Corona geht auch ans Wasser – Wie die Pandemie vieles beinflusst!

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MAINZ. Hitze, Homeoffice, Hände waschen und Heimaturlaub stellen die Wasserversorgung in Rheinland-Pfalz mancherorts vor Herausforderungen. Zwar zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur: Flüssiges wird nicht knapp. Allerdings hat sich offenbar manche Gewohnheit verändert. Der morgendliche Höhepunkt beim Wasserverbrauch habe sich von 5.30 Uhr oder 6.00 Uhr auf 7.00 Uhr verschoben, sagt etwa Eva Lindner von der Energieversorgung Mittelrhein AG in Koblenz. «Wir gehen davon aus, dass Schüler und Berufstätige, die im Homeoffice arbeiten, später duschen.»

Ähnliches berichtet Wolfgang Engler vom Zweckverband für Wasserversorgung (Pfälzische Mittelrheingruppe) in Schifferstadt. «Der morgendliche Peak hat sich ebenfalls um eine Stunde verschoben», sagt er. «Wir können einen gewissen Mehrverbrauch spüren. Dies lässt sich voraussichtlich auf unser Versorgungsgebiet mit vielen Auspendlern zurückführen.» Sprich: Statt im Büro in Ballungszentren wie Mainz oder Ludwigshafen arbeiten viele Menschen nun monatelang durchgehend an ihrem Wohnort. Das hebt dort den Wasserverbrauch.

Das bestätigt Melanie Brünner von den Stadtwerken in Frankenthal. «Durch das vermehrte Homeoffice ist der Wasserverbrauch leicht angestiegen.» Ein Mangel sei aber nicht zu befürchten. «Wenn all unsere Tiefbrunnen Wasser fördern, sollte es auch an mehreren aufeinander folgenden heißen Sommertagen zu keinen Engpässen kommen.»

Auch die Stadtwerke Kaiserslautern stellten einen Unterschied fest. «Der Verbrauch in typischen Industrie- und Gewerbegebieten ist deutlich gesunken», sagte Sprecher Hans-Peter Frey. «In klassischen Wohngebieten sind die Wasserverbräuche merklich angestiegen.»

In der zweitgrößten Stadt des Bundeslandes, in Ludwigshafen am Rhein, sind keine Auswirkungen bei der Trinkwasserversorgung auf Grund der besonderen Verhältnisse festzustellen. Eine differenzierte Betrachtung sei aber erst nach dem Ablesen der Zähler möglich, unterstreicht Iris von Kirschbaum von den Technischen Werken Ludwigshafen.

Und wie ist es in der Landeshauptstadt? «Die Urlaubszeit und der ein oder andere Regenschauer machen sich bemerkbar – der Wasserverbrauch ist nicht so hoch wie befürchtet», sagt Jens Grützner von den Mainzer Stadtwerken. Aktuell fördern die drei Wasserwerke der Stadt täglich rund 62 000 Kubikmeter Trinkwasser. «Damit liegen wir deutlich unter dem Rekordwert vom 26. Juni 2019 mit 88 500 Kubikmetern.»

Eva Lindner von der Energieversorgung Mittelrhein kann keinen extrem höheren Verbrauch allein durch vermehrtes Arbeiten im Homeoffice vermelden. «Im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren ist die Trinkwasserabgabe bisher sogar leicht rückläufig», sagt sie. Zwar steige der Verbrauch im Vergleich zu den Vormonaten ab März an. «Dies ist jedoch ein Effekt, der jedes Jahr in den wärmeren Monaten auftritt», betont Lindner. Die Gründe sind vor allem das Wässern von Gärten – und häufigeres Duschen: egal, zu welcher Uhrzeit.

Statistiken wiesen in den vergangenen Jahren rund 120 Liter Wasser pro Kopf und Jahr in Rheinland-Pfalz aus. Doch woher kommt es? In Mainz bereiten drei Werke unter anderem Rheinwasser auf. Ludwigshafen wiederum steht direkt über dem Oberrheingraben, einem der größten Grundwasserspeicher Deutschlands. Die Versorgung wird über zwei Wasserwerke sichergestellt, dazu wird das Wasser über Tiefbrunnen aus den mittleren und unteren Grundwasserschichten gefördert.

Die jüngsten Hitzejahre haben aber Spuren hinterlassen. «Die letzten beiden Sommer waren sehr trocken und zu warm. Dies führte auch in unserem Versorgungsgebiet zu sinkenden Grundwasserständen, während der Verbrauch in diesem Zeitraum gleich blieb», sagt etwa Hans-Peter Frey von den Stadtwerken Kaiserslautern. Durch die Niederschläge im Winter 2019/2020 habe sich die Lage allerdings etwas entspannt. «Auch dieses Jahr startete im Schnitt zu warm. Die Grundwasserstände sind aktuell aber immer noch etwas höher als im letzten Jahr», sagte er.

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