Rastlos auf der Suche – „burn it down“ im Kino angelaufen

0

TRIER. „Beduinen des Westens“ nennt sich eine Gruppe von jungen Trierer Filmemachern, die diese Woche ihren Spielfilm „burn it down“ im Broadway-Kino Trier zeigen. Die Mitglieder Kolja, Yvonne und Jonas sind alle Anfang 20 und arbeiten seit vier Jahren gemeinsam an unterschiedlichen Projekten. Der rund 50-minütige Streifen läuft noch bis zum 22. August. Vorstellung jeweils um 21.40 Uhr. Eine Betrachtung von lokalo-Kritiker Michael Rommelfanger

Von Kolja stammt auch der Name der Gruppe, benannt nach seinem Kurzfilm von 2008, der mit Handykameraästhetik den ersten Platz im Wettbewerb des Deutschen Jugendvideopreis gewann. Der Film behandelt die Bewegung, das Unterwegssein. Nicht zuletzt die Unmittelbarkeit, die durch die Bilder der Handykamera erzeugt wurden, haben die Jury des Wettbewerbs überzeugt: „Ein kurzer Film, der Lebensgefühl und Zeitgeist atmet“, so die Begründung der Jury in deren Laudatio. Und so bezeichnen sich die Filmemacher eben als Beduinen, die in Bewegung sind und nicht ständig am selben Ort, eben auf der Suche, auch nach einem filmischen Ausdruck.

Die jungen Filmemacher nennen das „Flackerfilm“. Eine offene Bezeichnung für ihre Filme, die bewusst nicht klar und sauber sind und das auch gar nicht sein wollen. Der Zuschauer muss sich darauf einlassen, eine gewisse Distanz in Kauf nehmen und sich selber ein Bild machen – eben auch eine Suche, diesmal im Kopf des Zuschauers.

Um das Unterwegssein geht es auch im Film „burn it down“. Behandelt wird die Geschichte von Aurelie, die von ihrem Freund nicht rechtzeitig vom Flughafen abgeholt wird und sich daraufhin auf ein Abenteuer mit der depressiven Kati und der impulsiven Ruby einlässt. Die drei erkunden die Stadt in der Nacht, und Aurelie lernt ein Leben fern von ihrer ordentlichen und perfekten Welt kennen. Die Handlung bildet allerdings nur den Ausgangspunkt für mehr. Es geht um das Abstreifen von alten Strukturen, das Kennenlernen von neuen Menschen, von dem Einlassen auf Neues und eben auch das Niederbrennen von Altem. Veränderung also, den Weg bestreiten ohne zu wissen, wohin er führt.

Gedreht wurde mit vergleichsweise einfach Mitteln, finanziert wurde aus eigener Tasche. Das trug zur Optik des Flackerfilms bei, war aber auch eine ideelle Entscheidung. Die fehlenden Mittel wurden durch Erfindergeist und Kreativität ausgeglichen. Demnach wird auch die Produktion auf bestimmte Art zu einer Reise und einer Suche, bei der nicht der perfekt durchgeplante Film zustande kommen soll, sondern die Atmosphäre wichtig ist. Für das nächste Projekt plant das Team eine Finanzierung durch Crowdfunding, also die finanzielle Hilfe durch Interessenten, Förderer und Fans, privat wie gewerblich.

Die Inspiration für den Spielfilm kommt laut Kolja hauptsächlich durch Eindrücke und Erfahrungen einer Reise durch Bolivien: „Die Reisebegegnungen dort haben mich inspiriert. Kaum etwas aus dem Film ist rein fiktional, eigentlich hat alles seinen Ursprung in Begegnungen, die ich auf Reisen gemacht habe.“ Dazu flossen spontane, ungeplante Entwicklungen in die Produktion mit ein, die das etwa 15-köpfige Team, bestehend aus Freunden aus Theater, Bands, Musical und Schule, im Film verarbeitet haben. Gedreht wurde in Luxemburg und in Trier.

„burn it down“ ist der Versuch, konventionelle Filmstrukturen aufzubrechen. Insbesondere aus diesem Grund ist es wichtig, dass dieser Film im Kino gezeigt wird, denn auch wenn mit aufwendig produzierten Blockbustern wie „Prometheus“ und „The Dark Knight Rises“ die Konkurrenz groß ist: Für die Macher wie für die Zuschauer ist es ferner wichtig, solch einen Film auf großer Leinwand zu sehen.

Durch die einfachere und kostengünstigere Zugänglichkeit von Produktionsmitteln können heute eben auch solche Filme entstehen, die durch Ideen und Leidenschaft statt durch technische Perfektion überzeugen wollen. Denn „uns geht es um Atmosphäre – und die wird auch durch Spontanität und Flexibilität erzeugt, durch das Dabeisein. Einfach draufhalten und gucken, was passiert. Aufnehmen, was gerade da ist. So entstehen schöne Szenen, die man nie planen kann.“ (Kolja). Ob das funktioniert hat, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden.

„burn it down“ feierte am Donnerstag, 16. August, Premiere in Anwesenheit des Filmteams und der Schauspieler. Abgerundet wurde der Abend durch ein musikalisches Rahmenpogramm. Weitere Vorstellungen finden in der Kinowoche vom 17. bis 22. August, jeweils um 21.40 Uhr statt. Der Eintritt beträgt fünf Euro beziehungsweise ermäßigt vier Euro.

Weitere Infos zu den „Beduinen des Westens“ gibt es auf ihrer Homepage www.beduinendeswestens.de und auf Facebook: facebook.com/beduinendeswestens (mr)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.