Ab Montag mit Maske – Erste Zulassung von Impfstoff-Tests in RLP

Dutzende Forscher suchen nach einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2, mit dem die Pandemie eingedämmt werden könnte. Nun ist auch ein Mainzer Unternehmen dabei. Unterdessen führt die Landesregierung eine Maskenpflicht ein - mit ein paar Tagen Vorbereitungszeit.

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ. Zwei wichtige Entwicklungen in der Corona-Krise: In Rheinland-Pfalz gilt ab dem kommenden Montag eine Maskenpflicht, und das Mainzer Unternehmen Biontech darf deutschlandweit zum ersten Mal einen Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Virus am Menschen testen. Gelingt damit allmählich die Wende? Die Tagesthemen im Überblick:

MASKENPFLICHT – Ab dem kommenden Montag (27. April) müssen auch die Menschen in Rheinland-Pfalz in Geschäften und öffentlichem Nahverkehr einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das könne eine selbstgenähte Maske, ein hochgezogener Schal oder ein Tuch sein, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Mainz. Probleme, an Masken zu kommen, sieht sie nicht. Sie sei froh, dass bei der wichtigen Frage der Masken nun ab dem 27. April deutschlandweit «Hand in Hand» vorangegangen werde. Welches Bußgeld in Rheinland-Pfalz bei Nichtbeachtung droht, steht noch nicht fest. Die entsprechende Rechtsverordnung werde in den kommenden Tagen erarbeitet, sagte Dreyer.

ERSTE ZULASSUNG – Das Mainzer Unternehmen Biontech darf deutschlandweit zum ersten Mal einen Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus am Menschen testen. Es erhielt dafür die Genehmigung von dem im hessischen Langen sitzenden Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Biontech ist eigentlich auf die Entwicklung individualisierter Krebsmedikamente spezialisiert und startete Mitte Januar das Impfstoff-Projekt, das nun einen wichtigen Schritt genommen hat. Intern wird das am 16. Januar gestartete Covid-19-Programm der Mainzer «Lightspeed» genannt, Lichtgeschwindigkeit, wie der Onkologe und Biontech-Mitbegründer Ugur Sahin am Mittwoch bei einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz von PEI und Biontech berichtete.

HYGIENEPLAN – Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat am Mittwoch einen Hygieneplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs veröffentlicht. Der Plan sieht etwa vor, dass in den Unterrichtspausen und im Schulbus eine Mund-Nasen-Maske getragen werden soll. «Im Unterricht ist das Tragen von Masken bei gewährleistetem Sicherheitsabstand nicht erforderlich», heißt es in dem Plan, der mit dem Gesundheitsministerium und den kommunalen Schulträgern abgestimmt wurde.

NEUE ZAHLEN – Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Rheinland-Pfalz ist innerhalb von 24 Stunden um 1,5 Prozent auf 5638 gestiegen. Die Zahl der Todesfälle nahm um 13 auf 130 zu, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. Unter den Todesopfern waren 20 aus dem Westerwaldkreis, 14 aus Mainz und 11 aus Koblenz. Die meisten Infektionen wurden in Mainz registriert – bis Mittwoch (10.00 Uhr) waren in der Landeshauptstadt 447 Fälle bekannt.

SCHLÄGEREI – Weil ein Kunde sich nicht an die Corona-Sicherheitsauflagen eines Supermarkts halten wollte, ist es in Neuwied zu einer Schlägerei gekommen. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wollte der Kunde am Dienstagabend ohne Einkaufswagen in den Laden. Ein Sicherheitsmitarbeiter stellte sich ihm in den Weg und forderte ihn auf, einen Wagen mitzunehmen. Stattdessen aber schob der Kunde den Mitarbeiter zur Seite. Hieraus entwickelte sich schließlich ein Faustkampf, bei dem beide zuschlugen. Dritte mussten die Kontrahenten trennen. Auf den Kunden und den Sicherheitsmitarbeiter kommt nun jeweils ein Strafverfahren wegen Körperverletzung zu.

BERECHNUNGEN – Mit der geplanten Schulöffnung in Rheinland-Pfalz steigt laut den Simulationen eines Teams von Wissenschaftlern die Gefahr von Infektionen mit dem Coronavirus. «Auf Basis unserer vorläufigen Simulationen müssen wir das kritisch sehen», sagte Thomas Götz, Professor für Angewandte Mathematik an der Universität Koblenz-Landau, am Mittwoch. «Bei einer Öffnung der Schulen besteht die Gefahr, dass die Zahl der Infektionen wieder stark ansteigt.»

ARBEITEN VERZÖGERT – Wegen der Corona-Krise verzögert sich der geplante Teilabbruch der Hochstraße Süd in Ludwigshafen. «Wenn alles planmäßig läuft, erfolgt in der ersten Juli-Hälfte der Abbruch des ersten Abschnitts», sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) am Mittwoch. «Wir haben unter den gegebenen Bedingungen einen neuen, realistischen Zeitplan errechnet.» Der Leiter des Bereichs Tiefbau bei der Stadt, Björn Berlenbach, sagte: «Wir haben eine Verzögerung von drei Monaten.» Die Arbeitskolonnen auf der Baustelle dürften sich nicht mischen, das schränke den Ablauf ein.

SAMMLUNG – Von der persönlichen Geschichte über Nähanleitungen für Masken bis zum Info-Flyer: Damit künftige Generationen wissen, wie sich das Leben während der Corona-Krise verändert hat, sammelt das Stadtarchiv Bad Kreuznach Zeitzeugnisse. «Wir sammeln heute unsere Geschichte für morgen», beschrieb Archivmitarbeiterin Sarah Förster die Idee hinter dem Projekt. «Es ist eine sehr einschneidende Zeit für uns und das muss genauso dokumentiert werden.»

EIGENPRODUKTION – Der oberste Arzt der Bundeswehr fordert eine Rückkehr zur Eigenproduktion von Medikamenten bei den Streitkräften. «Nach dem Kalten Krieg wurde aus betriebswirtschaftlichen Gründen darauf weitgehend verzichtet», sagte der Inspekteur des Sanitätsdienstes, Ulrich Baumgärtner, der Deutschen Presse-Agentur in Koblenz. «Man ging davon aus, eine ständige Marktverfügbarkeit der notwendigen Produkte zu haben und günstiger auf dem zivilen Weltmarkt einkaufen zu können.» In Zeiten der Corona-Pandemie zeige sich aber schmerzlich der Mangel bestimmter Arzneien. «In der Krise stehen wir bei ihrer Beschaffung in Konkurrenz mit der ganzen Welt», sagte er.

ABSAGE – Die Nibelungen-Festspiele in Worms (17. Juli bis 2. August) fallen in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. «Die geplante Inszenierung «Hildensaga. Ein Königinnendrama» wird in das Jahr 2022 verschoben», teilten die Organisatoren in Rheinland-Pfalz am Mittwoch mit. Für 2021 schreibt der Georg-Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss ein Stück über den Reformator Martin Luther. Die Nibelungen-Festspiele finden seit 2002 vor dem Wormser Dom statt. Hintergrund für die Entscheidung ist das von Bund und Ländern beschlossene Verbot von Großveranstaltungen bis vorerst 31. August.

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