Ostern in Rheinland-Pfalz von Corona geprägt

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RHEINLAND-PFALZ. Leere Kirchen, Ostern im kleinen Familienkreis und Gottesdienste via Fernsehen oder Internet: Die Vertreter der Kirchen machen den Menschen Hoffnung – und sehen in der Corona-Krise auch eine Chance.

In ihren Osterbotschaften haben hohe Kirchenvertreter den Gläubigen in Rheinland-Pfalz in der Corona-Krise Mut zugesprochen. «Furcht ist das derzeit bestimmende Lebensgefühl vieler Menschen», sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf laut vorab verbreitetem Redemanuskript in der Osternacht im Dom. «Furcht vor der Ansteckung, tiefe Angst vor dem Tod, Angst vor dem Alleinsein, die Erfahrung der Überforderung, die Angst vor dem Verlust auch der materiellen Grundlagen, berufliche Sorgen und vieles andere mehr.»

Die Botschaft an Ostern sei daher nicht: alles halb so schlimm. «Die Botschaft ist: Du bist nicht allein, das Leben siegt, du hast eine Perspektive», betonte er. Kohlgraf setzte auch auf nachhaltige, positive Folgen der Krise: «Viele Menschen geben Hoffnung weiter, obwohl sie manchmal selbst nicht weiterwissen, obwohl sie berechtigte Angst um die Gesundheit und die eigene Existenz haben.» Die Menschen würden hoffentlich über die Krise hinaus wachsamer füreinander sein.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, sagte, die Krise könnte zum «Glücksfall der Geschichte» werden. «Hoffentlich lehrt uns diese Krise, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind», sagte der Bischof am Sonntag im Limburger Dom nach einem vorab von der DBK verbreiteten Predigttext. Die Kirchen blieben wegen der Corona-Krise und den Ansteckungsgefahren an Ostern leer.

Die Krise, so schlimm sie auch sei, habe viel Gutes hervorgebracht. «So viel Freundlichkeit und Humor habe ich selten erlebt», sagte der Limburger Bischof. «Wir haben es in der Hand, ob wir diese geschenkte Nähe festigen und zusammenrücken oder wieder auseinanderdriften.»

Auch aus Sicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann kann die Krise positive Folgen für Ostern haben. Dessen Kraft werde nicht gemindert, sagte er am Sonntag im Trierer Dom laut vorab verbreiteter Predigt. Auch wenn in diesem Jahr «uns so manches von dem versagt bleibt, was wir traditionell mit Ostern verbinden», werde das Fest in seiner Substanz nicht von der Krise «vermiest», sagte er. Vielmehr könne die Krise helfen, die Kraft, die im Osterfest stecke, neu zu entdecken.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann deutete die Corona-Krise in seiner Predigt auch als Chance. Sie lehre uns, «wie wichtig, wie kostbar die zwischenmenschlichen Räume sind, die wir nicht nur den wirtschaftlichen Interessen oder den Machtlobbys dieser Welt überlassen dürfen», sagte er laut einer Mitteilung. Womöglich könne «durch diese einschneidende Erfahrung unsere Welt menschlicher werden, bereiter um der Zukunft willen auch Verzichte auf sich zu nehmen», um der Solidarität willen die Würde aller zu schützen.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, erinnerte in einer Osterandacht an Covid-19-Patienten und ihre Angehörigen. In den Fürbitten erbat er auch Mut, Kraft und Besonnenheit für Ärzte und Pflegekräfte, «die in diesen schweren Tagen so viele Fragen beantworten und Entscheidungen treffen müssen», teilte die Protestantische Landeskirche am Sonntag mit.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, verteidigte die Behörden-Anordnungen. Dazu zählt auch das Verbot öffentlicher Gottesdienste. «Dass wir uns zurzeit nicht in den Kirchen versammeln, um Gottesdienste zu feiern, ist richtig. Es geht darum, dass wir alles tun müssen, um eine schnelle Ausbreitung der tückischen Krankheit zu verhindern», sagte Jung.

Als ein «Zeichen von Zuversicht, Hoffnung und Zusammenhalt in schwieriger Zeit» feierte Bischof Kohlgraf am Montag eine Messe im Katholischen Klinikum Mainz (kkm) – ebenfalls ohne Besucher. Patientinnen und Patienten konnten die Liveübertragung in ihren Zimmern und alle anderen Gläubigen im Internet verfolgen. Kohlgraf sprach einen Segen insbesondere für Pflegekräfte, Ärzte und alle sonst in Krankenhäusern Tätigen. Zuschauer im Internet kommentierten die Übertragung etwa mit den Worten «Ein wunderbarer Tagesanfang».
(dpa)

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