Land zufrieden mit Schutzkleidung – Tests sollen in RLP ausgeweitet werden

Kurz vor Inkrafttreten der Maskenpflicht stellen die Behörden klar: Auch in Corona-Zeiten müssen Autofahrer erkennbar bleiben. An diesem Freitag werden vermutlich Details über Bußgelder bekannt. Mit der Maskenpflicht soll der zuletzt positive Trend stabilisiert werden.

0
Foto: dpa-Archiv

MAINZ. Die Momentaufnahme klingt gut: Die Menschen in Rheinland-Pfalz halten sich nach Einschätzung des Innenministers weitgehend an die Corona-Regeln, Schutzkleidung existiert der Landesregierung zufolge genug, und künftig soll es mehr Tests geben. Auch der Trend der Fallzahlen gibt Anlass zum Optimismus. Experten aber mahnen: Für Entwarnung ist es viel zu früh. Das Coronavirus bleibe noch lange eine Herausforderung. Die Tagesthemen im Überblick:

SCHUTZKLEIDUNG – Die rheinland-pfälzische Landesregierung sieht sich bei der Ausstattung der Krankenhäuser mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln in der Corona-Krise trotz der weltweit hohen Nachfrage gut aufgestellt. «Wir haben ein gutes Polster», sagte der Präsident des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek. Ein großer Teil der Krankenhäuser, insbesondere die Universitätsmedizin in Mainz, habe eigene langfristige Lieferketten aufgebaut, sei gut vorbereitet und habe nur einen geringen Teil des Angebots abgerufen. So könne das Land den Krankenhäusern angebotenes und von diesen nicht abgerufenes Material auch an andere medizinische Einrichtungen etwa in der Pflege weitergeben.

FREIBAD-SAISON – Vor dem Start der Freibadsaison in Rheinland-Pfalz bereiten sich manche Betreiber schon auf eine Öffnung vor – obwohl noch unklar ist, ob und wann sie öffnen dürften. «Wir betreiben momentan ein Geisterbad», schildert etwa Dirk Osterhoff die Situation. Der Geschäftsführer der «Rheinwelle» in Gau-Algesheim führt im Kreis Mainz-Bingen außerdem ein Freibad in Ingelheim und ein Naturerlebnisbad in Bingen. Es fänden Wartungsarbeiten statt, die Wassertemperatur sei etwas gesenkt worden, um Kosten zu sparen, aber ansonsten laufe alles weiter – nur eben ohne Gäste. Bis zum 6. Mai bleiben die Frei- und Schwimmbäder definitiv noch geschlossen.

NEUE ZAHLEN – Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Rheinland-Pfalz ist innerhalb von 24 Stunden um 1,5 Prozent auf 5722 gestiegen. Dies ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Donnerstag die gleiche tägliche Steigerung wie am Vortag. Die Zahl der Todesfälle nahm um sechs auf 136 zu und damit nicht mehr so stark wie am Vortag. Die meisten Infektionen wurden in Mainz registriert – bis Donnerstag (10.00 Uhr) waren dort 464 Fälle bekannt.

MIT MASKE IM AUTO – Auch in Corona-Zeiten müssen Autofahrer im Straßenverkehr erkennbar bleiben: Eine aus Gründen des Infektionsschutzes getragene Maske dürfe das Gesicht nicht so sehr verhüllen, dass der Fahrer oder die Fahrerin nicht mehr zu identifizieren sei, teilte das Innenministerium in Mainz mit. Die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung seien auch während der Pandemie gültig. Kein Verstoß liege vor, wenn «lediglich die Mund- und Nasenpartie verdeckt und Augen und Stirn noch erkennbar sind, so dass der Fahrer identifiziert werden kann», sagte eine Sprecherin. Die Bewertung sei im Einzelfall Sache des kontrollierenden Beamten.

DISZIPLIN – Nach der Lockerung der Corona-Verordnung halten sich die Rheinland-Pfälzer nach Einschätzung von Innenminister Roger Lewentz (SPD) weiterhin weitgehend diszipliniert an die Regeln. Die Polizei habe von Montag bis einschließlich Mittwoch 454 Verstöße festgestellt, sagte Lewentz am Donnerstag in Mainz. Am ersten April-Wochenende seien es im Mittel noch 358 Verstöße pro Tag gewesen, am Osterwochenende durchschnittlich 279 pro Tag und am vergangenen Wochenende rechnerisch je 245 täglich. Am häufigsten wurde der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten.

MEHR TESTS – Die Landesregierung sieht Rheinland-Pfalz in Sachen Coronavirus-Testkapazitäten gut aufgestellt. «Wir planen, die Tests weiter auszuweiten», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag bei einem Besuch des medizinischen Labors Bioscientia in Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen). In dem Labor werden momentan täglich bis zu 2000 Untersuchungen auf das Corona-Virus durchgeführt. Möglich wären jedoch jetzt schon 3500 Tests.

BETRUG – Die Staatsanwaltschaft Koblenz beschäftigt sich mit Fällen möglichen Betrugs bei Anträgen für Corona-Soforthilfen. Bislang handele es sich aber um wenige Fälle, teilte Oberstaatsanwältin Martina Müller-Ehlen am Donnerstag mit. Es seien auch Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, weil nach einer Strafanzeige der Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung bejaht worden sei.

PROZESS PER VIDEO – Die Corona-Krise könnte nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden des Deutschen Richterbundes zu einem Schub an Video-Gerichtsverhandlungen führen. In Zivilprozessen werde eine bereits gesetzlich bestehende Möglichkeit gerade von einigen Richtern neu entdeckt, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Albrecht in Trier. Dabei sitzt der Richter im Gerichtssaal und die Beteiligten sind über Bildschirme via Skype zugeschaltet. Ton und Bild werden dann in den Gerichtssaal übertragen, um den Grundsatz der Öffentlichkeit zu wahren, wie Albrecht erklärte.

KRANKSCHREIBUNGEN – Corona-Diagnosen und Atemwegserkrankungen haben die Zahl der Krankmeldungen bei der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland im ersten Quartal deutlich steigen lassen. Bis Mitte Februar (8. Kalenderwoche) waren 6250 AOK-versicherte Arbeitnehmer mit Atemwegsproblemen arbeitsunfähig gemeldet, Anfang April (14. Kalenderwoche) waren es schon 12 166 Mitglieder – und damit fast doppelt so viele. Die Zahl der Infektionen mit Corona stieg zugleich von 0 auf 772. «Entwarnung ist dabei nicht in Sicht», sagte AOK-Sprecher Jan Rößler am Donnerstag in Mainz.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.