Finanzielle Bedrängnis: Studierendenwerke funken SOS

Mensen dicht, kaum Studenten auf dem Campus, Verträge für Wohnheimplätze werden gekündigt - den Studierendenwerken brechen an gleich an mehreren Stellen Umsätze weg. Sie fordern Hilfe vom Land.

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MAINZ. Die Corona-Krise hat die Studierenwerke in finanzielle Bedrängnis gebracht. Die Lehre an Unis und Fachhochschulen läuft größtenteils digital, ergo sind die allermeisten Mensen geschlossen. Zudem werden Verträge für Wohnheimplätze gekündigt.

Ein erster Schritt: Saisonkräfte in Mensen oder Cafeterien haben für das Sommersemester keine Verträge bekommen haben, wie Sprecher Thomas Kohn-Ade vom Studierendenwerk Mainz am Montag sagte. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.

Der Landessprecher der Studierendenwerke im Land, Andreas Schülke vom Studierendenwerk Vorderpfalz, sagte dem SWR, das sei nur der Anfang. Wenn sich die düsteren Prognosen der Hochschulen zu den Präsenzzahlen der Studierenden auf dem Campus für das Wintersemester bewahrheiteten, sei mittelfristig auch Stammpersonal von betriebsbedingten Kündigungen betroffen. Er sprach von rund 700 Beschäftigten bei den Werken im Land.

Ähnlich äußerte sich Kohn-Ade in Mainz. In den Mensen seien bis zu 95 Prozent der Umsätze weggebrochen. In Mainz sei derzeit nur eine Mensa offen, die Essen zum Mitnehmen anbiete. Sonst sei alles dicht. Da sei es wirtschaftlich schlicht nicht möglich, Saisonkräften Verträge zu geben. In Wohnheimen liefen derzeit noch Verträge für Plätze, aber zum Wintersemester könnte eine große Zahl gekündigt werden – etwa von ausländischen Studierenden, die gar nicht erst hätten anreisen können. Auch deutsche Studierende hätten signalisiert, kündigen zu wollen, wenn ihre Anwesenheit in Mainz nicht erforderlich sei. Beispielsweise seien deren Eltern in Kurzarbeit, Kosten müssten gesenkt werden. «Das sind Kaskaden von Problemen», sagte Kohn-Ade.

Nach seinen Angaben beläuft sich die Zahl der Saisonkräfte in den Werken im Land auf rund 200, in Mainz seien es mit 24 vergleichsweise wenig. Mit Blick auf die kommenden Monate sagte Kohn-Ade, ohne Unterstützung des Landes werde es nicht gehen. «Wir brauchen einen Rettungsschirm.»

Die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marion Schneid, verlangte von der Landesregierung einen «sozialverträglichen Corona-Hilfsplan» für Mitarbeiter der Studierendenwerke. Es brauche Gespräche zwischen Regierung, Werken, Gewerkschaften und Hochschulen. «Unsere Hochschulen, Universitäten, Studentinnen und Studenten brauchen gut aufgestellte Studierendenwerke auch nach der Corona-Krise – spätestens dann, wenn Hochschulen/Universitäten zum Regelbetrieb zurückkehren sollten.»

Der SWR zitierte den Personalratsvorsitzenden des Mainzer Studierendenwerks, Tomas Noll. Der verwies auch auf den sozialen Auftrag, den die Werke gerade für Bafög-Empfänger erfüllen müssten. Er kann sich vorstellen, Umsatzeinbußen zu minimieren, indem leerstehende Wohnheimzimmer auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt angeboten werden. «Wir hatten allein 500 Zimmer, die wegen den fehlenden Auslandsstudenten leer blieben.»

1 KOMMENTAR

  1. Pfandflaschen??
    Da erahnt man vielleicht,wie es einigen Rentnern ergeht,die bereits arbeiteten?
    Lernen,für das spätere Leben?

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