TBB Trier: (Sch)mächtig athletisch, wenig Erfahrung

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TRIER. Seit vergangenem Montag ist der Kader der TBB Trier komplett. Der Bundesligist wird mit einer auf vielen Positionen veränderten Mannschaft an den Start gehen, lediglich Joshiko Saibou, Andreas Seiferth, Nate Linhart und Dragan Dojcin bleiben aus dem Vorjahreskader übrig. Das neue Team verspricht dabei einen spektakulären Spielstil – allerdings mangelt es auch an BBL-Erfahrung. Die große Analyse unseres Basketball-Experten Christoph Witt zum neuen Kader der TBB.

Da wäre zum einen die wohl wichtigste Position im Basketball – der Point Guard. Dru Joyce war ein klassischer Floor General, sprich, immer darauf bedacht, seine Mitspieler bestmöglich in Szene zu setzen. Ein Mann mit jeder Menge Erfahrung in der BBL und trotz einer durchwachsenen Saison immer noch einer der besseren Spielmacher in Deutschlands Eliteliga. Mit Jarrett Howell kommt nun ein Mann, der zwar auch alle Anlagen zu einem klassischen Einser mitbringt, aber über keinerlei Erfahrung auf diesem Niveau verfügt. Seine Vita ist vielversprechend, Henrik Rödls Auge für Talent zweifelsohne geschult. Fragezeichen bleiben dennoch.

Weitaus eindeutiger sieht die Sache beim Back-Up aus. John Bynum strahlte schon letzte Saison keinerlei Gefahr von jenseits der Dreierlinie aus, machte es den Gegnern somit extrem einfach in der Defensive und blieb in vielen Spielen blass. Oskar Faßler spielte eine katastrophale Saison. Mit Bastian Doreth kommt ein Spieler auf Leihbasis nach Trier, der bislang wohl als der Gewinner dieses Sommers bezeichnet werden kann. Starke Leistungen in der A-Nationalmannschaft unter Svetislav Pesic, Lob von Ex-Bundestrainer und seinem Chefcoach in München, Dirk Bauermann: „Basti ist ein hervorragender Verteidiger und Dreierwerfer.“ Das sind wohl die Zutaten, aus denen der nächste „Most Improved Player“ im Trierer Team gemacht werden könnte.

Sorgenkind der Saison 2011/12, Grund zur Euphorie in dieser Spielzeit. Letzte Saison konnten weder E.J. Gallup, der den Verein aus persönlichen Gründen nach einigen Wochen verließ, noch sein spät verpflichteter Ersatz James Washington auf der Position des Shooting Guards überzeugen. Gallup hatte schwache Wurfquoten und passte auch defensiv nicht in Rödls System, Washington fabrizierte ebenfalls unterirdische Wurfquoten und fiel bei seiner ersten Profistation vor allem durch seine fragwürdige Wurfauswahl auf.

In der kommenden Saison hat man mit Barry Stewart einen Rückkehrer verpflichtet, der sich enorm weiterentwickelt hat und defensiv schon vor zwei Jahren perfekt im System von Henrik Rödl funktionierte. Hier ist eine klare Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison zu verzeichnen, denn Nate Linhart kann dadurch auf seine Lieblingsposition wechseln und Bastian Doreth kann als wurf- und defensivstarker Back-Up für Barry Stewart in die Bresche springen. Oskar Faßler konnte mit meist katastrophalen Leistungen für kaum Entlastung sorgen.

Das größte Problem ist die Center-Position

Apropos Lieblingsposition von Nate Linhart: Der 1,98-Meter große Guard/Forward spielt am liebsten auf der Position drei und wird dort in der kommenden Saison den nach Bremerhaven gewechselten Phillip Zwiener ersetzen. Der gebürtige Bremer Zwiener hatte mit großen Schwankungen in seinem Spiel zu kämpfen, übersah häufig den besser postierten Mitspieler. Dennoch ein großer Verlust für das Trierer Team, da ein wichtiger Scorer verloren geht. Sollte Nate Linhart auf seiner Lieblingsposition einen weiteren Schritt nach vorne machen und defensiv weiterhin so stark auftrumpfen, ist man hier mindestens ebenbürtig besetzt.

