„Gut vorbereitet“ auf Hybrid-Wintersemester: Seminare im Wechsel und Online-Video

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Foto: Universität Trier

TRIER/MAINZ.Der flächendeckende Wechsel von der Präsenz- zur Online-Lehre an den Hochschulen ist in einem enormen Kraftakt geglückt. Darin sind sich Professoren und Wissenschaftsminister Wolf einig. Für das Wintersemester in Corona-Zeiten sehen sie sich daher gut gerüstet.

Lehrvideo und Blockseminar: Das Wintersemester an den Universitäten und Hochschulen in Rheinland-Pfalz wird als eine Mischung aus digitalen Angeboten und Präsenzveranstaltungen geplant. «Es wird noch kein normales Semester sein können, sondern so eine Art Übergangssemester», sagte Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) am Dienstag in Mainz. Ziel sei eine schrittweise Rückkehr auf den Campus, ergänzte die Präsidentin der Hochschule Mainz, Susanne Wiessman. Dabei müsse beachtet werden, dass Hochschulen und Universitäten ein Hotspot für Corona-Infektionen seien.

«Wir sind gut vorbereitet, das allmählich wieder aufzubauen und im Notfall auch wieder zurückzufahren», sagte Wiessman. Dabei könnten die Hochschulen auf die guten Erfahrungen mit digitalen Lehrformaten aus dem Sommersemester aufbauen. Präsenzveranstaltungen solle es vor allem für Erst- und Zweitsemester geben. Das Ankommen auf dem Campus sei ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Studium, sagte Wolf. Bei den Präsenzveranstaltungen würden aber auch Studierende in der Abschlussphase besonders berücksichtigt. «Die Zweitsemester trifft es jetzt zum zweiten Mal», sagte Wiessman. Im grauen Herbst könne die jetzt positive Stimmung kippen, wenn eine leichte Erschöpfung und die Erkenntnis kämen, dass die Welt nicht wieder wie vor Corona sei.

Im Sommersemester hätten die Hochschulen dank der großen Bereitschaft der Lehrenden in einem Kraftakt innerhalb kürzester Zeit 80 bis 100 Prozent der Lehrveranstaltungen digital angeboten, lobte Wolf. Ausnahmen habe es etwa in den Laboren sowie bei musikalischen, medizinischen, künstlerischen und sportpraktischen Angeboten gegeben.

Das digitale Angebot reiche von aufgezeichneten Vorlesungen über digitale Konferenzen bis zu Podcasts und Lernvideos, berichtete Wolf. Studenten konnten auch Arbeiten digital einstellen und mit Stiften 3-D-Modelle auf dem Bildschirm virtuell verändern. Prüfungen gab es sowohl virtuell in neuen Formaten als auch mit Abstand an Tischen in Sporthallen und Konzertsälen.

Es sei aber auch ein Rigorosum für eine Doktorarbeit virtuell möglich gewesen: Mit Gutachtern an zwei Standorten in Deutschland und einer Doktorandin in Südkorea, wie der Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz, Michael Jäckel berichtete. Virtuelle Absolventenfeiern seien auch organisiert worden.

«Die technischen Voraussetzungen und Formate waren schon vor dem Sommersemester vorhanden, aber nicht in der Breite», sagte Wolf. «Jetzt wird das ausgerollt.» Die Zahl der Nutzer des Learning Management Systems des Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz sei innerhalb weniger Wochen um 5000 auf fast 108 000 Nutzer landesweit gestiegen. Die Zahl der Videos auf dem Server habe sich auf mehr als 76 000 verfünffacht. Die Zahl der Nutzer mit neuen Profilen habe sich mit etwa 40 000 verdreifacht. Der benötigte Speicherplatz stieg um 90 auf rund 130 Terabyte.

Die Schwierigkeiten mit den Corona-Abstandsregeln beschrieb Jäckel aus Trier so: Ein wie ein Konzertsaal aufgebauter Hörsaal mit 500 Plätzen habe danach 74 verwertbare Plätze. Die Säle könnten auch nicht von 8 bis 20 Uhr genutzt werden, weil geputzt und viel gelüftet werden müsse.

Das neue Semester beginnt an der Hochschule Trier bereits am 28. September. Die Unis in Mainz, Trier und Koblenz-Landau folgen erst am 2. November. «Was in den nächsten Semestern wird, wissen wir noch nicht», sagte Wolf. Klar sei allerdings, dass es ganz neue Möglichkeiten geben werde, etwa an Vorlesungen in Universitäten im Ausland digital teilzunehmen. Zugleich sei auch künftig gemeinschaftliches soziales Lernen wichtig, sowie Auslandssemester und internationale Studierende in Rheinland-Pfalz.

Wie viele Studierende im digitalen Sommersemester ihr Studium unterbrochen oder aufgegeben haben, lasse sich noch nicht abschätzen, sagte Wolf. Erste Auswertungen der Prüfungen hätten leicht bessere Noten ergeben, sagte Jäckel. Viele seien froh, dass sie trotz Corona studieren könnten und ihnen seien zudem die Nebenverdienste weggebrochen, sagte VCRP-Geschäftsführer Konrad Faber.

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