Bitburger: Der ganz große Druck ist weg

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TRIER. Von Montag an fließt er wieder, der Verkehr auf der „Bitburger“. Die Vollsperrung einer der Hauptschlagadern von und nach Trier wird aufgehoben – zwei Fahrspuren stehen dann wieder zur Verfügung. Damit hat das federführende städtische Tiefbauamt etwas geschafft, was in der Baubranche Seltenheitswert besitzt: Der vorgegebene Termin wurde eingehalten – allen Widrigkeiten zum Trotz. Entsprechend aufgeräumt gaben sich die Verantwortlichen beim letzten Ortstermin am Freitag auf der Napoleonsbrücke vor der Presse.

Es waren harte Wochen für die beiden Bauleiter Eric Wolff und Mario Spang. Nicht weniger für Ernst Scherer, den Polier der Firma Köhler. Und auch für den Chef und die Chefin. Amtsleiter Wolfgang van Bellen und Dezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) strahlten am frühen Freitagmorgen mit der August-Sonne um die Wette. Zufriedene Gesichter allenthalben.

Der öffentlichen Druck war immens hoch: über die Medien, von der Trierer Geschäftswelt, von jenen Kritikern, die grundsätzlich Zweifel am Sinn des Großprojektes hegten. Die können auch mit der Punktlandung bei Sanierung und Erweiterung der „Bitburger“ nicht ausgeräumt werden. Die politische Bewertung ist aber nicht Sache jener Männer und Frauen, die in den letzten Wochen zwischen Kaiser-Wilhelm-Brücke und Fachhochschule praktisch rund um die Uhr am ackern waren. „Wir haben unsere Arbeit gemacht“, sagte Bauleiter Wolff demnach auch. „Alles andere ist nicht unser Bier.“

So nimmt es kaum Wunder, dass die Dezernentin höchstselbst jede Woche zum „Jour Fixe“ bat. Die Journalisten wurden donnerstags, spätestens aber freitags über den Stand der Dinge informiert – ausführlich und umfangreich. Die Presse als Vehikel zur Aufklärung der Öffentlichkeit – und auch zu deren Beruhigung. Kaes-Torchiani wusste um die Sensibilität des Themas. Und, dass die Trierer ein aufbrausendes und unangenehmes Völkchen werden können, wenn ihnen etwas massiv gegen den Strich geht. Wie etwa bei der Sanierung der Ehranger Brücke, für die der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zuständig war: Bauarbeiter wurden beschimpft, und beim LBM standen die Telefone nicht mehr still, als sich die Maßnahme unverhältnismäßig in die Länge zog.

Kaes-Torchiani, deren Kritiker ihr nachsagen, sie bewege sich allzu oft durch heikle Themen wie der sprichwörtliche Elefant durch den Porzellanladen, zeigte sich während der letzten Wochen beim Großprojekt von ihrer Schokoladenseite. Ungewohnt auskunftsfreudig war die Unions-Christin, aufgeräumt und selbst für kritische Fragen zugänglich. Die Politikerin Kaes-Torchiani hatte die Baudezernentin Kaes-Torchiani dezent in der Hintergrund gedrängt. Schließlich wäre ein Fehlschlag auf der „Bitburger“, ihrem Prestige-Objekt, nicht gerade förderlich für eine mögliche Wiederwahl.

Verlassen aber musste sie sich dabei auf ihre Fachleute – allen voran Tiefbauamtschef Wolfgang van Bellen und die beiden Bauleiter Eric Wolff und Mario Spang. Das Lob der Chefin fiel entsprechend aus. „Ich kann mich bei meinen Fachleuten nur für die erstklassige Arbeit bedanken“, sagte die Dezernentin in deren Richtung. Spang, Wolff und van Bellen nickten schweigend. Letzterer gab den Dank umgehend weiter: „Alle haben hier enorm viel geleistet.“

Immerhin lastete nicht nur der Druck des frühen Termins zur Wiederöffnung (13. August) auf allen Beteiligten. Immer wieder musste improvisiert werden, wie etwa noch jüngst mit dem Wasserrohrbruch auf Höhe der Kaiser-Wilhelm-Brücke. Baustellentourismus, Vandalismus und nicht zuletzt das extrem schlechte Wetter im Juni und Juli trugen ein Übriges dazu bei, die Arbeitsumstände am Großprojekt nicht gerade zu verbessern. „Aber wir haben die Probleme alle ziemlich schnell in den Griff bekommen“, sagte van Bellen, „weil die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert hat.“

Wenn die „Bitburger“ am Montag von sechs Uhr an wieder auf einer Berg- und einer Talspur befahrbar sein wird, ist die Vollsperrung zwar aufgehoben. Abgeschlossen ist das Großprojekt damit aber noch keineswegs. Die allerletzte Asphaltschicht muss noch aufgetragen, die Markierungen verlegt werden. Dazwischen werden Rad- und Fußwege wie der Trampelpfad zur Fachhochschule fertig gestellt. Kaes-Torchiani versicherte dem am Freitagmorgen ebenfalls anwesenden Gerd Guillaume von der Trierer City-Initiative (CIT) aber, „dass alle Bauarbeiten bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäftes abgeschlossen sind“.

Auch wenn Bauleiter Wolff und sein Chef van Bellen kurz zuckten („Man weiß nie, was passiert.“), Guillaume zeigte sich zufrieden. Die Trierer Geschäftswelt habe ja „riesengroße Bedenken“ gehabt, sagte das Vorstandsmitglied der CIT. „Aber jetzt müssen wir das doch revidieren.“ Der Ausbau der „Bitburger“ könne die Attraktivität der Einkaufstadt Trier steigern – durch die dann bessere Erreichbarkeit.

Was des einen Freud‘, ist des anderen Leid. Für die Anlieger der „Kleinen Bitburger“ hatte die Dezernentin keine befriedigenden Nachrichten im Gepäck. Sie dürfen künftig nicht mehr mehr nach links in Richtung Bitburg abbiegen, sondern müssen den Umweg über die Stadt nehmen. „Und daran wird sich auch nichts mehr ändern“, sagte Kaes-Torchiani. Man habe sich klar für das Interesse der großen Mehrheit und gegen das der Minderheit entschieden. „Ohne eine Ampelanlage wäre es zu gefährlich, zum Linksabbiegen zwei Spuren zu kreuzen. Und eine Ampelanlage kommt an dieser Stelle nicht in Frage, weil wir den Verkehrsfluss nicht künstlich aufhalten wollen“, betonte die Beigeordnete.

Umgeschaltet wird von Montag an übrigens auch die Ampelanlage an der Kaiser-Wilhelm-Brücke – zurück in den ursprünglichen Zustand. Soll heißen: Die Grünphase für Linksabbieger auf der Brücke wird wieder verkürzt. Ob es ein Tempolimit von 30 Kilometern im gesamten Baustellenabschnitt geben wird, stand laut van Bellen am Freitag noch nicht fest. „Das ist möglich, aber nicht sicher“, sagte der Amtsleiter. (et)

ZUM KOMMENTAR von Eric Thielen

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