Zweiter Mann hinter Linhart ist Mathis Mönninghoff. Bei seiner ersten Profistation darf man vom Scharfschützen und U20-Kapitän sicherlich keine Wunderdinge erwarten. Letzte Saison half oftmals John Bynum als Back-Up von Phillip Zwiener aus und konnte dort mit seiner Athletik und Defense mehr überzeugen als auf der Spielmacherposition. Mönninghoff hat das Talent, um in Trier groß herauszukommen, braucht aber Zeit.

Die statistisch schwächste Position war vergangenes Jahr die des Power Forwards. Dragan Dojcin brach nach starkem Saisonauftakt ein, hatte mit Verletzungen zu kämpfen. Mit dem drahtigen, 2,06-Meter großen Brian Harper kommt ein gänzlich anderer Spielertyp nach Trier, Dojcin ist nur noch zweiter Mann hinter dem Modellathlet. Harper hat wie auch Jarrett Howell keinerlei BBL-Erfahrung, konnte Henrik Rödl jedoch im Probetraining überzeugen. Vor allem seine Athletik , seine Defense und seine Ballbehandlung sind für einen Mann seiner Größe überdurchschnittlich. Die Anlagen sind vielversprechend, körperlich wird er gegen kräftigere Vierer Probleme bekommen. Insgesamt aber eine klare Verbesserung zur Vorsaison.

Das kann man von der Centerposition keineswegs behaupten. Mit Maik Zirbes verliert man den amtierenden „Most Improved Player“ an den deutschen Meister Bamberg und damit einen massigen 2,07-Meter „Schrank“ unter den Körben. Für ihn kommt mit Vitalis Chikoko zwar ein Ersatz, der die gleiche Größe, aber auch 25 Kilogramm weniger auf die Waage bringt. Chikoko ist ein großes Talent, ist offensiv variabel. Zu befürchten ist aber, dass Trier gegen Teams mit kräftigen Centern, wie beispielsweise John Bryant aus Ulm, große Probleme haben wird. Hier ist die Teamdefense gefragt, die schon die Anspiele unterbinden muss. Weder Chikoko noch Seiferth haben die Masse, diesen in der Zone etwas entgegenzusetzen. Andreas Seiferth und Chikoko werden wohl um den Platz in der Starting Five kämpfen, einen etatmäßigen Starter gibt es nicht. Dritter Mann hinter Chikoko und Seiferth ist Jone Pedro Lopes.

Das TBB Team 2012/2013 verspricht viel Spektakel und Athletik, gepaart mit einer starken Defense. Interessant werden die ersten Testspiele gegen Gegner sein, die auf große, massige Center und Power Forwards setzen. Hier könnte es zu Problemen kommen, da Harper, Seiferth und Chikoko zu schmächtig sind. Aber wie heißt es so schön: alles Spekulation – wichtig ist auf dem Parkett. Wann es das neue Team erstmals zu bestaunen gibt, steht indes immer noch nicht fest. Vom Verein gibt es noch immer keine Infos zum Vorbereitungsplan und den öffentlichen Testspielen. Da sind andere BBL Teams weitaus informationsfreudiger – was aus Trierer Sicht natürlich bedauerlich ist. (cw)

1 KOMMENTAR

  1. Sehr schön zusammengefasst spiegelt dein Artikel die offensichtlichen Stärken und Schwächen des neuen Kaders wieder.
    Ich bin insgesamt deutlich zuversichtlicher als vergangene Saison. Dummerweise werden aber auch die Gegner nicht unbedingt schlechter. Danke für den guten Artikel, Christoph! (Auch für die klaren Worte zur Leistung von Faßler – das musste mal gesagt werden.)

    VG

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