«Die Kleinen brauchen uns»: Schulstart an der Grundschule

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Frank Rumpenhorst/ dpa-Archiv

Viel Freude, aber Umarmungen dürfen nicht sein – mehr als 100 000 Kinder und Jugendliche gehen nach langer Pause wieder in die Schule. Unterrichtet wird abwechselnd im Klassenraum und digital daheim.

Für 34 000 Kinder der vierten Grundschulklassen in Rheinland-Pfalz hat am Montag nach sieben Wochen Corona-Pause der Schulalltag wieder begonnen – allerdings unter besonderen Bedingungen. «Die Kinder waren extrem diszipliniert», sagte die Leiterin der Goethe-Grundschule in Mainz, Gabriele Erlenwein. Die sonst herrschende Lebendigkeit und das ausgelassene Treiben hätten gefehlt.

Zu Beginn des Unterrichts erhielten die Schülerinnen und Schüler vom Land eine wiederverwendbare Mund-Nasen-Maske. An der Grundschule in Mainz-Laubenheim verteilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) Masken an Viertklässler. An Busfahrer von Schulbussen verteilte das Land außerdem 150 000 Einweg-Masken für Schülerinnen und Schüler für den Fall, dass jemand keine Maske dabei hat.

An der Goethe-Grundschule kamen alle Kinder mit Masken an, erhielten dann zusätzlich die vom Land bereitgestellte Maske. «Sie haben die Maske auf dem Hof getragen und wurden dann in ihre Klasse geführt, mit fest zugewiesenen Plätzen», sagte Schulleiterin Erlenwein. «Wir haben die Klassen halbiert, so das in jeder Klasse maximal zehn Kinder sind.» Von den Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen kamen aber nicht alle – Kinder mit Risiko-Erkrankungen in der Familie blieben daheim.

«Die vorrangige Gefühlslage war die Freude der Kinder gewesen», sagte die Rektorin der Grundschule in Mainz-Laubenheim, Marion Jendralski, «die Freude, sich wiederzusehen und die Lehrerin, auch die Freude, den vertrauten Klassenraum wieder zu haben». In der Pause sei das Bedürfnis nach Nähe groß gewesen. Da hätten die Lehrkräfte auch mal eingreifen müssen, um eine Umarmung zu verhindern – so bitter dies auch sei. «Aber die Kinder erinnern sich auch selbst gegenseitig daran», sagte Jendralski. Auf Initiative des Hausmeisters wurde eine mobile Waschanlage auf dem Schulhof eingerichtet – «das Händewaschen nach dem Ankommen ist dann wie eine Zäsur».

An vielen Grundschulen findet der Wechsel zwischen Präsenzunterricht und «Home Schooling» täglich statt. So sehen die Lehrkräfte die Kinder in kürzeren Abständen, können sie besser auf das digitale Lernmaterial vorbereiten und ihnen danach ein direktes Feedback geben.

Auch für nahezu 100 000 Jugendliche in höheren Klassen der weiterführenden Schulen begann am Montag wieder der Unterricht im Klassenraum – mit genauen Vorgaben für den Infektionsschutz im landesweiten Hygieneplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs. In einem Klassenraum werden maximal 15 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, so dass in jedem Fall ein Abstand von mindestens 1,50 Metern eingehalten werden kann. Vorgesehen ist ein Wechsel von digitalem Unterricht daheim und Präsenzunterricht in der Schule.

In Rheinland-Pfalz begann bereits am 27.4. der Präsenzunterricht für 35 000 Schülerinnen und Schüler in Prüfungsklassen der Berufsbildenden Schulen sowie an Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit (G8). Insgesamt gehen nun mit Beginn dieser Woche etwa 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz wieder zur Schule.

Die Schulen warten nun gespannt auf weitere Schritte der behutsamen Schulöffnung. Sie erhoffe sich dazu einen Rahmen von der Bund-Länder-Abstimmung an diesem Mittwoch, sagte Schulleiterin Jendralski. «Die Kleinen brauchen uns noch viel mehr.»

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