“Wir bräuchten dringend Regen“ – Trockenheit bereitet Bauern große Sorgen

0
Foto: dpa-Archiiv

«Wir bräuchten dringend Regen», heißt es nicht nur in der Eifel. Trockener Ostwind hat die Felder ausgedorrt. Pflanzen ohne tiefes Wurzelwerk lechzen nach Wasser. Hoffnung für den Mai macht eine alte Bauernregel.

Die extreme Trockenheit im April gefährdet das Sommergetreide ebenso wie den Raps, den Maisanbau oder das Gras für die Rinderhaltung. Die Präsidenten der Bauernverbände im Norden und Süden von Rheinland-Pfalz zeigten sich zum Ende des Monats sehr besorgt über die Aussichten für die Landwirtschaft. «Dieser ständige, aggressive Nordost- bis Ostwind trocknet alles aus», sagte Michael Horper vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. «Wir haben große Sorgenfalten auf der Stirn», sagte auch Eberhard Hartelt vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

Die Trockenheit mache allen Pflanzen ohne tiefes Wurzelwerk zu schaffen, sagte Hartelt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Beim Getreide sei insbesondere Braugerste oder Hafer betroffen, die nach der Saat im Frühjahr jetzt dringend Wasser benötigten. Der Anteil dieser Kulturen sei in diesem Jahr besonders hoch, weil Wintergetreide wegen der Nässe im vergangenen Herbst teilweise nicht habe gesät werden können, erklärte der Landwirt in Göllheim (Donnersbergkreis). In Regionen, in denen Winterweizen und Wintergerste zum Teil sehr spät und unter sehr schwierigen Bedingungen gesät worden seien, wie beispielsweise in der Westpfalz, seien die Pflanzen verzögert ins Wachstum gekommen und entsprechend anfälliger beim jetzt ausbleibendem Regen.

Auswirkungen der aktuellen Trockenheit seien auch bei den vor wenigen Wochen gesäten Zuckerrüben zu sehen, beim derzeit in der Blüte stehenden Raps und auf den Grünlandflächen zur Futtererzeugung.

Die Flächen im Vorderpfälzer Gemüsebau hingegen seien durch die flächendeckende Beregnung mit Rheinwasser nicht direkt von der Trockenheit betroffen, sagte Hartelt. «Vor dem Hintergrund der zunehmenden Trockenphasen müssen wir intensiv über eine Ausweitung der Beregnung in der Landwirtschaft insgesamt nachdenken.» Auf die Schnelle sei dies aber keine Lösung und viele Betriebe würden vor den immensen Kosten für die Errichtung der Infrastruktur zurückschrecken. Ein Ausgleich über erhöhte Erzeugerpreise sei ja keinesfalls gesichert. In der Südpfalz seien auch Brunnen-Beregnungsanlagen im Einsatz. Genehmigungen für neue Brunnen würden aber, auch mit Blick auf den Grundwasserschutz, nur sehr zögerlich erteilt.

Bauern sind es gewohnt, nicht nur auf einen Monat zu blicken. Im Februar habe es noch viel Regen gegeben, sagte Bauernverbandspräsident Horper in Niederüttfeld, einem Teil der Gemeinde Üttfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm). «Aber das Wasser ist komplett weg.» In Flüssen und Bächen herrsche Niedrigwasser, auch das Grundwasser sei zurückgegangen. Davon seien die sehr leichten, flachgründigen Böden in Westerwald, Eifel und Hunsrück besonders betroffen. Schwerere Böden wie in der Umgebung von Bitburg zeigten jetzt schon die für längere Trockenzeit typischen Risse. «Wir bräuchten dringend Regen!»

Als Optimist habe er vor einer Woche noch zu Gelassenheit geraten, sagte Horper im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Aber inzwischen beginne das Sommergetreide, gelb zu werden. Bei weiterer Trockenheit werde das Getreide geschädigt und auch der Maisanbau in Schwierigkeiten kommen.

Auf den für die Viehhaltung wichtigen Grünlandflächen seien die eiweiß- und zuckerreichen Untergräser wie Wiesenrispe und Rotschwingel überhaupt noch nicht da. «Wenn das jetzt noch acht oder zehn Tage trocken bleibt, dann ist der erste Schnitt dahin.» Corona sei überall das große Thema, aber die Viehhalter fragten sich auch: «Bekommen wir überhaupt Futter für die Tiere?»

Noch sei es früh im Jahr, sagte der Landwirt. Für eine gute Ernte müsse es dann aber auch einen optimalen Sommer geben. Horper hofft nun auf den Mai und die alte Bauernregel: «Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun und Fass.» (dpa)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.