Knallharte Bistums-Statistik! Immer mehr Menschen wenden sich von der Kirche ab

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Bischof Stephan Ackermann. Foto: Arne Dedert/ dpa-Archiv

TRIER. „Die aktuellen Zahlen zum kirchlichen Leben in Deutschland und unserem Bistum sind nicht schön zu reden. Sie machen für mich nur noch eindrücklicher deutlich, wie dringend wir Veränderungen brauchen und mutige Schritte wagen müssen.“ So kommentiert Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Generalvikar des Bistums Trier, die am 26. Juni deutschlandweit veröffentlichte kirchliche Statistik.

„Der seit vielen Jahren anhaltende Trend zurückgehender Katholikenzahlen und steigender Austrittszahlen zeigt uns schmerzlich, dass wir viele Menschen nicht mehr in ihren konkreten Lebenssituationen mit unseren Angeboten erreichen. Und wir geben offenbar bislang keine wirklich überzeugenden Antworten. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass wir immer noch ein vielfältiges Spektrum kirchlichen Lebens in unserem Bistum haben, nicht zuletzt einen Schatz an rund 80.000 ehrenamtlich Engagierten.“

1,3 Millionen Katholikinnen und Katholiken leben im Bistumsgebiet

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 lebten 1.310.600 Katholikinnen und Katholiken auf dem Gebiet des Bistums Trier (2018: 1.337.800); das sind 53,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Damit hat die Zahl um 27.200 (rund 2 %) abgenommen. Es sank 2019 sowohl die Zahl der Taufen (davon 138 Erwachsene) auf 8.733, (2018: 9.057), als auch die der Erstkommunionen auf 9.279 (2018: 9.642). Zudem wurden rund 22 Prozent weniger Jugendliche gefirmt als noch 2018; die Zahl sank auf 6.122 (2018: 7.857). Die Zahl der kirchlichen Trauungen war mit 1.993 so niedrig wie nie zuvor (2018: 2.285). Katholisch bestattet wurden 16.594 Personen – auch diese Zahl liegt unter der von 2018 (17.418). Ausgetreten sind 13.850 Katholiken (2018: 10.096); es gab 273 Wiederaufnahmen (2018: 317) und 78 Eintritte von Menschen anderer christlicher Konfessionen (2018: 84). Die Teilnehmerzahl an Gottesdiensten ging ebenfalls um fast 4.000 zurück und liegt damit wie 2018 noch bei rund 7 Prozent. Die durchschnittliche Besucherzahl der Sonntagsgottesdienste lag bei 96.

Dem einzelnen Menschen, seinen Bedürfnissen und Themen zuwenden

Angesichts dieser Zahlen sei es umso wichtiger, den mit der Synode beschrittenen Weg weiterzugehen. Auch wenn das Gesetz zur Umsetzung der Synode nach den Gesprächen in Rom noch einmal überarbeitet werden müsse, bleibe die Richtung vorgezeichnet; und dazu gehörten neben strukturelle und organisatorische Veränderungen vor allem neue pastorale Konzepte, so von Plettenberg. „Mit einer diakonischen Kirchenentwicklung haben wir eine klare Zukunftsvision und Haltung für die Kirche im Bistum: Wir wollen uns noch stärker dem einzelnen Menschen und seinen Bedürfnissen und seinen Themen zuwenden. Wenn uns das gelingt, können wir als Kirche wieder glaubwürdig sein.“ Denn die Botschaft des Evangeliums sei angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen aktueller denn je; und sie sei im wahrsten Sinne des Wortes „katholisch“ eben „allumfassend“: „Wir wollen für die da sein, die schwach, krank, alt, oder sozial benachteiligt sind. Und wir sind an den Menschen interessiert, die sich auf der Suche nach Sinn und Werten an uns wenden. Oder die uns vielleicht auch nur bei ganz bestimmten Lebensereignissen brauchen“, sagt der Generalvikar. Er erinnert an die Angebote im Bereich der Glaubensvermittlung, der Katechese, oder an die vielen gottesdienstlichen Angebote; „daran, dass wir bei Lebenswenden wie der Geburt eines Kindes, der Taufe, der Firmung, Hochzeiten und im Todesfall da sind und Beistand und Unterstützung anzubieten haben“. Tagtäglich begleiteten Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen in ihren guten und schweren Lebensphasen. „Und wir stehen für vielfältige caritative Dienste, für unser Engagement in Kitas und Schulen, für den Einsatz unzähliger Ehrenamtlicher in Pfarreien und kirchlichen Verbänden für Geflüchtete, für Umwelt- und Klimaschutz oder für soziale Gerechtigkeit.“

