Corona-Verbote und Ostern – Zuwachs bei Infektionen höher als am Vortag

Erstmals tagt ein Ausschuss des Landtags digital - wegen der Corona-Kontaktverbote. Auch der Gottesdienst in der Osternacht im Mainzer Dom wird nur im Fernsehen verfolgt werden können. Die Corona-Krise erschwert weiter das gesellschaftliche Leben.

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ. Auch die Karwoche ist in Rheinland-Pfalz von der Corona-Krise gekennzeichnet. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Kontaktverbot an Ostern wohl nicht gelockert wird und Gottesdienste ohne Besucher stattfinden werden. Kirchen und Seelsorger rufen zu Geduld und Rücksichtnahme auf. Die Themen des Tages im Überblick:

NEUE ZAHLEN – Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Rheinland-Pfalz ist bis Dienstag um 3,4 Prozent auf 4052 gestiegen, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte. Der Zuwachs binnen 24 Stunden war damit etwas höher als am Vortag, aber geringer als an jedem Tag der vergangenen Woche. Stark gestiegen ist die Zahl der Todesfälle von mit dem Coronavirus infizierten Menschen: von 33 am Montag auf 43 bis Dienstag (Stand: 10.00 Uhr). Darunter waren sieben in Koblenz, fünf im Westerwaldkreis und vier im Kreis Bad Dürkheim. Die meisten Infektionen wurden in Mainz registriert – in der Landeshauptstadt waren bis Montagvormittag 277 Fälle bekannt.

OSTERMESSE LIVE – Im Mainzer Dom laufen die Vorbereitungen für eine Live-Übertragung des Gottesdienstes in der Osternacht. Das ZDF überträgt die Feier mit Bischof Peter Kohlgraf aus der Gotthard-Kapelle des Doms, wie das Bistum Mainz mitteilte. Für die Vorbereitungen werde die Kapelle ab Gründonnerstag geschlossen. Sie werde voraussichtlich im Laufe des Ostersonntags wieder geöffnet. Die Sendung beginnt am Samstag (11. April) um 23.00 Uhr und endet am Sonntag (12. April). Das Bistum Mainz erstreckt sich auf Gebiete in Rheinland-Pfalz und Hessen.

BESUCHE DENKBAR – Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau schließt Kontakte von Seelsorgern oder Pfarrern in Alten- oder Pflegeheimen nicht grundsätzlich aus. «Alle Seelsorger sind angehalten, vor Ort zu schauen, welche Kontakte möglich sind», sagte Kirchenpräsident Volker Jung auch mit Blick auf die Osterfeiertage. Dies müsse aber mit den Einrichtungen geklärt werden. Die Möglichkeit bestehe aber, wenn es die Situation zulasse. «Das muss mit Bedacht geregelt werden.» Das Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau erstreckt sich auch auf Teile von Rheinland-Pfalz.

GEDULD GEFRAGT – Geduldig und sorgsam mit sich umgehen, gezielt positive Gefühle entwickeln und den Medienkonsum reduzieren – so kommen die Menschen nach Einschätzung von Klaus Lieb vom Leibniz-Instituts für Resilienzforschung (LIR) gut durch die Corona-Krise. «Zweimal am Tag Nachrichten schauen – morgens und abends – und sich nicht die ganze Zeit mit Corona beschäftigen, weil das die ganzen negativen Emotionen noch verstärkt», riet der wissenschaftliche Geschäftsführer des renommierten Instituts im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

BERATUNG – Einschränkungen in der Corona-Krise belasten viele der rund 118 000 Alleinerziehenden in Rheinland-Pfalz besonders. «Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, die Probleme potenzieren sich bei ihnen», sagte die Geschäftsführerin des Verbands Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in Rheinland-Pfalz, Monika Wilwerding, der Deutschen Presse-Agentur. Der Verband bietet Betroffenen landesweit telefonische Beratung, neuerdings auch online.

HAUSHALTSSPERRE – Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise hat der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz für das gesamte Bistum Mainz ab 20. April eine Haushaltssperre verhängt. Das bedeute, dass alle bereits in den Haushalten bewilligten Ausgaben sowie Stellenausschreibungen zunächst ausgesetzt seien und einer Zustimmung des Generalvikars bedürften, teilte das Bistum, das sich auf Rheinland-Pfalz und Hessen erstreckt, am Dienstag in Mainz mit. Bentz ist auch Ökonom des Bistums.

HUBSCHRAUBER BEREIT – In Ludwigshafen steht seit Dienstag der erste bundesweit anforderbare Rettungshubschrauber der ADAC Luftrettung für Transporte von Covid-19-Patienten bereit. Die Maschine sei dafür von der Station Bonn-Hangelar in die rheinland-pfälzische Stadt verlegt worden, sagte ein Sprecher der ADAC Luftrettung am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Der erste Transport habe die Maschine am Dienstagvormittag vom Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz ins nordrhein-westfälische Solingen geführt.

EXTERNE STANDORTE – Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Rheinhessen-Nahe hat wegen der Corona-Krise mehrere externe Standorte eingerichtet. Dafür seien beispielsweise Schulzentren genutzt worden, erklärte der Rettungsdienst mit Sitz in Bad Kreuznach. Mit den Behelfswachen solle Personal der größeren Wachen und solcher mit kleinen Räumlichkeiten aufgeteilt werden, um das Infektionsrisiko für Mitarbeiter zu senken.

ERSTMALS DIGITAL – Wegen der Kontaktverbote in der Corona-Krise hat am Dienstag erstmals ein Ausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags digital getagt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Livestream konnte aus technischen Gründen auf der Homepage des Landtags nur mit großen Lücken in Bild und Ton verfolgt werden. «Das Videokonferenzsystem läuft reibungslos», sagte Landtagssprecher Marco Sussmann. Beim Livestream habe es aber Netzwerkprobleme gegeben. «Der genaue Fehler steht noch nicht fest.» Eine Aufzeichnung sollte nach dem Ende der Sitzung auf die Landtags-Homepage eingestellt werden.

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