Rückkehr auf die Schulbank und Start der Maskenpflicht

Trippelschritte in Richtung Normalität: Viele Schüler kehren mitten in der Corona-Krise in Rheinland-Pfalz in ihre Schulen zurück. Zugleich greift erstmals die Maskenpflicht in Geschäften und Bussen. Das Innenministerium zeigt sich mit dem Start zufrieden.

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ/TRIER. Für 35 000 Schüler in Rheinland-Pfalz hat nach der Corona-Schließung Mitte März am Montag wieder der Lernalltag begonnen. Die Öffnung der Schule habe reibungslos funktioniert, sagte etwa der Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) 1 Mainz, Rüdiger Tauschek. Zugleich begann die Maskenpflicht beim Einkaufen und bei der Fahrt mit Bus, Straßenbahn oder Zug in Rheinland-Pfalz.

Eine Woche vor dem offiziellen Neustart des Unterrichts am 4. Mai waren am Montag vor allem die Schüler der Prüfungsklassen wieder beim Präsenzunterricht dabei. Neben den Berufsschülern kamen auch die Abiturienten der Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit (G8) in ihre Kursräume zurück. Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu begrenzen, gelten zum Schulstart strenge Hygiene-Auflagen.

Am 4. Mai folgen rund 130 000 weitere Schüler. Unter ihnen sind etwa 34 000 in den vierten Grundschulklassen, 26 000 an den Realschulen plus, 18 500 in Integrierten Gesamtschulen und 40 000 an Gymnasien. Bei den weiterführenden Schulen sind dies vornehmlich die Jugendlichen ab der 9., 10. oder 11. Klasse.

MASKENPFLICHT – Die meisten Rheinland-Pfälzer hielten sich laut Innenministerium am ersten Tag der Maskenpflicht an die Vorgabe. Die Polizei habe nur vereinzelt Verstöße registriert und das eher in kleineren Geschäften wie Bäckereien oder Metzgereien. Auf der anderen Seite hätten viele Kunden schon vor dem Betreten der Geschäfte auf dem Parkplatz ihre Masken angezogen. Die Pflicht gelte auch auf Fähren – das hätten etliche Bürger nicht gewusst. Große Verkehrsunternehmen verteilten Einmal-Masken für Fahrgäste im Öffentlichen Personennahverkehr. In Rheinland-Pfalz soll es bei Verstößen gegen die neue Maskenpflicht zunächst bei einer Ermahnung bleiben. Von der kommenden Woche an kann ein Verwarnungsgeld von zehn Euro fällig werden. Der Mainzer Verein Armut und Gesundheit forderte kostenlose Schutzmasken für bedürftige Menschen: Hartz-IV-Empfänger zum Beispiel hätten dafür «kein Budget».

INFEKTIONSZAHLEN – Landesweit hat sich die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen auf 5901 Fälle erhöht. Damit stieg die Zahl der nachweislich durch das Virus Sars-CoV-2 Infizierten um 28, wie das Sozialministerium in Mainz am Montag mitteilte (Stand 10.00 Uhr). Die Gesamtzahl der Todesfälle nahm auf 153 zu, am Vortag waren es noch 149 Todesfälle gewesen. Die Zahl der bereits genesenen Patienten lag laut Ministerium bei 4456.

STEUERAUSFÄLLE – Angesichts der wirtschaftlichen Probleme vieler Betriebe rechnet der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz mit «sich abzeichnenden immensen Steuerausfällen». Es sei mit vielen Anträgen für eine Stundung der Gewerbesteuer zu rechnen, sagte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied Karl-Heinz Frieden der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Das Land müsse dringend einen finanziellen Rettungsschirm für die Kommunen aufspannen.

LOCKERUNGEN – Die Ampelfraktionen und die oppositionelle AfD im Mainzer Landtag haben etwas unterschiedliche Vorstellungen über die nächsten Lockerungen der Corona-Regeln. SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer sagte, Gastronome wollten wissen, wann sie mit einer Lockerung in welchem Maße rechnen könnten. Für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Rheinland-Pfalz seien sie lebensnotwendig. Zugleich dämpfte Schweitzer Hoffnungen: «Die schnelle und zu schnelle Lockerung von heute ist der schnelle Shutdown von morgen.» FDP-Fraktionschefin Cornelia Willius-Senzer betonte, in der Außengastronomie könne wunderbar mit den nötigen Abständen gearbeitet werden. Grünen-Fraktionschef Bernhard Braun regte an, Spielplätze in den Blick zu nehmen – unter Auflagen und ohne die Vorsicht zu verlieren. Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Jan Bollinger, forderte dagegen «die sofortige Öffnung gastronomischer Betriebe, unter Wahrung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen».

JUSTIZ – Gerichte und Staatsanwaltschaften sollen ihren Normalbetrieb ab 4. Mai wieder aufnehmen. «Schritt für Schritt wollen wir zum regulären Geschäftsbetrieb zurückzukehren», sagte Justizminister Herbert Mertin (FDP). Ziel sei es, die gesundheitlichen Belange von Mitarbeitern, Verfahrensbeteiligten und rechtsuchender Bevölkerung möglichst gut zu verbinden.

UNIS – Studierendenvertreter in Rheinland-Pfalz sehen die erste Woche des Online-Semesters kritisch. «Dieses Semester darf kein Regelsemester sein», forderte Jan Paulus vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) Mainz. Die Corona-Einschränkungen dürften sich nicht auf die Regelstudienzeit auswirken. Es müssten bundesweit gleiche Verhältnisse für Studenten geschaffen werden. Die Server seien teilweise überlastet und stürzten ab, praktische Leistungen könnten nicht erbracht werden. Ähnliches berichten auch die Studierendenvertreter von anderen Unis in Rheinland-Pfalz.

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