Experten beobachten mehr illegales Zocken im Internet

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Close-up on a roulette at the casino and the ball landing on double zero

Bildquelle: ©istock.com/andresr

RLP. Manche Geschäfte mit Lottoangebot haben in der Corona-Krise geschlossen. Viele Menschen sind zu Hause im Netz unterwegs. Damit findet wohl auch verbotenes Glücksspiel im Internet immer mehr Zuspruch. Lotto Rheinland-Pfalz verweist auf eigene Angebote im Netz.

Illegales Glücksspiel im Internet nimmt nach Erkenntnis des Bundesverbandes deutscher Glücksspielunternehmen (BDGU) in der Corona-Krise zu. Lotto Rheinland-Pfalz in Koblenz, derzeit federführend im Deutschen Lotto- und Totoblock, beobachtet diese Entwicklung sehr genau. BDGU-Vorstandschef Michael Barth sagte der Deutschen Presse-Agentur, viele Menschen seien wegen der Corona-Pandemie zu Hause und im Netz unterwegs. Die Werbung illegaler Anbieter von Online-Glücksspielen steigere und verlagere sich nach einigen auch zweitinstanzlichen Urteilen in Deutschland auf soziale und andere Medien. «Wenn ein Werbekanal gerichtlich geschlossen wird, werden zwei neue geöffnet», erklärte der Bremer Lotto-Chef.

Lotto Rheinland-Pfalz betonte, Online-Poker und Online-Kasino seien mit Ausnahme von Schleswig-Holstein vorerst weiterhin illegal in Deutschland. Mit Blick auch auf viele Lotto-Annahmestellen, die wegen der Corona-Pandemie bis zum vergangenen Wochenende längere Zeit geschlossen waren, teilte die Glücksspielgesellschaft der dpa mit, es sei wichtig, Lotto auf verschiedenen Wegen anzubieten. «Die Tippabgabe im Internet erhält weiterhin eine enorme Wichtigkeit und hier steht insbesondere die mobile Tippabgabe im Fokus.»

Lotto Rheinland-Pfalz sprach von einem steigenden Trend: 2018 seien bundesweit Spieleinsätze über das Internet von etwa 583 Millionen Euro registriert worden. «Damit lag der Internetanteil am Gesamteinsatz bei rund 7,9 Prozent», ergänzte das Unternehmen in Koblenz. 2019 seien die Online-Spieleinsätze auf etwa 651 Millionen Euro und der Internetanteil am Gesamteinsatz auf rund 8,9 Prozent gestiegen. «2020 liegt der Internetanteil am Gesamteinsatz bislang bei insgesamt rund 10,7 Prozent», hieß es weiter.

Damit flössen bundesweit immer noch fast 90 Prozent der Spieleinsätze über die klassischen Annahmestellen etwa in Geschäften und Kiosken. In Rheinland-Pfalz sind es um die 900 Läden mit insgesamt mehreren tausend Mitarbeitern. «Lotto Rheinland-Pfalz ist in jeder vierten Ortsgemeinde vertreten und ist damit der größte Filialist im Land», teilte das Unternehmen mit. «Oft sind unsere Lottoläden die letzten Dorfläden, die die Sicherung der Nahversorgung leisten.»

Die Schließung mancher Annahmestellen in den vergangenen Wochen habe nur bedingt Einfluss auf die Spieleinsätze gehabt. Teils seien die Tipper wohl auf andere Annahmestellen ausgewichen, hieß es weiter. Einige Stellen seien coronabedingt aber immer noch geschlossen.

Geschlossen sind in Rheinland-Pfalz wie in anderen Bundesländern wegen der Corona-Ansteckungsgefahr auch die Spielhallen. Georg Stecker vom Verein Die Deutsche Automatenwirtschaft beklagte, die gleichzeitige massive Werbung für Online-Kasinos treibe die Menschen in illegale Angebote im Internet. «Der Schwarzmarkt wächst, weil wir als Anbieter des legalen terrestrischen Automatenspiels unseren gesetzlichen Auftrag nicht erfüllen können, das natürliche Spielbedürfnis in geordnete und legale Bahnen zu lenken», kritisierte Stecker. Deshalb sollten Spielhallen sobald wie möglich wieder geöffnet werden. Sie böten einen hohen Jugend-, Spieler- und Infektionsschutz mit ihrer Aufsicht und ihren Abstandsregeln.

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