Immaterielles Kulturerbe – Rheinischer Karneval

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Symbolbild // pixabay

TRIER. Der Rheinische Karneval steht für verschiedene regionale Unterarten des Karnevals im Rheinland. Der Rheinische Karneval wurde mit all seinen lokalen Varianten am 16. März 2015 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Immaterielles Kulturerbe – Was ist das?
Als immaterielles Kulturerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stets neu geschaffen und verändert werden. Hierbei endet der Begriff Kulturerbe nicht bei Baudenkmälern oder Kulturgut-Sammlungen. Es umfasst Traditionen und lebendige kulturelle Ausdrucksformen. International ist mit besonderer Verantwortung die UNESCO zum Schutz des immateriellen Kulturerbes tätig geworden. 2003 verabschiedete sie das “Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes”. Bis Mai 2018 sind 178 Staaten dem Übereinkommen beigetreten. Der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland erfolgte am 10. Juli 2013. Das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes zählt derzeit 88 Einträge. In Deutschland befassen sich die UNESCO-Kommission und einige Universitäten wissenschaftlich mit der Thematik (z.B. der Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn). Der Rheinische Karneval wurde als eine der ersten Traditionen und Wissensformen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zur Karnevalszeit bestimmt der Karneval das Leben der Menschen im Rheinland durch und durch. Pünktlich zum 11.11. wird so auch in der Wirtschaft die närrische Jahreszeit eingeläutet. In den Supermärkten werden Karnevals-Outfits in den verschiedensten Variationen angeboten. Die Gaststätten füllen ihre Kühlräume mit Bierfässern. Online Shops starten gezielte Karnevals-Rabattaktionen. Die Unterhaltungsbranche nimmt sich des Themas an. So bieten z. B. Casinos zu Karneval einen speziellen Online Casino Bonus an, Künstler veröffentlichen neue Karnevalslieder und den 1. FC Köln kennt plötzlich jeder. In dieser Zeit geht es in den Karnevalshochburgen hoch her. Trier ist eine dieser Hochburgen.

Rheinischer Karneval – Trierer Karneval
Der Rheinische Karneval reicht bis Anfang des 13. Jahrhunderts zurück. Er steht als Schwellenfest unmittelbar vor der Fastenzeit im christlichen Jahresverlauf. Das gemeinschaftliche Verzehren von vor allem verderblichen Lebensmitteln vor der Fastenzeit ist die Grundlage für den Karneval wie er in vielen Teilen Deutschlands gefeiert wird. Ausgehend von Köln entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts eine bürgerliche Form des Karnevals. Wichtige Elemente des Rheinischen Karnevals sind unter anderem die Umzüge, Karnevalsgesellschaften, Prunksitzungen mit oft politischen Büttenreden, Maskenbälle und Karnevalslieder. Eine lokale Variante des Rheinischen Karnevals findet man in Trier. Trier zählt zu den großen Hochburgen des Rheinischen Karnevals. Mit der Weiberfastnachtsparty auf dem Hauptmarkt am Weiberdonnerstag beginnt der Straßenkarneval. Die ersten Umzüge finden in den meisten Stadtteilen am Tulpensonntag statt. Der Höhepunkt im Trierer Karneval wird am Rosenmontag erreicht. Ab 12:11 Uhr fahren die Narren mit meist mehr als 100 Tanzgruppen und Wagen durch die Trierer Altstadt. Eine Besonderheit stellt dabei der Schärensprung im Stadtteil Biewer dar, wobei die Narren durch die Straßen springen. Die Herkunft dieser Veranstaltung ist unerforscht. Vermutet wird jedoch ein keltischer Ursprung. Auf den Umzügen in Trier und der Region wird meistens das für die Mainzer Fastnacht typische „Helau“ gerufen. Ausnahmen sind z.B. Kell am See, wo man häufig das Kölner „Alaaf“ hört oder Greimerath, wo „Allez-Hopp“ gerufen wird, sowie Hentern, wo es „Hua“ heißt. Trier-Zewen begeht die Karnevalszeit traditionell mit dem Ruf „Helei“, die KG Heuschreck ruft das eigentlich klassische Trierer „Halaudi“. Wer den rheinischen Karneval bisher belächelt hat, der betrachtet ihn vor dem Hintergrund des immateriellen Kulturerbes in Zukunft vielleicht anders.

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