Kampf um Schutzmasken und Desinfektion läuft auf Hochtouren

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Foto: dpa-Archiv

Die Schutzmasken in der Corona-Pandemie kommen aus China und die Probenröhrchen aus Südtirol. Rheinland-Pfalz versucht auf Hochtouren, genügend Material heranzuschaffen – und wird dabei auch von Firmen im Bundesland kräftig unterstützt.

In der alten Mehrzweckhalle der Mainzer Kurmainz-Kaserne lagern gut gesichert Schutzkittel, -masken und Einmalhandschuhe. Eine entlüftete Garage ist der richtige Standort für das Desinfektionsmittel, und im Hochregallager schafft das Technische Hilfswerk (THW) noch mehr Platz für Schutzausrüstung. Damit bietet die Bundeswehr-Kaserne in der Corona-Krise rund 2200 Quadratmeter Lagerfläche.

Alle Krankenhäuser, Pflegeheime, Rettungsdienste, Dialysezentren, Polizei und Asyleinreichtungen in Rheinland-Pfalz sollen von nächster oder spätestens übernächster Woche an aus der Kaserne beliefert werden, wie der Präsident des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek, am Donnerstag sagte. «Wir bauen gerade den Verteilerschlüssel auf.» Bislang konnten sie das Material nur abholen, wenn sie Not hatten.

«Das Landesamt ist von morgens bis abends mit der Beschaffung beschäftigt», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei einer Lieferung von 20 000 Litern Desinfektionsmitteln von der Chemischen Fabrik Dr. Stöcker aus Pfaffen-Schwabenheim (Kreis Bad Kreuznach) in die Kaserne. Es sei ein großes Netzwerk entstanden aus Firmen, die ihre Produktion umgestellt hätten, THW, Deutschem Roten Kreuz, Bundeswehr und Landesregierung.

Die in China vertretenen Firmen aus Rheinland-Pfalz hülfen direkt vor Ort bei der Beschaffung der Schutzmasken, die es sonst nur noch in Ausnahmefällen in Nordamerika gebe, sagte Placzek. «Ohne die großen Player in China wäre es schwer, an Material zu kommen.» Einige Unternehmen spenden Desinfektionsmittel, wie BASF im Rhein-Neckar-Raum, andere wollten nicht genannt werden. «Wir sind auf die Hilfe vieler angewiesen», betonte Placzek.

Die Krankenhäuser seien für den erwarteten Höhepunkt Anstieg von Corona-Patienten ab Mitte kommender Woche sehr gut vorbereitet, sagte Dreyer. Das benötigte Schutz- und Desinfektionsmaterial sei ausreichend. Placzek ergänzte: «Das ist alles immer nur Mangelversorgung, weil wir es nicht schaffen werden, dass einer sagt: «Wir brauchen nichts mehr».»

Die niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte würden vom Bund versorgt, sagte Placzek. Dieser unterstützte auch Krankenhäuser und Pflegeheime. «Der Anteil der Bundesländer ist aber deutlich größer, als das, was der Bund liefern kann.» Wie viel von der Bundesregierung beschafft werde, lasse sich aber nicht genau sagen: Die rheinland-pfälzische Statistik verzeichne viel geringere Eingänge als der Bund Ausgänge. Es seien auch alle Einrichtungen gefragt, sich selbst um Ausrüstung zu kümmern.

Wie viel Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel in den drei Hallen der Kaserne lagern? Auch dies lasse sich nicht genau beziffern, sagte Placzek. «Das ist ein Kommen und Gehen von Material den ganzen Tag über. Auch an Ostern erwarten wir Lieferungen.»

Dafür arbeiten rund 50 Beschäftigte des Landesamtes auf Hochtouren. «Das Verfahren ist mittlerweile äußerst kompliziert», sagt Placzek. «Und die Preise gehen täglich hoch» – von ursprünglich 1,50 Euro für eine FFP2-Maske auf inzwischen fünf Euro. Die Zahl der Produzenten in China steige, darunter sei aber häufig auch gefälschte Ware, die den EU-weit festgelegten Normen nicht entspreche.

Warum stellen nicht noch mehr rheinland-pfälzische Unternehmen ihre Produktion um? «Die Zertifizierung zu bekommen, ist ein aufwendiges Verfahren», sagte Placzek. Die Firma Liquisign nannte er als Beispiel. Das Unternehmen produziere geeignete Schutzkittel, die aber noch nicht die notwendige Zertifizierung als Medizinprodukt hätten – und das dauert.

Damit Unternehmen, die ihre Produktion auf die gefragte Schutzausrüstung umstellen wollen, nicht von einer Behörde zur anderen laufen müssen, hat das Landesamt ein Team gebildet – mit Vertretern aus Umwelt- und Wirtschaftsministerium. Es soll Hürden abbauen und «den Prozess des Inverkehrbringens» der Ausrüstung beschleunigen, wie Placzek sagt. «Wir wollen helfen, die Produktion an den Markt zu bringen.»

«Es ist immer schwieriger, schnell an Waren zu kommen», berichtete Placzek. «Die ganze Welt kauft in China ein. Darauf war die Welt aber nicht eingestellt.» In China seien schon Lieferungen vor der Beladung ins Flugzeug für den dreifachen Preis weggekauft worden. Die Händler vor Ort zu unterstützen gehe auch nicht. «Wenn Sie die Chinesen rein lassen, müssen sie erstmal 14 Tage in Quarantäne», erläuterte Placzek. «Wir überlegen schon, ein ganzes Flugzeug für eine große Lieferung zu chartern.»

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