Rheinland-Pfalz: 101-jährige Lisel Heise – Krise ist Chance für Humanismus

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Die 100-jährige Lisel Heise. Foto: Uwe Anspach/Archivbild

PFALZ. Lisel Heise aus dem pfälzischen Kirchheimbolanden, mit 101 Jahren wohl Deutschlands ältestes Stadtratsmitglied, sieht die Corona-Krise auch als Chance. «Es ist humanistisch gesehen vielleicht gar nicht so ungeschickt, wenn der Mensch einmal mit der Nase darauf gestoßen wird, was eigentlich wertvoll ist für ein schönes Dasein», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Viele Menschen würden erst in schwierigeren Zeiten erkennen, dass Luxus allein nicht glücklich mache. «Ganz im Gegenteil – der macht ja oft unzufrieden», meinte die ehemalige Lehrerin.

Sie selbst habe die Corona-Krise bisher gut überstanden. «Es ist mir nicht sehr schwer gefallen, es gibt ja zum Beispiel Telefon.» Sie gehöre zu einer Generation, die in bitteren Weltkriegs- und Nachkriegsjahren habe lernen müssen, sich einzuschränken. «Die Corona-Krise ist dagegen Peanuts. Die Situation ist christlicher als damals. Jetzt ist es zu verkraften, ohne dass die Seele kaputtgeht.»

Ihr sei aber bewusst, dass die Lage für viele Menschen schwierig sei, sagte Heise. «Es kommt immer auch auf die Bedürfnisse an. Der eine gibt sich mit bescheidenen Dingen zufrieden, der andere greift immer in die Vollen. Für den ist es schwer, mal die Bremse anzuziehen.»

Lisel Heise sitzt seit Juni 2019 im Stadtrat ihres Heimatorts Kirchheimbolanden. Die Nachricht vom Wahlerfolg der älteren Dame mit den weißen Haaren ging um die Welt. Heise hatte für die Initiative «Wir für Kibo» kandidiert. Kibo steht für Kirchheimbolanden, einen Ort mit knapp 8000 Einwohnern im Donnersbergkreis. Grund für ihr Engagement ist ihr Ärger über die Schließung des geliebten Freibads.

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