Das Bistum Trier hat eine Gesamtfläche von 12.870 Quadratkilometer, gegliedert in derzeit noch 887 Pfarreien, die zu 172 Pfarreiengemeinschaften in 32 Dekanaten zusammengefasst sind. Es gibt insgesamt 527 Bistumspriester – davon 294 im aktiven Dienst und 233 im Ruhestand (Stand: 1. Januar 2020). Im Bistum arbeiten ebenfalls 92 Ordenspriester, 58 Priester aus anderen Diözesen, 37 Diakone im Hauptberuf und 95 Diakone mit Zivilberuf, 220 Pastoralreferentinnen und -referenten sowie 254 Gemeindereferentinnen und -referenten. Rund 80.000 Menschen sind ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Bereichen tätig. Informationen rund um das Bistum sind unter www.bistum-trier.de zu finden.

7 KOMMENTARE

  1. Ich bin für eine Verfassungsreform durch die Deutschland zum laizistischen Staat wird.
    Ansonsten ist mir egal was aus religiösen Vereinen wird, gleich welcher Glaubensrichtung.
    Der Mensch hat die Religionen erschaffen und der Mensch wird sie wieder abschaffen.
    Je schneller desto besser.

  2. Der Rückgang an Gläubigen im Bistum Trier in den letzten Jahren ist m. E. ausschließlich dem Wirken von Herrn Ackermann sowie Herrn Plettenberg zum einen in der Causa Missbrauchsfällen aufgrund Ihrer „Hinhaltetaktik“ und, so mein Eindruck, der „Verschleierungstaktik“ geschuldet , zum anderen der „strukturellen Pastoralgebietsreform“, die zum Glück von Rom abgeschmettert wurde.
    Jedoch scheinen die beiden Herren in Trier nach wie vor mit allen Mitteln ihre Vorstellungen durchsetzen zu wollen. Wie sagt Herr Plettenberg in seiner Ausführung:“die Richtung bleibe vorgezeichnet „! Hier sollte man Obacht geben, die Herren haben noch nicht aufgegeben.
    Über die weiteren „heiligen Worte“ soll jeder für sich sein Urteil fällen, ich halte sie für nicht ehrlich, dass man erpicht ist, sich „noch stärker dem einzelnen Menschen und seinen Bedürfnissen und seinen Themen“ zuwenden zu wollen.

    • Lieber jeher,
      mit ihrer Einschätzung liegen Sie leider daneben. Ich gehöre zu den Personen, die im vergangenen Jahr im Bistum Trier aus der Kirche ausgetreten sind. Meine Beweggründe waren aber ganz andere. Der Anspruch den ausschließlichen Grund zu kennen (zumal der Monstersatz eine Sammlung von Gründen darstellt), ist extrem überheblich.

  3. Solange man Angst um das Wohlergehen von Kindern im Bannkreis von Priestern haben muss, werden immer mehr Menschen es vermeiden, etwas mit der katholischen Kirche zu tun zu haben. Die niedrigen Löhne, die schon lange mit der Inflation nicht mehr Schritt halten, tun Ihr übriges. Wer will sich da die Kirchensteuer noch leisten, wenn er sowieso keinen Draht zur Kirche hat?

  4. Zunächst machen sich mal alle Eltern schuldig wenn sie ihr Kind ungefragt, in voller Hilflosigkeit taufen lassen anstatt zu warten, bis ein Jugendlicher selbst entscheidet, welche Religion er haben möchte oder vielleicht keine Religion. Das ist natürlich im Sinne der Kirche denn oft verbleibt der Mensch, auch ohne Glauben, in diesem Verein. Ich wollte es so bei meinen Kindern, konnte mich aber gegen meine damalige Frau nicht durchsetzen.

  5. Ich halte es für eine dreiste Verblödung der Menschen in Deutschland, dass sie Kirchensteuer zahlen müssen, um Kirchenmitglied zu sein: In allen (!) anderen Ländern ist die Kirchenmitgliedschaft unabhängig von der Kirchensteuer. In Luxemburg, Frankreich oder sonstwo kann ich Mitglied der katholischen Kirche sein und zahle keine Kirchensteuer. Warum ist die Mitgliedschaft nur bei uns Deutschen an das zahlen der Kirchensteuer geknüpft? Ich dachte, die katholische Kirche ist (wie der Begriff „kathaolos“ sagt, „allumfassend“ sowie gleich und einheitlich, weltweit.

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