Dehoga befürchtet Insolvenzen: Gästedaten-Nutzung schadet

Gastronomie und Hotellerie in Rheinland-Pfalz leiden in der Corona-Krise trotz der Lockerungen unter Besuchermangel. Der Dehoga befürchtet zahlreiche Insolvenzen.

0
Foto: dpa

MAINZ. Der Hotel- und Gaststättenverband in Rheinland-Pfalz fürchtet, dass im Corona-Jahr 2020 mehr als jeder fünfte Betrieb Insolvenz anmelden muss. «Wir sind in großer Sorgen, dass uns 20 bis 30 Prozent der Betriebe verloren gehen, vor allem Gaststätten», sagte Dehoga-Präsident Gereon Haumann am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

Die betriebswirtschaftliche Lage sei absolut prekär. Die Lage in Rheinland-Pfalz sei vollkommen anders als in den Alpen sowie an Ost- und Nordsee. «Die erhoffte Welle ist bislang ausgeblieben.» In drei Vierteln der Betriebe gebe es bis Ende August noch mehr als 50 Prozent der Kapazität. In allen zehn touristischen Regionen in allen Qualitäts- und Preisstufen seien noch Plätze zu haben.

«Die schwierigste Zeit kommt noch», sagte Haumann. Die saisonale Durststrecke sei von Oktober bis Dezember. Zudem laufe die Insolvenz-Antragsverlängerungsfrist Ende September aus. Dies könne dazu führen, dass viele Betriebe, die wirtschaftlich schon weggekippt seien, dann Insolvenz anmeldeten.

«Wir brauchen dringend mehr Nachfrage», sagte Haumann. Jede Infektionswelle – wie die Massen-Infektion vor wenigen Tagen auf einem Gemüsehof im bayerischen Mamming – wirke sich sofort negativ auf die Nachfrage aus.

Die Diskussion über die polizeiliche Nutzung von Gästedaten habe er auch deshalb nicht verstanden. «Dadurch haben wir noch weniger Zulauf», kritisierte Haumann. Wegen der Maskenpflicht und der Infektionsgefahr sei dieser eh schon deutlich geringer als im Vorjahr. «Die Diskussion ist schädlich für das zarte Pflänzchen Hoffnung in der Gastro.»

Forderung der Dehoga sei es, die erhobenen Daten wie versprochen nur zur Verfolgung möglicher Infektionsketten zu verwenden. Gastronomie und Hotellerie übernähmen mit der Erhebung dieser Daten ohnehin Aufgaben des Ordnungsamtes und seien dabei gegenüber dem Handel – ob Mode oder Lebensmittel – benachteiligt. «In der getränkegeprägten Gastronomie und in den Abendstunden ist das anstrengender», sagte Haumann, weil manche Gäste dann offensichtlich falsche Namen und Telefonnummern – etwa Micky Maus und 110 – angäben.

Der Datenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann hat gemahnt, dass es für den Zugriff der Polizei auf die zum Schutz vor Corona angelegten Gästelisten hohe Hürden geben sollte. «Wer im Biergarten sitzt, darf nicht später von der Polizei aufgrund des Eintrags in eine Corona-Gästeliste befragt werden, wenn es um die Aufklärung einer Ordnungswidrigkeit, einer kleineren Sachbeschädigung oder eines Falschparkens in der Nähe geht.» Wenn die Polizei die Gästelisten etwa bei Ermittlungen zu schweren Straftaten wie Mord oder Totschlag wirklich für ihre Arbeit brauche, dann biete ein richterlicher Beschluss Rechtssicherheit.

Bei Ermittlungen der Polizei in Rheinland-Pfalz sind in Einzelfällen auch Corona-Gästelisten von Restaurants genutzt worden, wie eine Sprecherin des Innenministeriums in Mainz Ende vergangener Woche gesagt hatte. Diese Daten würden nicht grundsätzlich zu Fahndungszwecken verwendet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.