In JVA Wittlich wird so viel telefoniert wie nie

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Harald Tittel/ dpa-Archiv

WITTLICH. Wegen des Besuchsverbots in der Corona-Krise wird in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich derzeit mehr denn je telefoniert. Als erste, bisher einzige Haftanstalt in Rheinland-Pfalz hat die JVA Wittlich vor knapp eineinhalb Jahren jede Haft-Zelle mit Telefon ausgestattet: «Das ist für uns jetzt natürlich ein Jackpot. Die Telefone werden heftig genutzt», sagte der Leiter der JVA Wittlich, Jörn Patzak, der Deutschen Presse-Agentur. Keine Besuche bekommen zu dürfen – das sei für die knapp 500 Häftlinge in der größten JVA des Landes Rheinland-Pfalz «das Schlimmste».

Auch ein Skype-Platz sei im Besuchsraum eingerichtet worden, «damit Väter ihre Kinder auch mal sehen können», sagt Patzak. Dieses Angebot werde zwar in Anspruch genommen, sei aber «nicht so überlaufen», weil es eben die Telefone gebe. Zum Skypen müsse man sich anmelden. Beim Telefon könne man einfach den Hörer abnehmen und zwischen 7.30 Uhr und 22.30 Uhr auf eigene Kosten vorher freigeschaltete Nummern anrufen und mit Frau und Kindern reden. Angerufen werden können Gefangene aber nicht.

Die sogenannte Haftraum-Telefonie solle auch in anderen Gefängnissen im Land kommen, teilte das Justizministerium auf Anfrage in Mainz mit. Dazu müssten aber die technischen Voraussetzungen, vor allem bei der Verkabelung vorliegen. Sanierungs- und Baumaßnahmen seien zur Umsetzung erforderlich, deren Planung zurzeit noch nicht in Angriff genommen werden könne.

Ansonsten gebe es derzeit in den meisten Einrichtungen «Skype-Besuchsplätze» als Ausgleich für ausgesetzte Besuche, sagte der Ministeriumssprecher. Diese würden von den Gefangenen «sehr rege wahrgenommen». Zudem sei die Möglichkeit, über Abteilungstelefone zu telefonieren, in den JVAs ausgeweitet worden.

In Rheinland-Pfalz hat es laut Justizministerium bei den Gefangenen bislang keinen Corona-Fall gegeben. Lediglich vier Bedienstete im Justizvollzug in Schifferstadt (2), Rohrbach (1) und Wittlich (1) hätten eine Infektion gehabt, seien aber bereits wieder genesen.

Die Zahl der Häftlinge im geschlossenen und offenen Vollzug belaufe sich derzeit landesweit auf knapp 2900 – das seien 200 bis 300 weniger als vor Beginn der Corona-Krise. Die Zahl sei reduziert worden, vor allem, indem Ersatzfreiheitsstrafen aufgeschoben oder unterbrochen wurden. So habe man Platz geschaffen.

In Wittlich müssten neue Häftlinge drei Wochen lang in Quarantäne, bevor sie in das normale Hafthaus kämen, sagte Patzak. Überall, wo es Außenkontakte durch Bedienstete oder Zulieferer gebe, gelten strenge Hygienevorschriften. Die Gefangenen dürften weiter auf den Hof, Sport machen und in den Betrieben wie Schreinerei oder Schlosserei auf dem Haftgelände arbeiten.

Die Abläufe seien insgesamt ein wenig reduzierter, unter anderem fielen Angebote von ehrenamtlichen Vollzugshelfern weg. Im Großen und Ganzen laufe aber alles ganz gut weiter. «Die Disziplin und die Akzeptanz bei den Gefangenen ist immens», lobte Patzak. Man merke aber auch, dass der Druck steige, je länger es dauere. «Corona geht an den Gefangenen nicht spurlos vorbei.» Auch die Unsicherheit in Untersuchungshaft sei für viele belastend, weil Prozesse ausgesetzt seien und man nicht wisse, wie es weiter gehe.

Die JVA Wittlich ist die größte Justizeinrichtung des Landes Rheinland-Pfalz. Im geschlossenen Männervollzug sind derzeit 460 Gefangenen untergebracht. Hinzu kommen Haftplätze im eigenen Gefängnis-Krankenhaus und der offene Vollzug. In der JVA werden auch Schutzmasken genäht: In einem Monat seien rund 4000 gefertigt worden, die teils an andere JVAs, Gerichte und Ministerien gingen.

Wann Besucher wieder in der JVA Wittlich wieder zugelassen werden, sei noch nicht absehbar, sagte Patzak. «Wir sind aber erste Gedanken am Durchspielen, wie wir das dann machen können.» Neben Mundschutz werde da gedacht an den Aufbau von Trennscheiben. «Ich glaube, dass wir das hier in nicht allzu langer Zeit hinkriegen», sagte der Gefängnisleiter. Normalerweise dürfen Gefangene jede Woche zwei Stunden Besuch bekommen, bei Familien gibt es zwei Stunden extra. (dpa)

1 KOMMENTAR

  1. Normalerweise dürfen gefangene 2 Stunden Besuch im MONAT empfangen, nicht 2 Stunden in der Woche. Wie soll man sonst die Flut an Besuch bewältigen 😂

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