Maskenpflicht und Rückkehr der Schüler beschäftigt ÖPNV

Maske, Schal oder Buff sind ab Montag Trumpf im ÖPNV in Rheinland-Pfalz. Eine neue Situation für Bus- und Tramfahrer sowie Zugführer im Land, die mit der neuen Woche seit Wochen mal wieder deutlich mehr Fahrgäste haben dürften.

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Foto: SWT TRIER

TRIER/MAINZ. Nach einem drastischen Rückgang der Fahrgastzahlen in der Corona-Krise müssen sich Verkehrsbetriebe in Rheinland-Pfalz nun wieder auf mehr Menschen in Bussen, Bahnen oder Straßenbahnen vorbereiten. Am Montag (27. April) kehren die ersten Schüler in den Unterricht zurück – dem Tag, ab dem im Land auch die Maskenpflicht unter anderem im ÖPNV gilt. Eine Woche später, ab 4. Mai, kommen weitere Schüler dazu, für Verbünde, Stadtwerke und Busunternehmen ist die Organisation des teils weiter ausgedünnten Angebots eine Herausforderung.

In Trier wird nach Angaben der Stadtwerke (SWT) seit dem 20. April nach dem regulären Ferienfahrplan gefahren. Das sei auch am kommenden Montag angedacht, vom 4. Mai an soll das Angebot auf den vollen Schülerverkehr ausgeweitet werden. Dann seien wieder die gewohnten Zusatzfahrzeuge und Schulbuslinien in Betrieb, teilte Sprecher Carsten Grasmück mit. Mit Ausnahme einiger Linien, die sich an den Vorlesungszeiten der Hochschulen orientierten, sei SWT damit wieder voll im Betrieb. Nach wie vor seien die vorderen Türen der Busse geschlossen, der Fahrscheinverkauf sei weiter nur per Handy oder im Vorverkauf möglich.

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) beispielsweise teilte am Freitag explizit mit, wegen der schrittweisen Öffnung des täglichen Lebens wieder mehr Fahrgäste zu erwarten, vor allem Schüler in Bussen und Bahnen. Entsprechend werde das Angebot angepasst, nach und nach soll die Rückkehr zum Normalfahrplan erfolgen. Mit dem kleinen Fahrplanwechsel am 14. Juni sollen laut VRN grundsätzlich wieder alle Züge im südlichen Rheinland-Pfalz angeboten werden. Die Busse im VRN-Gebiet sollen ab dem 4. Mai wieder nach dem Schultags-Fahrplan unterwegs sein, ab 20 Uhr bis in die Nacht bleibe das Angebot aber bis auf weiteres reduziert. In der Vorder- und Südpfalz entfallen die Saison- und Ausflugsverkehre bis auf Weiteres.

Ähnlich ist die Situation im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Nachdem es in den vergangenen Wochen im regionalen Schienen- und Busverkehr nur ein eingeschränktes Angebot gegeben habe, kehrten nach und nach die Verkehrsunternehmen zum Regelangebot zurück.

Im zum RMV-Gebiet zählenden Mainz wird der Busverkehr am 27. April auf einzelnen Linien verstärkt, mehr Busse werden vor allem zwischen dem Hauptbahnhof und dem Berufsschulzentrum unterwegs sein, wie Stadtwerkesprecher Michael Theurer sagte. Normalerweise sind der Stadt zufolge unter der Woche rund 30 500 Schüler in Mainz unterwegs, am kommenden Montag seien es zunächst geschätzt knappe 3000. «Rein vom Schulverkehr wird sich am Montag noch nicht allzu viel ändern», sagte Theurer. Am 4. Mai dürften sich in der Landeshauptstadt dann etwa 9000 Schüler auf den Weg zum Unterricht machen, freilich nicht alle mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Drumherum gelte weiter ein ausgedünnter Betrieb, sagte Theurer. Man sei insgesamt bei etwa knapp 40 Prozent des normalen Plans. Ausgedünnt sei vor allem in Zeiten einer ohnehin geringeren Nachfrage, also frühmorgens oder nachts. In den vergangenen Wochen seien teils weniger als zehn Prozent der normalen Fahrgastmenge in Mainz mit Bussen und Trams unterwegs gewesen. Nun müsse man sich anschauen, wie es weitergehe – auch weil zahlreiche Läden wieder aufgemacht hätten.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auf Bundesebene bezifferte kürzlich den Fahrgastrückgang im März und April bei den Verkehrsunternehmen auf bis zu 90 Prozent. Auf dem Land, wo hauptsächlich Schüler den ÖPNV nutzten, seien es 90 Prozent, in Städten 60 bis 80 Prozent. VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff verwies auf Rückmeldungen von Verbünden und Verkehrsunternehmen, wonach die Branche im März und April monatlich bis zu einer Milliarde an Fahrgeldeinnahmen verloren hat. Es müsse eine Kompensation geben, sonst müsse das Bus- und Bahnangebot bald gekürzt werden.

Um bei der Rückkehr der Schüler in den Unterricht allzu volle Busse zu verhindern, schlägt der VDV unter anderem vor, die Anfangs- und Schließzeiten der Schulen zu staffeln und möglichst aus der Hauptverkehrszeit herauszulegen. Damit stößt er bei der rheinland-pfälzischen Grünen-Fraktion auf Zustimmung. Ein gestaffelter Schulbeginn könne zum Infektionsschutz der Schülerinnen und Schüler beitragen, sagte der bildungspolitische Sprecher Daniel Köbler. Auch könne es die Organisation der Schülerbeförderung für die Verkehrsbetriebe vor allem in Städten erleichtern.

Hinweisen werden die Verkehrsunternehmen ab Montag auf das dann angeordnete Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes im ÖPNV. Theurer von den Mainzer Stadtwerken sagte: «Wir begrüßen die Maskenpflicht.» Zum Beispiel in einem Bus könne der Mindestabstand von anderthalb Metern nicht immer gewährleistet werden. Beim Schutz der Fahrer ändere sich nichts, weiterhin werde es vorne keinen Ein- und Ausstieg geben, Flatterband trenne Fahrer und Fahrgäste. Weiter hinten müsse ein Stück weit auf die Eigenverantwortung der Fahrgäste gesetzt werden.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) kündigte an, die Fahrgäste an den ersten Tagen der Maskenpflicht unterstützen zu wollen. Dafür sollen mehrere hunderttausend Einwegmasken an rund zwei Dutzend Stationen verteilt werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende des RMV und Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mahnte: «Bekanntlich schützen Masken vor allem das Gegenüber, darum ist es notwendige Solidarität, dass alle mitmachen.» RMV-Geschäftsführer Knut Ringat sagte, wenn Busse und Bahnen wieder voller würden, werde es nicht immer möglich sein, den außerhalb des ÖPNV vorgeschriebenen Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten.

VDV-Hauptgeschäftsführer Wolff sagte mit Blick auf Masken: «Als öffentlicher Personennahverkehr ist es unsere Aufgabe, auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hinzuweisen.» Informationen würden ausgehängt und auf digitalen Kanälen verbreitet, Durchsagen würden gemacht. «Allerdings können wir die Fahrgäste dahingehend nicht kontrollieren oder von der Beförderung ausschließen.» Man gehe davon aus, dass der allergrößte Teil der Fahrgäste aus Eigeninteresse sehr aufmerksam sei und die soziale Kontrolle Wirkung zeige.

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