralf Hechler (CDU), sagte, die Signale, dass die Air Base verschont bleibt, seien stark gewesen. Die US-Regierung habe in den vergangenen Jahren viel Geld in die wohl wichtigste Drehscheibe der US-Truppen in Europa investiert. Allerdings habe sich die Gemeinde seit 1997 ein Industriegebiet mit mittlerweile mehr als 2000 Arbeitsplätzen als weiteres wirtschaftliches Standbein geschaffen – zur Vorsicht. Betroffen sei Ramstein offenbar nur davon, dass rund 2500 US-Soldaten nicht wie früher vorgesehen aus Mildenhall (England) in die Pfalz verlagert werden. «Aber das hatten wir schon vermutet», sagte Hechler.

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